1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Kreis will Leitstelle "Familie" einrichten

Kreis will Leitstelle "Familie" einrichten

Die Kreisverwaltung zieht Konsequenzen aus den Erfahrungen mit dem Programm regionale Daseinsvorsorge (Moro): Es werde eine Leitstelle "Familie" eingerichtet als Koordinations- und Anlaufstelle, kündigt Beigeordneter Dieter Schmitt bei einer Bürgerwerkstatt in Föhren an.

Föhren. Die Wirklichkeit holt die Verantwortlichen von Moro, darunter der Kreis, die Uni Trier und das Institut für Ländliche Strukturforschung (Frankfurt), ein. Wie schon bei der ersten Bürgerwerkstatt in Saarburg (der TV berichtete) wird auch bei der zweiten öffentlichen Präsentation der Bürgerumfrage-Ergebnisse im Industriepark Region Trier bei Föhren Kritik laut. Nicht die vielen erhobenen Zahlen und Fakten zu Mobilität, Versorgung, Bildung und Gesundheit stehen im Mittelpunkt der Diskussionsbeiträge. Die wenigen Bürger unter den rund 50 Anwesenden, meist selber ehrenamtlich in Dorfprojekten tätig, wollen da Hilfestellung, wo es in der praktischen Umsetzung am meisten hakt - etwa bei Haftungs-, Versicherungs- und Gemafragen. "900 Euro kostet eine Jahresprämie für jemanden, der Senioren transportiert. Das macht jedes Ehrenamt kaputt", beschwert sich ein Teilnehmer. Herbert Betz (Lebendiges Föhren) plädiert für einen festen Moro-Ansprechpartner beim Kreis. Birgit Reuter vom Pflegestützpunkt Waldrach hält einen hauptamtlichen "Kümmerer" auf Ebene der Verbandsgemeinden für sinnvoll. Es werde viel angestoßen, aber es fehle an Nachhaltigkeit und Rückkopplung.
"Wir müssen uns besser verknüpfen", räumt Joachim Christmann, Sozialbereichsleiter bei der Kreisverwaltung, selbstkritisch ein. Eine Erkenntnis aus Moro sei, die interne Organisationsstruktur von Sozial- und Jugendamt sowie die Gesundheitshilfe umzustrukturieren. Bald werde sich ein Arbeitskreis damit beschäftigen. Am Ende werde Moro nicht an den schönen Worten, sondern an den Taten zum Wohle der Menschen gemessen, antwortet Kreisbeigeordneter Dieter Schmitt jenen, die bemängeln, Moro sei zu weit von den Menschen weg und beim Kreis zuweit "oben" angesiedelt. "Brechen Sie ein gutes Thema auf einen Ort runter und sie haben die Bude bei einer Bürgerversammlung voll", meint Schmitt. Dafür sei allerdings auch die Vorarbeit wichtig, die in den Moro-AGs und den drei Bürgerwerkstätten geleistet werde (die letzte ist am Dienstag, 11. Juni, 17 Uhr, im Schulzentrum Hermeskeil).
Bevor in Föhren die muntere Diskussion losgeht, präsentiert Sozialforscher Rüdiger Jacob von der Uni Trier einige Ergebnisse. So stehen bei den Bürgern an Verbesserungswünschen das Einkaufen, der ÖPNV und das Internet an erster Stelle. Jacob kündigt an, dass möglicherweise eine Folgeerhebung zur ärztlichen Situation im Problemgebiet Hochwald gemacht wird. Dort hören bald einige Hausärzte auf und es ist kein Nachfolger in Sicht. alf