"Krass, dass mich jetzt ganz Trier kennt"

"Krass, dass mich jetzt ganz Trier kennt"

600 Zuschauer haben in der Mensa der Trierer Hochschule basisdemokratisch unter neun Teilnehmern den Empfänger des Constantin-Comedy-Preises gewählt. Sieger Khalid Bounouar hat bei seinen beiden Auftritten Migrationsthemen auf die Schippe genommen.

Trier. Khalid Bounouar ist der Sieger des elften Trierer Master Comedy Slam 2015. Im Finale, für das sich vier von neun Teilnehmern durch Zuschauerentscheid qualifiziert haben, ist er von fast jedem zweiten der 600 Besucher in der Mensa der Trierer Hochschule als bester Comedian des Abends gewählt worden.
Die neun Teilnehmer, alle männlich, hatten vorher jeweils einen der monatlichen Comedy-Slam-Wettbewerbe im Mergener Hof für sich entscheiden können. Peter Stablo vom Verein Kulturraum Trier, der den Master Comedy Slam ausrichtet, hat den Abend moderiert. Freudestrahlend hat der 25-jährige Aachener mit arabischen Wurzeln den Constantin Comedy Preis vom Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe in Empfang genommen. "Krass, dass ganz Trier mich jetzt kennt", kommentiert der Gewinner seinen Erfolg und will noch am selben Abend mit dem OB, den er jetzt ja kennt, was klar machen. "Wir reden gleich", nickt er Leibe von der Bühne ins Publikum zu.
Während seiner Vorträge in Vorrunde und Finale hat Bounouar, der nicht nur durch Wortwitz, sondern auch mit Gestik und Mimik überzeugt hat, mit seiner arabischen Herkunft gespielt und die Unterschiede von Nationalitäten am Beispiel Fußball demonstriert. Der Deutsche kommentiert das Spiel präzise, aber gefühllos, während Araber einfach tanzen und Türken hinterher Spieler und Familie beleidigen.
Die große Menge an Zuschauern in der Mensa kann er nicht fassen ("So viele Leute hier, das kenne ich eigentlich nur von der Familie"), und erzählt von seinem Onkel, der beim Einkauf im Aldi wie in seinem arabischen Heimatland üblich mit der Kassiererin handeln will: "Komm, wir lassen liegen und gehen, die kommt nach und macht uns dann noch einen guten Preis."
Zudem erklärt er, wie der Weihnachtsmann seine Geschenke bringen würde, wenn dieser ein Türke wäre: "Der kommt nicht mit einem Rentierschlitten, sondern mit einem Dreier-BMW."
Als zweiter ist der Würzburger Robert Alan, der seine musikalischen Vorträge an der Orgel begleitet und dabei Rap-, Rock und Lovesongs angestimmt hat, mit der Constantin Comedy Münze ausgezeichnet worden. Die beiden Erstplatzierten sowie die weiteren sieben Teilnehmer haben einen bunten Mix an Comedythemen geboten und so die Zuschauer gut unterhalten, auch wenn die Veranstaltung mit insgesamt vier Stunden manchem Zuschauer etwas zu lange gedauert hat.
"Man sollte es von der Organisation etwas straffer ziehen und auch pünktlich um 8 Uhr anfangen", meint Thomas Halberkann aus Bitburg. Trotzdem haben ihm die Vorträge gut gefallen, genauso wie Sarah Plein aus Trier. "Der Abend war sehr abwechslungsreich. Die Slammer haben eine gute Themenvielfalt geboten." cst