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Juli-Hochwasser richtete große Schäden am Kordeler Bahnhof an.

Hochwasserschäden in Kordel : Wie geht es mit dem Kordeler Gasthaus Zum Alten Bahnhof weiter?

Die Gaststätte Zum Alten Bahnhof war für viele Menschen in Kordel ein zentraler Treffpunkt. Seit dem Hochwasser steht der Betrieb still. Bis Bautrockner das Sandstein-Gemäuer trockengelegt haben, dauert es. Wird die Kneipe wieder öffnen? Ein Ortsbesuch bei Pächterin Manuela Jubelius.

Manuela Jubelius zeigt mit ihrer Hand an die Stelle, wo früher ihre Holztheke gestanden hat. Früher hingen hier Trompeten, ein Akkordeon, ein Jagdhorn an der Decke. Die grünen Gaststättenwände zierten Bilderrahmen mit alten Fotos vom Kordeler Bahnhof, von Dampflokomotiven und von Kordeler Einwohnern. Früher stand Manuela Jubelius in der Küche und hat Schnitzel und Flieten zubereitet. Dann kam das Hochwasser.

Heute dröhnen hier die Bautrockner, Ventilatoren drehen sich, eine Schubkarre steht mitten im Raum, Kabel hängen von der Decke und Plastikrohre saugen die Feuchtigkeit ein. In einer Ecke stehen mehrere Kloschüsseln und Heizkörper aneinandergereiht. In der Küche hängt nur noch die Dienstabzugshaube. Die Fliesen und der Estrich sind herausgerissen. Die Möbel sind an mehreren Orten zwischengelagert. Draußen vor dem Haus steht ein Container. Früher hat Manuela Jubelius oben in der Wohnung gewohnt. Heute lebt sie in Möhn bei einem Bekannten, bei dem sie untergekommen ist. Fünf Monate nach dem Hochwasser.

Warum die Renovierungsarbeiten am Alten Bahnhof Kordel noch lange dauern werden

Dabei hatte es am Anfang alles ganz gut ausgesehen, sagt Manuela Jubelius. Mit dem Aufräumen hätten sie sofort nach dem Hochwasser begonnen. „Wir haben richtig schön sauber gemacht“, sagt sie. Dass die Schäden weitaus schlimmer sind, habe sie zunächst nicht erahnt. „Der Boden ist aus Sandstein. Der hat sich mit Wasser vollgesogen. Das Wasser ist die Wände hochgestiegen.“

Vor zwei Wochen begannen die Handwerker mit der eigentlichen Trocknung. Doch bis die alten Mauern wirklich trocken sein werden, dauere es noch zwei Monate, sagt der Kordeler Ortsbürgermeister Medard Roth. Der Ortsgemeinde gehört das Gebäude. Für 178.000 Euro hatte die Gemeinde das Haus im Jahr 2009 gekauft.

Das Leben war für die Betreiberin zuletzt nicht einfach. Wie alle Gastronomen war auch sie von den Corona-Schließungen betroffen. Im Sommer hatte die Kneipe dann wieder geöffnet: „In den sechs Wochen, in denen wir aufgemacht haben, da war so ein großer Zulauf“, erzählt die Pächterin. Doch dann kam das Hochwasser und machte alles wieder zunichte.

Was die Kneipe Alter Bahnhof Kordel für das Dorf bedeutet

Das Gasthaus Zum Alten Bahnhof war früher eine Kneipe. Die Küche: einfach, aber gut. Hier gab es Bratkartoffeln, Schnitzel, Flieten, Schwartenmagensalat. Welchen kulturellen Wert die Gaststätte für die Gemeinde hat, erklärt Medard Roth so: „Hier war pulsierendes Leben. Wenn man jemanden treffen wollte, ist man hierhin gegangen. Es ist eine bodenständige Kneipe.“

Große Feste haben sie hier gefeiert. Manuela Jubelius zeigt alte Fotos aus besseren Zeiten: Einmal im Jahr hatten sie immer Oktoberfest gefeiert. 300 bis 400 Gäste kamen da. Ihr Mann sticht ein Bierfass an.

Im Jahr 2000 hatte ihr Mann Roman Jubelius die Gaststätte übernommen. Danach war Manuela Jubelius mit eingestiegen. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2018 hat sie Gaststätte selbstständig fortgeführt.

Und dann kam 2021 das Hochwasser: Es reichte hier gut 60 Zentimeter über den Kneipenboden. Doch die Folgen sind im ganzen Haus zu spüren. Denn die Ölheizung funktioniert nicht mehr. Auch nicht in der Wohnung im Obergeschoss, die Manuela Jubelius bezogen hatte. „In meiner Wohnung ist es so eisig, da sieht man den Atem.“

Wann kommt die neue Heizung im Alten Bahnhof Kordel?

Das Problem mit der Heizung stand zuletzt auch auf der Tagesordnung des Ortsgemeinderates. Der Rat hat beschlossen: Es soll eine neue Ölheizung verbaut werden. Das gehe schnell und die Versicherung werde die Kosten tragen. Würde man eine teurere hochwassersichere Variante wählen, sei unklar, ob die Mehrkosten vom Bund gefördert würden. Wann die Ölheizung verbaut werde, und wie es weitergeht, kann Medard Roth noch nicht sagen. „Vor Sommer läuft hier nichts“, sagt Roth. Pächterin Manuela Jubelius rechnet sogar damit, dass es noch länger dauern könnte.

Eines weiß Pächterin Manuela Jubelius aber schon sicher: „Ich will unsere Gäste nicht enttäuschen, ich will weitermachen.“

 Pächterin Manuela Jubelius hatte erst im Jahr 2018 die Kneipe von ihrem verstorbenen Ehemann übernommen. Davor war sie schon lange in dem Gasthaus tätig.
Pächterin Manuela Jubelius hatte erst im Jahr 2018 die Kneipe von ihrem verstorbenen Ehemann übernommen. Davor war sie schon lange in dem Gasthaus tätig. Foto: Thorben Behring

Dann erinnert sie sich an das Hochwasser: Am Tag davor, erzählt sie, seien noch Gäste in der Kneipe gewesen. Sie hatten im Hotel Neyses übernachtet. An dem Abend hat es stark geregnet. Sie habe ihnen zwei Regenschirme für den Weg ins Hotel mitgegeben, sagt Manuela Jubelius. Dann kam das Hochwasser. Ein paar Tage, nachdem sie mit dem Aufräumen angefangen hatte, habe sie ein Paket erhalten, erzählt sie. Darin zwei Regenschirme und eine Dankeskarte. Die Gäste wünschten ihr viel Kraft für den Wiederaufbau.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fünf Monate nach dem Hochwasser: So sieht es im Gasthaus Zum Alten Bahnhof in Kordel aus