Kreativ, jung und männlich

TRIER. Vor zehn Jahren schlossen sich in Trier junge Männer zum 147. Round-Table-Club Deutschlands zusammen. Der "RT147" versteht sich als "Service-Club". Karitative und gesellschaftliche Unternehmungen halten sich dabei die Waage.

"Traditionelle Werte übernehmen, auf die heutige Zeit übertragen und weiter entwickeln", erläutert Sebastian Gradinger das englische Motto "adopt, adapt, improve" der über 2000 Round-Table-Clubs weltweit. Der Soziologe und "Round-Tabler" ist bei der Universität Trier angestellt und beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit mit Geschichte, Selbstverständnis und Fremdbild der Service-Clubs.Normalerweise ist mit 40 Schluss

Und womit wird der abstrakte Begriff "Werte" bei den Tablern gefüllt? "Toleranz, Offenheit, Engagement, Interesse an Anderen, sich einbringen, Solidarität mit Schwächeren", zählt Peter Stephanus auf. Der Trierer Buchhändler ist seit der Clubgründung dabei, und weil er einziges Ehrenmitglied des RT147 ist, darf er ein Jahr länger als üblich Round-Tabler bleiben. Normalerweise ist mit 40 Schluss. Zwei Säulen tragen den RT147: das soziale Engagement nach außen und das gesellige Clubleben. "40 Prozent unserer Aktivität wenden wir für soziale Projekte auf, 60 für Interna", wichtet Stephanus ganz realistisch die Verteilung. Und entkräftet damit ein verbreitetes Vorurteil: Service-Clubs wie den Rotariern, Lions und Tablern wird häufig unterstellt, dass ihre Mitglieder nur behaupten würden, es gehe um karikatives Wirken, in Wahrheit aber die gesellschaftlich und wirtschaftlich positiven Effekte ausnutzen wollen, die in einem Club entstehen, der zum großen Teil aus gesellschaftlich hochstehenden Personen besteht. "Sicher fragt man bei einem Problem, für das es einen Experten im Club gibt, schon mal diesen. Schließlich sind wir befreundet", erklärt Peter Stephanus. "Aber es kaufen lange nicht alle Clubmitglieder ihre Bücher in meinem Laden", sagt er, lacht und versichert: "Darum geht es bei uns auch gar nicht." Tatsächlich droht die Satzung den Mitgliedern, die ihre Clubkontakte zu wirtschaftlichen Zwecken missbrauchen, mit Ausschluss. Vielmehr stehe die Erweiterung des persönlichen Horizonts durch Gespräche und Erfahrungsaustausch mit den anderen Clubmitgliedern im Mittelpunkt. Die Statuten besagen, dass aus jedem Beruf nur ein Vertreter Mitglied sein darf. Im Trierer Club trifft so der Hotelier auf den Ingenieur, der Forstwirt auf den Unternehmer. "Das Interesse für Themen außerhalb des eigenen Erfahrungshorizonts wird so geweckt und gefüttert", begründet Gradinger die Berufe-Regel. Bei den sozialen Projekten steht nicht Geld im Vordergrund. Von den 300 Euro Jahresbeitrag geht ein Teil an Round-Table Deutschland und ein gutes Drittel fließt in die Finanzierung der Clubabende. Karitative Aktionen werden damit kaum gesponsert. "Wir bringen nicht finanzielle Mittel ein, sondern uns selbst", erklärt Gradinger. Um den Kinderschutzbund Trier mit einem Computernetzwerk zu versorgen, spendete ein Clubmitglied drei Rechner aus seiner Firma, ein anderes Mitglied mit entsprechendem Know-how installierte die Netzwerkverknüpfungen.1200 Geschenkpakete

Bei der Weihnachtspäckchen-Aktion kamen über 1200 Geschenkpakete zusammen, die auf den Weg zu bedürftigen rumänischen Kindern geschickt wurden. "Jeder von uns, der Material, Wissen oder entsprechende Kontakte hat, muss sich damit einbringen", erläutert Stephanus. Auch eine Fahrt zu einem Bundesliga-Fußballspiel ins Kaiserslauterner Stadion hat der Club über seine Kontakte und Möglichkeiten organisiert. "Einer kam an die Karten ran, ein anderer hat einen Bus für die Fahrt gestellt", erzählt der Buchhändler. 30 Trierer Kinder, die sonst wohl kaum zu einem solchen Event hätten fahren können, haben die Trierer Tabler damit einen unvergesslichen Tag beschert.

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