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Kompromiss sichert Barrierefreiheit

Kompromiss sichert Barrierefreiheit

Winterbedingt herrscht zurzeit Stillstand auf der Baustelle in Osburg, wo die Mehrzweck-Hallensportanlage der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer entsteht. Bei den Planern gehen die Arbeiten indessen weiter. In Kürze startet das Düsseldorfer Büro RKW die Detailplanung, bei der auch der Behindertenbeauftragte mitreden wird.

Osburg. Als der Bau der Mehrzweckhalle in Osburg im Spätherbst 2010 begann, schien der jahrelange Streit um Planung und Finanzierung beigelegt. Doch kurz vor der Grundsteinlegung im Dezember zogen erneut dunkle Wolken auf: Der Behindertenbeauftragte der VG Konz, Peter Musti, hatte im Auftrag der Kreisverwaltung die Planung begutachtet und besonders das Fehlen einer Aufzugsanlage vom Erdgeschoss mit Spielfeldern, Gastronomie, Kegelbahn und Behindertentoilette zu den im Obergeschoss liegenden Umkleidekabinen bemängelt.

"Nur Provisorien und zweitbeste Lösungen"



Die von den Planern vorgeschlagene Alternative war ein Rampenzugang über die Rückseite des Baus, für den Rollstuhlfahrer die Halle hätten verlassen und von außen umrunden müssen (der TV berichtete). Nun berichtet Musti von einem Kompromiss, den er mit Bürgermeister Bernhard Busch von der VG Ruwer und Guido Müller von der VG-Bauabteilung erzielt habe: Für die Verbindung zwischen Erd- und Obergeschoss werde am Aufgang ein sogenannter Treppenlifter (Kosten rund 18 000 Euro) mit Plattform installiert, der auch für Elektrorollstühle und Kinderwagen geeignet sein soll. Erfreut zeigt sich Musti über dieses Ergebnis nicht. "Ich habe gegenüber der VG Ruwer deutlich gemacht, dass dies Provisorien und ebenfalls zweitbeste Lösungen sind. Bei einer Neubauplanung wie in Osburg gab es von vorneherein ganz andere Möglichkeiten, doch die wurden einfach vergessen", sagt Musti. Immerhin gebe es nun das Angebot, ihn in die beginnende Detailplanung einzubeziehen.

Guido Müller bestätigt auf TV-Anfrage diese Entwicklung. "Wenn wir nun in die Detailplanung einsteigen, wird der Behindertenbeauftragte am Prozess beteiligt", sagt Müller. Dass der Interessenvertreter der Behinderten Kompromisse eingehen musste, hält er bei einem Projekt dieser Größenordnung für unumgänglich. Einen Aufzug für Zigtausende Euro, der die meiste Zeit stillstehe, lasse sich gegenüber den Bürgern nicht vertreten. Und auch andere hätten bei der Planung zurückstecken müssen - etwa beim gestrichenen Jugendraum oder der entfallenen dritten Spielfläche.

Zwar habe er für das Osburger Projekt nur Kompromisse erreicht, sagt Musti, doch vergeblicher Aufwand sei es nicht gewesen, sondern ein Lernprozess. Musti: "Das war eine wichtige Erfahrung, die mir bei der Begleitung des nächsten Großprojekts, dem Abriss und Neubau des Konzer Hallenbades, sehr helfen wird." ExtraBauherr der Halle Osburg ist die Verbandsgemeinde (VG) Ruwer, die damit auch den Hauptanteil der Finanzierung trägt. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf 3,75 Millionen Euro (mit integrierter Kegelsportanlage). Die dafür vom Land in Aussicht gestellte Förderung beträgt eine Million Euro für den Bereich Schulsport und 155 000 Euro für die Kegelsportanlage. Der Kreis beteiligt sich mit rund 289 000 Euro, und 700 000 Euro beträgt der Anteil der Standortgemeinde Osburg. 73 000 Euro kommen von den Nachbargemeinden und künftigen Mitnutzern Thomm, Herl und Lorscheid. 1,53 Millionen Euro investiert die VG Ruwer. (f.k.)