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Kolumne: Krabatzert und Furhäks

Kolumne : Krabatzert und Furhäks

Trierer sind nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Im Gegensatz zu unseren extrovertierten Nachbarn vom Rhein sind die Menschen an der Mosel ein gutes Stück bedächtiger und gelassener. Bis bei ihnen emotionale Ausbrüche erkennbar werden, muss es schon dick kommen. Wenn es möglich ist, vermeidet der Trierer Verwicklungen, Dispute oder Streit.

Das sieht dann wie Pazifismus aus, ist aber eigentlich nur Bequemlichkeit. Aber: wenn ein Trierer mal so richtig raosend (wütend) ist, wenn er sich veräbbelt und geleimt (betrogen) fühlt, dann haben seine Gelassenheit und seine Friedfertigkeit ein jähes Ende. Dä Knaadsch (der Ärger) beginnt mit dösbedören (disputieren) und dischkerören (diskutieren). Das sind die eleganten Formen der Auseinandersetzung.

Die nächste Steigerungsstufe ist das Däädijen (däädijen = mit jemandem aufgeregt um eine Sache streiten). Hier kommt zur Reiberei noch eine lebhafte gestenreiche Bekräftigung hinzu. Das sieht dann schon nach Konflikt aus. Ein kurzer Einschub zu diesem Wort däädijen: Wenn es auch so klingt, leitet sich däädijen nicht von tätigen ab, sondern von dem vergessenen Verb tagedingen/tegedingen, das soviel bedeutet wie verhandeln, unterhandeln, Übereinkünfte treffen.

Im heutigen Wort verteidigen steckt es noch drin. Zurück zum Thema: aggressiver als dösbedören, dischkerören und däädijen ist es, krabatzisch zu reden (kratzbürstig zu sprechen) und zu zänngken (zanken). Was beim Zängken herauskommt ist Gezänngks. Gezänngks endet häufig mit Kragiel (Geschrei), und dann ist es bis zum Kässeln und Klobben (Hauen) nicht mehr weit. Männliche Akteure des Gezänngks nennt der Trierer Göfftschösser, Zängkerd, Zängkaorsch und Krabatzerd, die weiblichen heißen Häks (Hexe), Ratz (Ratte), Zängk und Zatz. Und dann gibt es für eine zänkische Frau noch das fast vergessene Schimpfwort Furhäks. Damit ist ein Marktweib gemeint. Früher hatten Marktweiber nämlich den Ruf, ein ganz besonders freches Maul zu besitzen und besonders streitsüchtig zu sein. Das originelle Wort ist eine Zusammenziehung des französischen Wortes foire (Markt) und des deutschen Wortes Hexe.