„Jetzt will ich einfach leben“ Wie die Krebsgesellschaft in Trier Menschen und ihren Angehörigen hilft, nicht an der Krankheit zu zerbrechen

Trier · Dieser Verein unterstützt seit 40 Jahren Krebskranke und ihre Angehörigen in Rheinland-Pfalz. Deshalb ist diese Geschichte unsere „Good News der Woche“. Wir haben mit der Leiterin und mit einem Betroffenen darüber gesprochen, was die Diagnose Krebs bedeutet und wie man mit der Krankheit und auch mit der Angst umgehen kann.

Die Verantwortlichen der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz bei einer Feier in Koblenz zum 70. Jubiläum des dortigen Informations- und Beratungszentrums. Von links: Sabine Schmitt-Haßler (Verwaltung), Carlita Metzdorf-Klos (Leitung), Lena Mangerich (Beraterin), Kornelia Huber (Beraterin), Janina Frankowski (Mama/Papa hat Krebs), Claudia Schlöder (Verwaltung).

Die Verantwortlichen der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz bei einer Feier in Koblenz zum 70. Jubiläum des dortigen Informations- und Beratungszentrums. Von links: Sabine Schmitt-Haßler (Verwaltung), Carlita Metzdorf-Klos (Leitung), Lena Mangerich (Beraterin), Kornelia Huber (Beraterin), Janina Frankowski (Mama/Papa hat Krebs), Claudia Schlöder (Verwaltung).

Foto: Krebsgesellschaft RLP

Die Krankheit Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen und die Diagnose für Betroffene und deren Umfeld oft ein Schock. Die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz ist ein Verein, der Erkrankten auf ihrem Weg durch die Krankheit kostenfrei hilft und beratend zur Seite steht. Das Informations- und Beratungszentrum in Trier, eine von vielen Beratungsstellen im Land, gibt es bereits seit 40 Jahren.

Viele positive Beispiele, dass man den Krebs überleben kann

Obwohl in den Medien vor allem die schweren Krankheitsverläufe gezeigt und thematisiert werden, gebe es viele positive Beispiele, die zeigen, dass man den Krebs überleben könne, sagt Carlita Metzdorf-Klos, Leiterin des Beratungszentrums Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz. Es gibt laut der Fachfrau verschiedene Arten, wie ein Überlebender anschließend aus einer Krebserkrankung hervorgehen könne. „Im günstigsten Fall kann man aus einer Erkrankung lernen. Im schlimmsten Fall kann man aber auch daran zerbrechen. Die meisten Menschen, die zu uns kommen, kommen mit unserer Hilfe aber gut voran.“

Ein Beispiel dafür, wie es gelingen könne, positiv aus einer Krebserkrankungen hervorzugehen, sei der 61-jährige Martin Schmitz. Der Mann, den Carlita Metzdorf-Klos als „Stehaufmännchen“ bezeichnet, hat in seinem Leben bereits drei Krebserkrankungen überlebt. Die erste Diagnose – damals war es Blasenkrebs – bekam Schmitz im Jahr 2010, wie er berichtet. „Ich dachte, ich würde in ein Loch fallen. Ich habe nie geraucht, keinen Alkohol getrunken und regelmäßig Sport getrieben. Für mich war Krebs damals gleichbedeutend mit dem Tod.“

Nach zwei weiteren Krebserkrankungen blicke Schmitz nun jedoch zuversichtlich in die Zukunft. „Ich habe noch viel vor. Ich gehe weiterhin trainieren, unternehme Reisen und möchte einfach leben“, sagt der 61-Jährige. Durch seine Erkrankung habe er eine andere Sichtweise auf das Leben bekommen und darauf, was wirklich wichtig sei. „Wenn man dem Tod ins Auge geschaut hat, merkt man, dass das Leben endlich ist. Jetzt will ich einfach leben, lachen und mit Menschen zusammen sein, die mir guttun.“ Die Krebsgesellschaft habe ihm damals geholfen, seine Situation und die Krankheit besser zu verstehen und sie richtig einzuordnen.

Heute engagiert er sich selbst im Verein, besucht regelmäßig das Beratungszentrum in der Petrusstraße und teilt seine Erfahrungen mit den Menschen vor Ort, die das gleiche Schicksal getroffen hat. Er möchte für Kranke da sein, ihnen helfen, mit der schwierigen Situation umgehen zu können. Bei einer Krebserkrankung sei es wichtig, dass die betroffene Person ein gutes Umfeld um sich habe, welches ihr Halt gebe. Bei Schmitz seien es seine Freunde gewesen, die für ihn da gewesen seien und sich während seiner Krankenhausaufenthalte zu ihm ans Bett gesetzt hätten. „Als Einzelkämpfer schafft man es oft nicht“, meint er.

Die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz unterstützt krebskranke Menschen und ihre Angehörigen kostenfrei in nicht-medizinischen Fragen

Deshalb ist die Arbeit des Vereins so wichtig. „Wir unterstützen Betroffene und ihre Angehörigen in allen nicht-medizinischen Fragen rund um das Thema Krebs“, sagt Carlita Metzdorf-Klos, Leiterin des Beratungszentrums Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz. Die Verantwortlichen unterstützen Krebskranke bei der Wiedereingliederung, vernetzen sie mit Experten zur weiteren Betreuung oder begleiten die Betroffenen mit chronischen Erkrankungen auch über die eigentliche Krebserkrankung hinaus. „Wir bieten ein breites Spektrum an Hilfe an. Wir beraten und begleiten Betroffene und deren Angehörige auf ihrem persönlichen Weg zur Bewältigung einer neuen, oft aussichtslos erscheinenden Lebenssituation“, beschreibt Metzdorf-Klos die Absicht der Institution.

Bei einer Krebsdiagnose leide nicht nur der unmittelbar Erkrankte, auch das Umfeld sei betroffen. „Eine Krebserkrankung ist wie ein Stein, der ins Wasser fällt und seine Kreise zieht“, sagt Metzdorf-Klos. Daher bietet die Krebsgesellschaft zusätzlich diverse Hilfsangebote für die Angehörigen an. Beim Projekt „Mama/Papa hat Krebs“ beispielsweise stehen die Kinder eines an Krebs erkrankten Elternteils im Vordergrund. Durch Aktionen wie eine Ferienfreizeit oder andere Aktivitäten sollen die Kinder etwas Spaß haben, dem Alltag eine Zeit lang entfliehen, und auf andere Gedanken gebracht werden. Auch Hinterbliebene, Freunde oder Arbeitskollegen von Krebspatienten haben im Beratungszentrum der Krebsgesellschaft die Möglichkeit, von ihren Erfahrungen oder Ängsten zu berichten.

Nach der Diagnose Krebs sei es wichtig, den Erkrankten professionell zu helfen und sie gezielt mit wichtigen Informationen rund um die Krankheit zu versorgen, so die Psychoonkologin. Der offene Umgang und aufklärende Gespräche mit den Betroffenen sollen außerdem dazu beitragen, dass das Thema Krebs enttabuisiert werde. „Auch wenn im Allgemeinen mit der Krankheit offener umgegangen wird, gibt es dennoch einige Menschen, die noch nicht offen über ihre Erkrankung sprechen möchten“, sagt die Leiterin des Trierer Beratungszentrums.

Krebs könne altersunabhängig jeden treffen. Metzdorf-Klos berichtet von zwei jungen Müttern, die an Krebs erkrankt seien. Auch Fälle von Studentinnen mit Leukämie oder Brustkrebs und jungen Männern mit einer Hodenkrebs-Erkrankung seien ihr bekannt. Daher sei es ratsam, bei Gelegenheit vorbeugende Maßnahmen zu treffen oder bestimmte Risikofaktoren zu minimieren, um gewissen Krebsarten vorzubeugen. Dazu gehöre beispielsweise das Auftragen von Sonnenschutz im Sommer oder aber auch der Verzicht aufs Rauchen.

Carlita Metzdorf-Klos von der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz in Trier ist dankbar für ihren Beruf

Carlita Metzdorf-Klos, die bereits seit 16 Jahren bei der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz tätig ist, ist dankbar für ihren Beruf. Sie sei im Laufe der Jahre demütig geworden, sagt sie. „Viele Außenstehende fragen mich, wie ich das aushalte. Ich empfinde die Beratung und Begleitung betroffener Familien als sinnstiftend und erfüllend und hoffe, dass wir mit unserer Arbeit einen Teil dazu beitragen können, dass es diesen Menschen besser geht.“