Krabbeln, kuscheln, klönen

TRIER. Ein Flohmarkt, viele Leckereien und ein Krabbelgottesdienst: Mit diesem Programm hat die private Ganztags-Krabbelstube "Wichtelhaus" ihr einjähriges Bestehen gefeiert. Das Zukunftsvorhaben lautet Expansion – der Startschuss dazu fällt im Januar 2007 mit der Erweiterung um zehn Plätze.

Nach und nach trudeln die Kleinen an der Hand oder auf dem Arm der Eltern in den farbenfrohen Räumen des Wichtelhauses ein. Es duftet nach Kaffee und Kuchen, aus der hauseigenen Küche hört man geschäftige Geräusche. Dass die Türen am Wochenende geöffnet sind, ist nicht weiter ungewöhnlich - die private Ganztags-Krabbelstube bietet eine flexible Betreuung an, die auch Nacht- und Wochenend-Bereitschaft einschließt. Die Kinder im Alter von zwei Monaten bis drei Jahren kommen gerne hierher. "Er dreht sich nicht einmal mehr nach mir um, wenn ich ihn herbringe", erzählt Jeanette Züchner, die Mutter des kleinen Béla. "Das ist natürlich ein komisches Gefühl, aber ein gutes Zeichen." Die Gründerin Bettina Mazankiewicz blickt mit Stolz auf das Erreichte. Eine private Krabbelstube zu gründen, sei ein schwieriges Unterfangen, berichtet sie. Die Hoffnung auf finanzielle Unterstützung habe ihr das Landesjugendamt genommen, so blieben lediglich die Beiträge der Eltern. Sponsoring sei eine Möglichkeit, auf die die Erzieherin und Familienpflegerin hofft, doch nach so kurzer Zeit sei dies noch unrealistisch, meint sie. Das schwierige erste Jahr ist überstanden, und nun schaut man optimistisch in die Zukunft. Expansion lautet das Ziel, und ab Oktober wird die Betriebswirtin Carmen Krämer als zweite Gesellschafterin unterstützend einsteigen. Zurzeit betreut das Wichtelhaus 20 Kinder, ab Januar werden es zehn mehr sein. Was diese Krabbelstube von vielen anderen unterscheidet, sind die Öffnungszeiten. Morgens um 6 Uhr können die Kleinen schon abgegeben werden, gegebenenfalls wird bis 22 Uhr betreut. Sogar einen Notfallservice gibt es, falls die Tagesmutter erkrankt oder eine berufliche Reise ansteht. So versucht die Einrichtung, der gesellschaftlichen Realität, nämlich berufstätigen Eltern und allein Erziehenden, gerecht zu werden. Das Konzept basiert auf festen Gruppen mit jeweils zehn Kindern und den so genannten offenen Gruppen, deren Plätze tage- oder wochenweise belegt werden können. Außergewöhnlich sind auch die Stundenkarten, die Eltern im Voraus erwerben und je nach Bedarf einsetzen können. Die Mutter der zweijährigen Greta, Annette Stassen, ist begeistert: "Die Stundenkarten sind super, so etwas gibt es sonst nirgendwo." Das flexible Konzept scheint aufzugehen. Das Wichtelhaus beschäftigt einen Erzieherstamm von sechs Mitarbeitern, hinzu kommen eine Haushaltshilfe und, für das leibliche Wohl, ein Koch. Auf die Frage, ob es nicht manchmal frustrierend sei, für kleine und wählerische Münder zu kochen, schüttelt er den Kopf: "Ganz im Gegenteil, sogar Fisch mögen sie, und wenn es Linsensuppe gibt, sind die Teller ratzfatz leer ", sagt Marco Mazankiewicz und lacht. Auch an diesem Tag greifen die kleinen Hände gierig nach den hausgemachten Grünkern-Burgern. Hinter dem Haus entsteht ein Spielplatz, und die Gründerin zeigt sich begeistert vom Engagement der Eltern: "Ein Vater ist Architekt, der hat sich angeschaut, wie man das am besten konzipieren könnte." Geht es um das Wohl der Kleinen, reicht man sich eben die Hände.