Kräftig vergaloppiert

De gustibus non est disputandum, sagten schon die alten Römer. Dass sich über Geschmack nicht streiten lässt, diese Erkenntnis täte auch ihren Nachfahren auf dem Petrisberg gut. In keinem anderen Neubaugebiet haben die Anwohner derart ihre Individualität beim Bauen ausgelebt, wie sich bei einem kleinen Spaziergang zwischen Schunck-, Merten-, Schwab- und Heß-Straße unschwer feststellen lässt.

Mal schräg, mal klassisch, mal quadratisch, mal asymmetrisch, mal kühler Beton, mal warmes Holz: Da hat sich mancher Architekt und mancher Bauherr seinen ganz persönlichen Einfamilienhaus-Traum erfüllt. Gut so. Aber die Toleranz muss auch gelten, wenn ein Mehrfamilien- oder Mietshaus mal aus dem deutschen Einheitslook herausfällt. Zumindest dann, wenn die Ausführung professionell und solide ist - und daran besteht im Fall der Häuser in der Schumann-Allee nicht der geringste Zweifel. Es ist das gute Recht einiger Nachbarn, das nicht schön zu finden. Aber in der Wortwahl haben sie sich kräftig vergaloppiert. Und die Befürchtung der Protestierenden (von denen etliche über 100 Meter von den inkriminierten Bauten entfernt wohnen), ihr Eigentum erfahre einen Wertverlust, ist, mit Verlaub, abstrus. Aber auch der Bauherr kann etwas dafür tun, die emotionale Überreaktion in ein konstruktives Miteinander zu verwandeln: Indem er interessierten Anwohnern die Gelegenheit bietet, das - fraglos seriöse - Konzept von Stefan Schwarz näher kennen zu lernen. d.lintz@volksfreund.de

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