Krach und Kot: Krähen nerven Trierer

Krach und Kot: Krähen nerven Trierer

Lautes Krähen und zugekotete Gehwege und Autos werden zunehmend zum Ärgernis für die Trierer. Auch die Stadtverwaltung wäre die Rabenvögel gerne los. Doch so einfach ist das nicht - die Vögel stehen unter Naturschutz .

Hitchcock lässt grüßen: Der Film "Die Vögel" sei in Trier Realität geworden, schrieb ein TV-Leser vor kurzem an die Redaktion. Zahlreiche Krähen bevölkern die Bäume und Gebäude der Innenstadt. Das Pflaster auf dem Nikolaus-Koch-Platz ist vom Kot der Tiere stark verschmutzt. Und auf dem Parkplatz am Theater sieht es sogar noch schlimmer aus. Abgestellte Autos sind am nächsten Morgen meist von weißen Flecken übersät. Deshalb fühlen sich viele Trierer von den Rabenvögeln gestört. Mehrere Leser haben sich deswegen an den TV und an volksfreund.de gewandt. Die Situation werde als "störend und ärgerlich" empfunden, sagt Stadt-Pressesprecher Ralf Frühauf. Bisher habe es aber erst einen Beschwerdeanruf gegeben - mit dem Hinweis, die Stadt solle auf dem Augustinerhof doch gefälligst Warnschilder aufstellen. Wie viele Krähen sich im Stadtgebiet aufhalten, lasse sich nicht sagen. "Der unteren Naturschutzbehörde liegen keine Bestandszahlen vor", erklärt Frühauf. Es sei schwer abzuschätzen, ob ihre Zahl angestiegen sei oder die Vögel nur ihre Schlafbäume hin zur Innenstadt verlagert hätten. Ernst Christian Walter, der seit mehr als 35 Jahren im Vorstand des Naturschutzbundes (Nabu) Saarburg ist, weiß, dass Krähen immer wieder mal ihre Plätze wechseln können. Abends sammelten sich die Vögel immer in den Bäumen, um gemeinsam zu übernachten. "Die Situation am Trierer Theater ist aber schon seit Jahren so", sagt Walter. Das Problem gebe es in vielen Städten, meist handele es sich um Saatkrähen, die sich in der Nähe des Menschen sehr wohl fühlten: "Sie bekommen hier ihre Nahrung quasi frei Haus geliefert. Für die Menschen ist das schon blöd." Eine schnelle Lösung gebe es aber nicht wirklich. Denn die Krähen stehen unter Naturschutz. Frühauf erklärt: "Der Einsatz von Giftködern widerspricht dem Artenschutzrecht. Denkbar wären Vergrämungsmaßnahmen, wodurch sich das Problem jedoch lediglich auf andere Straßen verlagern würde. Selbst hierzu bräuchte man eine Befreiung von den Verboten des Artenschutzrechts durch die obere Naturschutzbehörde", erklärt er. Eine weitere Idee, die Nabu-Vorsitzender Walter ins Spiel bringt: die Ansiedlung eines Wanderfalkens. Doch Wolfgang Klotzbücher, Falkner und Betreiber des Greifvogelparks in Saarburg, erklärt: "Wanderfalken sind Felsenbewohner und scheue Tiere. An einem Platz wie dem Augustinerhof würden sie wohl nicht bleiben. Für eine Ansiedlung bräuchte man sowieso eine Sondergenehmigung." Möglich sei es schon eher, einen Falkner einzusetzen. Das hat die Stadt Bitburg im Frühjahr erst versucht - ohne Erfolg (siehe Extra). "Auch das ist keine Dauerlösung. Sobald der Falke weg ist, kommen meist auch die Krähen wieder", sagt auch Klotzbüchner. Er meint: Man sollte lieber mal schauen, aus welchem Grund die Vögel sich in der Stadt aufhalten, und da etwas unternehmen. "Irgendetwas gibt es da ja, was denen gefällt - ein großes Futterangebot oder gute Nistplätze." Die Stadt behilft sich unterdessen damit, nicht das eigentliche Problem, sondern nur dessen Spuren zu beseitigen: "Das Straßenreinigungsamt reinigt im Laufe ihrer routinemäßigen Tour die beiden hauptsächlich betroffenen Plätze - Nikolaus-Koch-Platz und Parkplatz Augustinerhof - am frühen Morgen", sagt Frühauf. Sonderreinigungseinsätze seien jedoch nicht vorgesehen. Klotzbüchner gibt zu bedenken, ob überhaupt etwas unternommen werden muss: "Wir müssen auch lernen, mit bestimmten Dingen zu leben. Wir können nicht alles, was Natur ist, einfach vertreiben, nur weil es uns nicht gefällt."
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Krähen machen den Trierern das Leben schwer. Sind sie erst mal da, sind sie schwer wieder aus der Stadt zu kriegen. (Symbolbild). Foto: dpa

Habicht-Einsatz: In Bitburg ist der Versuch gescheitert, Krähen mit Hilfe eines Habichts am Nestbau im Waisenhauspark zu hindern. Im Waisenhauspark halten sich etwa 300 Krähen auf und koten die Außenanlage des benachbarten Kindergartens zu.Zunächst hatte die Stadt im Jahr 2011 versucht, die Vögel mit Krähenklatschen zu vertreiben. Das funktioniert so: Die Klatschen, die aus zwei Brettern und einem Zugseil bestehen, werden in den Bäumen befestigt. Zieht der Parkbesucher an dem Seil, knallen die Bretter aneinander. Die Aktion war nicht erfolgreich. Die Naturschutzbehörde der Stadt genehmigte daraufhin den Einsatz eines Falkners. Dieser besuchte mit einem Habicht namens Justus morgens und abends den Park, sieben Wochen lang. Weil Habichte als die natürlichen Feinde der Krähen gelten, suchten diese auch jedes Mal das Weite. Das Problem: Sobald Justus weg war, kamen die Krähen wieder.Wie viel der Einsatz des Falkners gekostet hat? Dazu wollte die Stadtverwaltung keine Angaben machen. uhe/eib

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