Krach wegen zwei Kastanien in Trier

Plötzliche Fällung : Krach wegen zwei Kastanien in Trier

Sie sollten dem neuen Biergarten beim Central-Hotel Schatten spenden, aber dann ließ die Unternehmerfamilie Friedrich die beiden alten Bäume überraschend doch fällen. Triers Baudezernent Andreas Ludwig ist außer sich.

Die Empörung und der Zorn um die abgeholzte Trauerweide in der Trierer Speestraße liegen gerade mal zwei Wochen zurück, aber schon droht neuer Ärger aus der Welt der Bäume. Die Unternehmerfamilie Friedrich saniert zurzeit das alte Central-Hotel Faßbender am Rindertanzplatz (der TV berichtete) und will daraus einen neuen Stadthof Fetzenreich mit Biergarten machen. Bis Ende März standen dort zwei alte und stolze Kastanien. Jetzt stehen sie nicht mehr.

Dabei waren die beiden imposanten Bäume Teile des Plans. „Die Kastanien waren integrativer Bestandteil des zukünftigen Biergartens im Stadthof Fetzenreich“, räumt Markus Friedrich ein, der für die Friedrich Hotels GmbH spricht. Der Biergarten soll das Herzstück des Stadthofs werden. Insgesamt plant Familie Friedrich ein Restaurant und einen historischen Keller mit 80 Sitzplätzen, ein Hauptgebäude mit 100 Sitzplätzen und den Biergarten mit über 400 Sitzplätzen. Im Sommer 2020 soll das Projekt fertig sein.

Ein Biergarten mitten in der Innenstadt im Schatten der beiden Kastanien, die für viele Anwohner und Passanten schon lange alte Bekannte sind  – daraus wird nichts. Die Bauherren ließen die Bäume fällen. Der TV fragt Markus Friedrich nach den Gründen.

„Während der Grabungen des Landesmuseums wurde festgestellt, dass beide Kastanien mit ihrem Wurzelwerk in zwei mittelalterliche Keller hineinragen und teilweise auf diesen stehen“, sagt der Sohn von Seniorchef Artur Friedrich. Doch das sei nicht alles. Die Bäume seien krank und faul gewesen. „Sie waren eine zu große Gefahr für das Gebäudeensemble sowie die Arbeiter und Besucher des späteren Biergartens“, erklärt Markus Friedrich.

Friedrich legt Fotos vor, die seinen Angaben nach Teile der gefällten Bäume zeigen. Auf diesen Bildern sind Spuren von Fäulnis und Aushöhlung klar zu sehen (siehe Foto unten links). „Untersuchungen hatten ergeben, dass beide Bäume ausgefaulte Stämme sowie ebenfalls faule und von Würmern zerfressene Astlöcher haben“, sagt der Unternehmer. „Sie zeigten ebenfalls, dass das Kernholz faul ist und dort Wasser austritt.“

Die Konsequenz: „Nach eingehender Beratung und zum Schutz der weiteren Arbeiten und der benachbarten Häuser fiel dann zu unserem Bedauern die Entscheidung, die beiden Bäume zu ersetzen“, sagt Friedrich. Er will im Biergarten neue und bereits ausgewachsene Bäume pflanzen lassen, „damit der wunderbare Charakter eines Biergartens unter alten Bäumen von Beginn an besteht.“

Triers Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) ist kein Mann lauter Worte. Auch dieses Mal hebt er die Stimme nicht, sein Ärger ist aber klar erkennbar. „Das ist schon ein starkes Stück“, sagt Ludwig. „Die Kastanien waren uns wichtig.“ Ludwig betont, die Verwaltung sei von der Fällung völlig überrascht worden. „Es war alles ganz anders geplant, die Bäume sollten stehenbleiben Jetzt sind sie plötzlich weg, und wir stehen hilflos daneben.“

Der Baudezernent will nicht so weit gehen, Familie Friedrich einen Rechtsverstoß vorzuwerfen. Noch nicht. „Es ist besser, man schweigt in einem solchen Fall erst einmal einen Tag“, sagt Ludwig. „Aber ich möchte darauf hinweisen, dass wir als Verwaltung nicht alles mit uns machen lassen.“

Markus Friedrich reagiert gelassen. „Die Stadt Trier hat keine Baumschutzsatzung“, sagt er. In einer solchen Satzung könnte eine Stadt oder eine Gemeinde genau festlegen, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen ein Bauherr oder Eigentümer Bäume, die auf seinem Grundstück liegen, fällen darf. Die Stadträte vergangener Legislaturperioden haben Anträge, eine solche Satzung für Trier aufzustellen, immer abgelehnt.

Kritiker sehen Baumschutzsatzungen als Bürokratiemonster, und auch Baudezernent Ludwig ist kein Freund dieser Werke. „Ich habe mit solchen Satzungen keine guten Erfahrungen gemacht“, erklärt er. „Aber sie wären auch gar nicht nötig, wenn sich alle Beteiligten einfach an Pläne und Absprachen halten würden.“

Kein schöner Anblick: So sahen die Stämme der Kastanien laut Darstellung der Unternehmerfamilie Friedrich nach der Fällung aus. Foto: Trierischer Volksfreund/Privat

Hat die Friedrich Hotels GmbH der Stadt mitgeteilt, dass die Bäume krank sind? Nein, sagt der Baudezernent. „Von einer Krankheit der Kastanien ist uns nichts bekannt. Nach den vielen Gesprächen, die wir mit dem vom Investor beauftragten Architekten geführt haben, um eine gemeinsame Lösung für einen Biergarten rund um die schönen alten Bäume zu finden, hätten wir uns gewünscht, man hätte uns darüber vorher informiert, statt die Bäume einfach so umzuhauen.“ Dieses Vorgehen der Familie Friedrich werde das Thema Baumschutzsatzung wahrscheinlich wieder auf die Agenda bringen.

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