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Krankenkasse bezahlt Helm für Baby nicht

Krankenkasse bezahlt Helm für Baby nicht

Eine Familie kämpft dafür, dass ihre Krankenkasse einen Helm bezahlt, der ein Arzt ihrem Kind verordnet hat. Manche Kassen beurteilen Anträge auf Kostenübernahme inzwischen differenzierter. Vor allem dann, wenn die Kopfdeformationen der Kleinkinder so gravierend sind, dass dauerhafte Schäden zu befürchten sind.

Trier. Ihrer größten Sorge ist Jessika Jacob aus Trier enthoben: Die Schädeldeformation ihres Sohnes Tom, der im Juni seinen ersten Geburtstag gefeiert hat, ist behoben. Drei Monate lang hat er Tag und Nacht eine speziell angepasste Kopforthese aus Kunststoff getragen. "Sein Köpfchen sieht super aus", freut sich seine Mutter. Ohne den von Fachärzten in Bonn-Bad Godesberg angepassten Helm wäre das nicht der Fall. Daher kann sie nicht verstehen, dass ihre Krankenkasse, die IKK gesund plus in Bremen, die Übernahme der Kosten von knapp 2500 Euro abgelehnt hat. Der formelle Widerspruch wurde zwei Mal abschlägig beschieden, so dass der Familie nur noch die Klage vor dem Sozialgericht bleibt.
Die IKK begründet ihr Nein mit dem Fehlen einer "zuverlässigen Studie, die den therapeutischen Nutzen einer Kopforthese untermauert". Die noch relativ junge Behandlungsmethode ist bisher nicht im Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen. Unbehagen löst der Teil der Begründung aus, indem sich die IKK auf bisher nicht belegte "nachhaltige Folgeschäden" beruft. Wie diese aussehen könnten, hatten Fachleute für ein anderes Kind mit gravierender Schädeldeformation aufgezeigt: Nico aus Beuren (Verbandsgemeinde Hermeskeil). Der während des ersten Lebensjahres vier bis sechs Monate zu tragende Helm hatte Nico vor schweren und eventuell bleibenden Halswirbelsäule- und Haltungsschäden oder Kiefergelenkarthrosen bewahrt. Nach dem TV-Bericht übernahm die Barmer GEK doch noch die Kosten. Die IKK hingegen rühmt sich im Bescheid an Toms Eltern der "qualitativ hochwertigen Versorgung" ihrer Versicherten. Sie sei jedoch an gesetzliche Bestimmungen gebunden.
Andere Kassen gehen differenzierter mit solchen Anträgen um, wie die Nachfrage in der Praxisklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, in der Tom behandelt wurde, zeigt. "Wir bekommen diese Behandlungen überwiegend genehmigt", sagt Dr. Holger Maas. Den Anteil der Kostenübernahmen schätzt er auf 60 bis 70 Prozent. Vor allem große Versicherer hätten erkannt, dass die Köpfe mancher Kinder so stark verformt seien, dass sie einen Helm tragen müssten. Die etwa 1800 Euro, die eine Kopforthese bundesweit koste, würden meist übernommen - die etwa 700 Euro für die ärztliche Behandlung mitunter nicht. Die Praxis räume den Eltern daher Ratenzahlungen ein.
Rein rechtlich bewegen sich die Kassen auf sicherem Boden, betont der Zahnmediziner und Facharzt für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie und plastische Operationen. Sie seien Wirtschaftlichkeitsprüfungen unterworfen und die Therapie sei nicht im Leistungskatalog verankert. Er sei jedoch zuversichtlich, dass die Übernahme der mit zunehmender Behandlungszahl ja auch sinkenden Kosten in einigen Jahren kein Problem mehr sein werde.
Die Ursache für die laut Maas bundesweit festzustellende Zunahme von nicht angeborenen Schädeldeformationen ist nicht abschließend erforscht. Es gebe jedoch die Vermutung, es könne mit schnelleren Geburten wie etwa auch Kaiserschnittentbindungen zusammenhängen, da dabei der Kopf der Kinder mehr gezogen werde.