Kommunalwahl in Trier und Trier-Saarburg: Wenn Blankozettel in der Post sind

Kommunalpolitik : Sonderform der Wahl: Wenn Blankozettel in der Post sind

Wie läuft eine Mehrheitswahl ab? In einigen Orten des Kreises Trier-Saarburg dürfen Wähler ihre Wunschkandidaten aufschreiben.

Personalisierte Verhältniswahl, Mehrheitswahl mit und ohne Wahlvorschlag, kumulieren, panaschieren – wählen kann ganz schön kompliziert sein. Zumindest für diejenigen, die nicht nur eine Liste ankreuzen und dadurch die Namen auf dem vorgegebenen Wahlvorschlag von oben nach unten akzeptieren.

Bei der Kommunalwahl kommt die Verhältniswahl am weitaus häufigsten vor. Sie wird auch Listenwahl genannt, weil die Bürger zwischen verschiedenen Wahllisten wählen können. Anders bei der Mehrheitswahl: Sie kommt zustande, wenn es keinen oder nur einen Wahlvorschlag gibt (Übersicht aller betroffenen Orte im Landkreis siehe Info).

Im Moselort Pölich (Verbandsgemeinde Schweich) gibt es am Sonntag beispielsweise eine Mehrheitswahl, weil kein Wahlvorschlag zustande kam. Wer Briefwahl beantragt, bekommt einen amtlichen Stimmzettel zugeschickt oder kann diesen bei der Verbandsgemeinde abholen. Es handelt sich um ein weißes, mit einer leeren Liste bedrucktes Blatt Papier. Auf diesem können wählbare Einwohner von Pölich eingetragen werden. Diese Menschen müssen eindeutig identifizierbar sein. Bei Namensgleichheit wäre ein Zusatz wie Beruf, Anschrift oder Alter nötig. Wähler können bis zu acht Namen aufschreiben, das entspricht der Anzahl der Ratsmitglieder in Pölich.

Wer keine Briefwahl beantragt hat, kann den amtlichen Stimmzettel auch ganz normal am 26. Mai im Wahlraum ausfüllen. Der Bogen mit den (möglichst leserlich) eingetragenen Wunschkandidaten wandert dann gefaltet (um das Wahlgeheimnis zu wahren)  in die Urne.

Im Nachbarort Schleich gibt es eine Mehrheitswahl mit Wahlvorschlag. „Wir haben alle Wahlberechtigten zu einer Versammlung eingeladen. Zehn Leute haben sich bereiterklärt, auf der Liste zu kandidieren”, sagt Ortsbürgermeister Rudolf Körner. Auf dem Stimmzettel im Wahlbüro werden allerdings keine zehn, sondern nur neun Kandidaten stehen. Diese Zahl ist vorgegeben, weil der Gemeinderat Schleich aufgrund der Einwohnerzahl des Ortes (bis 300 Einwohner) sechs Sitze hat und höchstens die anderthalbfache Zahl von Bewerbern aufgeführt werden darf. Sechs plus drei – das ergibt neun wählbare Kandidaten.

Auch hier gilt: Kumulieren wie bei der Verhältniswahl mit mehreren Listen ist nicht möglich, jeder Bewerber kann nur eine Stimme bekommen. Das Panaschieren entfällt ja ohnehin, weil es nur eine Liste gibt. Allerdings kann der Wähler Namen auf der Liste streichen und/oder weitere hinzufügen. Wählbar ist nur, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens drei Monaten in der Gemeinde wohnt.

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