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Kommentar zum "Wohnen am Moselufer"-Projekt in Trier-Pallien

Meinung : Die fragwürdige Stadt am Fluss

Die Planungshoheit liegt bei der Kommune. So weit die graue rechtliche Theorie. Wie es in der Praxis aussehen kann, zeigt das Beispiel des laufenden Vorhabens auf dem ehemaligen Weinkellerei-Gelände in Trier-Pallien.

Der Einfluss des Rathauses auf städtebauliche Entwicklung und Gestalt ist dort denkbar gering.

Als vor zehn Jahren das Bebauungsplanverfahren startete, hatte im Rathaus wohl niemand so recht auf dem Schirm, dass die Kellerei an dieser Stelle einem Luxuswohnungs-Projekt weichen könnte. Dann verhinderte Corona, dass sich der neue Grundstücksbesitzer mit seinem Vorhaben dem Architektur- und Städtebaubeirat stellt, und schließlich scheiterte die Stadt in Verkehrsanbindungsfragen vor dem Verwaltungsgericht. Ergo: Vor fünf Monaten musste sie die Baugenehmigung erteilen.

Nicht nur das Erscheinungsbild Palliens, sondern der gesamten Weststadt wird sich in den nächsten Jahren drastisch verändern. Auf mehreren Gewerbebrachen an der Luxemburger Straße stehen hochpreisige „Wohnen am Fluss“­-Projekte in den Startlöchern oder sind bereits realisiert, ohne, dass der angespannte Wohnungsmarkt damit entlastet würde.

So wird die von der Rathaus-Spitze gerne propagierte „Stadt am Fluss“-Vision nach und nach Realität – allerdings auf der anderen Moselseite und ohne, dass die breite Bevölkerung etwas davon hat.

r.morgen@volksfreund.de