Konsens statt Konfrontation im Laternenstreit

Konsens statt Konfrontation im Laternenstreit

Die Bürgerinitiative (BI) Heiligkreuz hält, was sie verspricht: Sie hat eine Bürgerinformationsveranstaltung angeboten. 80 Neu-Heiligkreuzer kamen. Es sind die Bürger, in deren Straßen die Stadt die alten Laternen für rund eine halbe Million Euro austauschen und von denen sie 75 Prozent der Kosten dafür kassieren will. Die Initiative will einen Konsens herbeiführen, drängt auf Gespräche mit der Stadt.

Trier-Heiligkreuz. Das Fernsehen wollte in der Grundschul-Mehrzweckhalle in der Rotbachstraße drehen, andere Medienvertreter hatten um ein Interview gebeten: Die Bürgerinitiative Heiligkreuz ist begehrt. Die acht Aktivisten aber wollen "das Thema nicht so hochkochen". Denn im Heiligkreuzer Laternenstreit gehe es darum, "einen Konsens zu finden, nicht auf Konfrontation zu gehen", wie BI-Sprecher Rolf-Jürgen Wiechers und sein Mitstreiter Guido Leonardy unterstreichen.
Gegründet hatte sich die BI nach einem Stadtratsbeschluss im vergangenen Dezember. Die Fraktionen stimmten zu, dass in Neu-Heiligkreuz (Ludwig-Simon-, Adolph-Kolping-, Flinsbach-, Werding-, Treverer-, Erzbischof-Heinrich-, Stefan-George-, Ferdinand-Tietz-, Orendel-, Eduard-Schieffer- und Christian-Eberle-Straße) neue Straßenlaternen mit LED-Leuchten aufgestellt werden sollen. Nötig sei dies, weil laut Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani der Zustand der Laternen - sie stehen dort zum Teil seit mehr als 40 Jahren - "dies erfordert", Masten teilweise verrostet sind.
Von den Kosten von rund 482 000 Euro sollen die Anwohner 75 Prozent zahlen. Es kämen drei bis vierstellige Summen auf die Betroffenen zu. Das will die BI verhindern (der TV berichtete). Die Organisatoren schrieben die 360 betroffenen Haushalte an.
222 Rückantworten haben sie erhalten. Auf Antworten von der Stadt auf mehrmalige Schreiben allerdings haben sie lange gewartet - bis zum Tag ihrer Informationsveranstaltung. "Heute habe ich eine E-Mail von Frau Kaes-Torchiani bekommen", sagt Wiechers. Darin teilt Triers Baudezernentin mit, dass der "Stadtratsbeschluss zur Erneuerung weiterhin Bestand" habe. Und: "Die anfallenden beitragsfähigen Kosten sind auf die beitragspflichtigen Grundstücke umzulegen, ein Ermessensspielraum ist nicht vorhanden."
"Wir sind nicht dagegen, dass einzelne Laternen erneuert werden", sagt Wiechers. Aber gegen den flächendeckenden und kostenintensiven Leuchtentausch wehrt sich die BI. Das sei nicht nötig.
Nur weil die Stadt sonst keine 20prozentige Förderung vom Bund erhalte, wolle sie alle Laternen erneuern. "Und uns stört, dass von Sicherheitsgründen die Rede ist, die die Stadt selbst verschuldet hat, weil sie die Laternen nicht ordentlich gewartet hat und dafür jemand anders zahlen lassen will", sagt Guido Leonardy.
Viele der anwesenden Bürger stimmen zu. Die BI hat nach Alternativen gesucht, habe einen Anbieter gefunden, der LED-Leuchten auf bestehende Masten installiert. Das sei viel günstiger, sagt Wiechers. Nun gehe es darum, endlich mehr und detaillierte Informationen von der Stadt zu erhalten und in den Dialog einzutreten. "Wir wollen daran mitarbeiten, und nicht erst informiert werden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist."
Da wird die BI noch dicke Bretter bohren müssen. Denn Kaes-Torchiani teilt mit, "dass nach Abschluss der Planungsphase noch vor Ausführung der Maßnahme eine neue Information mit den neuen Fakten allen betroffenen Grundstückseigentümern zugeht. Zudem wird das Fachamt eine Anliegerversammlung nach den Sommerferien anbieten." Doch so lange will die BI nicht warten.

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