Krankheit bekannt machen mit Musik

Krankheit bekannt machen mit Musik

Mit einem Benefizkonzert am 7. Januar in Trier will eine betroffene Familie auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam machen. Viele Helfer aus Trier-Biewer und Pluwig packen bei der kurzfristigen Organisation mit an.

Trier. Es war das Medienphänomen im Jahr 2014: die ALS Ice Bucket Challenge. Prominente und weniger prominente Menschen ließen sich öffentlich einen Kübel voll Eiswasser über den Kopf kippen, filmten das, stellten es ins Internet und forderten Bekannte heraus, es ihnen gleichzutun. Verbunden war das Eiskippen mit einer Spende an die ALS Gesellschaft in den Vereinigten Staaten. ALS ist eine heimtückische, früher oder später tödlich verlaufende Nervenkrankheit, das Kürzel steht für Amyotrophe Lateralsklerose (siehe Extra).Spenden für die Neurologie


Durch die Ice Bucket Challenge kamen allein in den Vereinigten Staaten Spenden von über 90 Millionen Dollar zusammen, auch die Berliner Charité bekam über 1,6 Millionen Euro gespendet (Quelle: Wikipedia). Nun wird auch in Trier wieder der Blick auf die ALS-Krankheit gerichtet, und auch Spenden werden wieder gesammelt - allerdings ohne Eiskübel, sondern mit viel Musik.
Der Hintergrund ist ein ernster: Wolfgang Leinen, Vater einer großen Patchwork-Familie, überzeugter Trier-Biewerer und selbst Mitglied in vielen Vereinen, ist an ALS erkrankt. Ein Benefizkonzert zu veranstalten, war sein großer Wunsch. Von den Spenden, die dabei gesammelt werden, soll die Neurologie des Trierer Brüderkrankenhauses profitieren, eine Anlaufstation für ALS-Kranke in der Region.
Innerhalb von wenigen Wochen hat sich nun Wolfgang Leinens Familie (vier Kinder und Stiefkinder) zusammengetan und stellt mit Hilfe vieler Vereine aus Trier-Biewer und Pluwig ein Konzert auf die Beine. Miriam Cartarius, Stieftocher von Leinen, erzählt: "Vor zwei Wochen hatte Wolli den Wunsch. Wir haben dann einen Termin festgelegt, und jetzt helfen alle mit, dass wir das Konzert hinkriegen." Schon am 7. Januar, einem Samstagabend, soll es so weit sein. Die TSG Biewer hat dazu ihren Neujahrsempfang verschoben und hilft bei der Organisation mit. Ebenso wie der Heimatpflegeverein Biewer, die Freiwillige Feuerwehr Biewer, der Musikverein Lyra Biewer und auch die Karl-May-Freunde Pluwig - bei denen Wolfgang Leinen ebenfalls seit vielen Jahren aktiv war. Die Helfer packen beim Auf- und Abbau in der Sporthalle "Auf der Kipp" (Donaustraße 13) mit an und organisieren Getränke- und Essensverkauf in der Halle. Die Bands an dem Abend (Konzertbeginn: 19 Uhr) sollen ein möglichst breites Publikum ansprechen. Miriam Cartarius, selbst leidenschaftliche Sängerin, ist mit ihrer Gala- und Showband "Gooseflesh" dabei. Rock, Pop, Soul und Funk kündigt sie an und verspricht: "Das ist nicht nur was für Jüngere, bei uns fühlen sich auch Konzertbesucher Ü 40 wohl." Ehe sie ab etwa 21.45 Uhr mit Gooseflesh auf die Bühne geht, heizt ihr Mann Chris Cartarius mit Rooster Rock den Besuchern ein. Die drei jungen Männer aus Trier-Biewer machen Accoustic Rock mit zwei Gitarren und einem Drumset. Zwischendurch gibt auch ein guter Freund des erkrankten Wolli Leinen noch seine musikalische Visitenkarte ab, der Elvis-Imitator Gerd Forster aus Saarlouis.
Auch das Plakat fürs Konzert hat übrigens ein Familienmitglied gestaltet, Wolfang Leinens Sohn Patrick, Grafiker. Zu sehen darauf ist - und damit sind wir wieder bei der Ice Bucket Challenge - ein Eiskübel. Die Eiswürfel liegen daneben und aus dem Kübel strömen Noten in einem bunten Regenbogen.
Auch wer am 7. Januar nicht in der Sporthalle "Auf der Kipp" dabei sein kann, kann Spenden. Die Sammlung läuft über die TSG Biewer. IBAN DE13 5855 0130 0000 9556 90, BIC TRISDE55XXX, Verwendungszweck "ALS-Benefizkonzert". Wer eine Spendenquittung braucht, sollte seine Adresse angeben.Extra

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine nach wie vor unheilbare Krankheit. Über ihre genauen Ursachen und Mechanismen ist bislang wenig bekannt. Klar ist: Die Betroffenen können sich im Verlauf der Erkrankung nicht mehr bewegen und haben Schwierigkeiten beim Schlucken, Sprechen und Atmen. Das Bewusstsein und der Intellekt bleiben aber in der Regel intakt. Etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten drei Jahre, meist an Atemlähmung. Am häufigsten erkranken Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren, Männer etwas häufiger als Frauen. Es sind vergleichsweise wenig Menschen betroffen, in Deutschland etwa 8000. Deswegen ist es für Forschungseinrichtungen und Hilfsorganisationen normalerweise sehr schwer, an Geld zu kommen. dpa

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