Kolumne Glaube im Alltag: Kompromisslos?

Kolumne Glaube im Alltag : Kompromisslos?

Gespräche zwischen Koalitionsparteien, Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, Konferenzen zur Lösung internationaler Konflikte – täglich hören oder lesen wir davon in den Nachrichten.

Und oft von der Unversöhnlichkeit zwischen Verhandelnden. Günstigenfalls aber steht am Ende ein Kompromiss, der die Sache voranbringt und mit dem beide Seiten gut leben können. Aber Kompromisse sind offenbar schwierige Angelegenheiten.Das ist auch im Alltag verstärkt festzustellen. Schnell wird ein Gespräch zum hitzigen Disput, in dem Sachlichkeit keine Chance hat und es zum Schluss nur noch darum geht recht zu haben. Abweichende Meinungen werden kaum akzeptiert, Hassbotschaften übers Internet nehmen stark zu, Auseinandersetzungen werden schnell handgreiflich und Ausrasten scheint allmählich als normale Reaktion zu gelten.

Die Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und radikal-aggressivem Egoismus scheint zunehmend zu schwinden. Auf dem Gehweg von herannahenden Radfahrern angepöbelt zu werden gehört ebenso zum Alltag wie extrem dichtes Auffahren auf der Straße, wenn man Geschwindigkeitsbeschränkungen einhält. In dieser Woche wurde jemand zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, weil er Feuerwehrleute im Einsatz übel beschimpft hatte – sie hatten seine Weiterfahrt verzögert. Dass derlei zunimmt und immer häufiger Menschen im Notfall-Einsatz für andere verbal oder tätlich angegriffen werden, macht mich sprachlos und zornig.

Leider erfahren wir nur selten von den vielen Menschen, die anderen im Alltag ganz selbstverständlich helfen, die abweichende Meinungen anerkennen und nach guten Kompromissen suchen. Ein entsprechend aufgebauschter Streit oder vermeintlicher Skandal macht in der Öffentlichkeit ja auch mehr her.