Konzerte im Bürgerzentrum Schweich sind beim Publikum und Veranstaltern beliebt.

Konzert : Akustik und die Tücken des Alltags

An der Akustik von Musikräumen scheiden sich die Geister. Nicht nur renommierte Konzertsäle stehen in der Kritik, sondern auch Bürgerhäuser, in denen heute der Gemeinderat tagt und morgen ein Blasorchester spielt. Das Bürgerzentrum in Schweich etwa versucht, die Herausforderungen zu vereinen – offenbar recht erfolgreich.

Startenor Jonas Kaufmann ist sauer auf die Hamburger Elbphilharmonie. Als er im Januar dort sang, verließen verärgerte Zuhörer sein Konzert, weil sie nichts oder nur wenig von ihm hörten. Kaufmann gab daraufhin laut Hamburger Abendblatt bekannt, künftig nur noch in der Laeiszhalle (ehemalige Hamburger Musikhalle) singen zu wollen. Dabei wurde die Elbphilharmonie bei ihrer Eröffnung vor zwei Jahren als akustisches Wunderwerk gefeiert.

Dass viele Konzertsäle ihre Tücken haben, ist ein alter Hut. Mal sind sie zu hallig, mal zu trocken. Hier hört man im Parkett hervorragend, dort an den Seiten miserabel. Womit Blasorchester oder Streichorchester spielend zurechtkommen, daran verzweifeln Vokalensemble oder Solosänger und umgekehrt. Ein Dilemma, nicht nur für Theater und Philharmonien.

Gemeinden, die Bürgerhäuser bauen, tun dies mit der Absicht, dass möglichst viele Veranstaltungen darin über die Bühne gehen können. Das Konzert ebenso wie der Seniorennachmittag, die Ausschusssitzung genauso wie die Weinprobe. Kompromisse müssen da schon beim Bau geschlossen werden. Dennoch heizt das Thema Akustik immer wieder die Gemüter auf. Zuletzt in dem TV-Artikel „Zwischen Händel und der Prosa des Lebens“ vom 19. März über das Konzert zum 50. Geburtstag der Kreismusikschule Trier-Saarburg.

Einige Musiker äußerten sich darin zu der aus ihrer Sicht problematischen Akustik. Thomas Leyendecker, Posaunist bei den Berliner Philharmonikern und Professor für Posaune an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, trat an diesem Abend als Solist auf. Bereits viermal hat er im Bürgerzentrum gespielt, immer in unterschiedlichen Besetzungen.

Er sagt: „Ich persönlich finde, dass sich der Saal recht gut anhört. Er ist ja für verschiedene Zwecke konzipiert, nicht als reiner Konzertsaal. Dafür ist die Akustik vom Saal aus für meine Ohren wirklich gut.“ Und weiter. „Als Solist auf der Bühne fiel mir auf, dass der Unterschied zwischen leerem und vollem Saal – also Probe ohne und Konzert mit Publikum – sehr groß ausfällt. Man hat geprobt und wird dann am Abend sehr überrascht.“ Ein gewisser Unterschied sei tatsächlich normal, aber hier falle er doch sehr deutlich aus. Mit seiner Aussage, die Akustik sei „trocken“, habe er gemeint, dass „es mir persönlich sehr schwerfiel, von der Bühne aus ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Lautstärke und was für ein Klang im Zuschauerraum ankommt“.

Auch Hermann Lewen, Gründer des Mosel Musikfestivals, hat schon viele Säle bespielt und kennt das leidige Thema mit der Akustik. „Ich war erst einmal in der Bürgerhalle Schweich zu einem Konzert des sinfonischen Blasorchesters des Landkreises Trier-Saarburg. Die Akustik der Halle ist mir weder als besonders gut, noch als besonders schlecht in Erinnerung geblieben“, sagt er. Seiner Meinung nach sei das Problem die Multifunktionalität dieser Hallen. „Darin soll man eine Gemeinderatsitzung halten und Fastnacht feiern können. Dafür wird die Akustik allerdings dermaßen heruntergeprügelt, dass das tödlich für Live-Konzerte ist. Heute werden kaum noch Hallen mit einem natürlichen akustischen Nachhall gebaut.“

Anke Krämer-Gorges vom Verein Kultur in Schweich glaubt sowieso nicht an den perfekten Klang. „Das Bürgerzentrum Schweich ist ein Multifunktionssaal, was auch sinnvoll ist. Für professionelle Musiker und Künstler ist der Saal ideal, denn sie stellen sich auf die Gegebenheiten des Raumes ein.“ Und sie hat auch ein Beispiel parat. „Die Original Don Kosaken unter der Leitung von Wanja Hlibka haben hier gastiert. Sie waren sehr zufrieden, und das Publikum war begeistert.“

Den letzten Satz hört Konzertveranstalter Heinz Wagner nach eigenen Aussagen oft, wenn er das Bürgerzentrum Schweich für seine Konzerte bucht. Was er seit 2013, also kurz nach der Eröffnung im Jahre 2012, häufig und gerne tut. „Ich arbeite mit zwei verschiedenen Akustikfirmen zusammen. Und die stellen sich auf die räumlichen Gegebenheiten ein.“ Einige Künstler kommen jedes Jahr nach Schweich, so wie Frank Rohles & Friends oder die Big Band „Art of Music“. Auch der Trierer Musiker Steff Becker hat im November dort sein Bühnenjubiläum gefeiert. „Das ist eine Halle, die für Rockmusik ausgelegt ist“, befindet Becker kurz und knapp. „Es kommt natürlich darauf an, wer den Sound macht. Das muss jemand sein, der die Band und die Musiker kennt. Vom Publikum jedenfalls kam positives Feedback.“

Diese Erfahrung konnte Johannes Klar, Kirchenmusiker, Chorleiter und Dekanatskantor aus Schweich, bisher noch nicht machen. Denn er ist noch nie mit einem seiner Chöre im Bürgerzentrum aufgetreten, aber: „In einer Mehrzweckhalle kann man nicht rein akustische Maßstäbe anlegen. Das ist kein Konzertsaal. Man muss da fair sein. Ich stelle mir aber vor, dass sinfonische Blasmusik oder große Blasorchesters im Bürgerzentrum keine Probleme haben.“

Klar kommt er viel herum mit seinen Chören. Daher weiß er: „Es gibt nie den Raum, der optimale Bedingungen hat. Immer wieder steht man vor Herausforderungen. Also muss man versuchen, sich auf den Saal einzustellen.“

Den Schweicher Stadtbürgermeister Lars Rieger dürfte dies freuen. Denn für Veranstaltungen in der Verbandsgemeinde Schweich sei das Bürgerzentrum sehr wichtig, was sich allein an den hohen Auslastungszahlen manifestiere, teilte er dem Trierischen Volksfreund mit. Er verweist auf schallabsorbierende Decken- und Wandelemente. Er betont: „Niemand aus der zahlreichen Gästeschar beim Konzert der Kreismusikschule hat mich darauf angesprochen, dass es Probleme mit der Akustik gäbe.“

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