Konflikte friedlich lösen

TRIER. Regelmäßig führt die Polizei Schulprojekte zur Gewaltprävention durch. Am Montag startet eine Aktionswoche an den Trierer Förderschulen.

Gewalt unter Jugendlichen, auch an der Schule, ist zu einem fast alltäglichen Phänomen geworden. Polizeipräsident Manfred Bitter will sich damit nicht abfinden und hat vor vier Jahren begonnen, an den Trierer Schulen Projektwochen zu diesem Thema durchzuführen. Diesmal sind nun die Förderschulen an der Reihe, und im Gespräch mit den Pädagogen wurde schnell deutlich, dass es dort ganz andere Probleme gibt als an anderen Schultypen.Selbstwertgefühl stärken

"Unsere Schüler sind die klassischen Opfer von sexuellen und anderen gewaltsamen Übergriffen", sagt Bernd Benz, stellvertretender Leiter der Porta-Nigra-Schule für Kinder mit geistigen Behinderungen. Ziel sei es daher insbesondere, das Selbstwertgefühl und das Körperbewusstsein zu stärken. Dazu stehen Zirkuskunststücke und kleine Theateraufführungen auf dem Programm. Oft könnten die Schüler auch nicht über Gewalterlebnisse sprechen, deshalb hat Bernd Benz einen ungewöhnlichen Wunsch: "Wir hoffen, dass sie aggressiv werden." Die Kinder sollen lernen, sich zu äußern, nein zu sagen, sich zu wehren. An der Medard-Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen hat Schulleiter Rainer Graß beobachtet, wie Gewalt häufig entsteht: "Ein harmloser Rempler kann ganz schnell eskalieren." Gemeinsam mit einem Sportlehrer der Landespolizeischule soll daher trainiert werden, wie man einen Konflikt friedlich beilegen kann, noch bevor es zur Gewalt kommt. Daneben geht es auch um Information über die polizeiliche Arbeit, die die Schüler bei einem Besuch der Wache kennen lernen können. Ein besonderes Projekt haben die Theaterpädagogin Sylvia Martin und die Bewährungshelferin Ute Theis erstellt. In einem Theater-Workshop, der an zwei der Schulen durchgeführt wird, sollen die Schüler selbst Szenen entwickeln und Problemlösungen besprechen. Für die beiden Inititatorinnen ist die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderungen eine neue Erfahrung. "Wir sind selbst schon sehr gespannt."Ursachen von Gewalt in den Familien

Für Christina Stuke von der Förderschule St. Josef liegen die Ursachen von Gewalt häufig schon in den Familien. "Vielen Schülern wurde im Elternhaus nicht beigebracht, Konflikte zu lösen." Auch ihre Kollegen haben beobachtet, dass manche Kinder Körperkontakt fast ausschließlich in Form von Gewalt kennen lernen, nicht als liebevolle Zuwendung. Manfred Bitter sieht daher die Arbeit der Polizei als Teil eines Netzwerkes, in das neben Schulen und Jugendämtern vor allem auch die Eltern mit einbezogen werden müssen.

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