Kreisläufer und Kleingärtner

Kreisläufer und Kleingärtner

TRIER-NORD. Lang, lang ist’s her: 1951 spielte Hermann Zimmer zum ersten Mal aktiv Handball. Das Spiel mit dem kleinen Ball hat ihn so fasziniert, dass er von der Sportart nicht mehr loskam – bis auf den heutigen Tag.

Hermann Zimmer, Jahrgang 1936, als "fit wie einen Turnschuh" zu bezeichnen, trifft den sprichwörtlichen Nagel genau auf den Kopf. Denn: Selbst mit 70 Jahren spielt der gebürtige Trierer (immer) noch aktiv Handball. Nicht nur "just for fun", sondern ernsthaft und bei jedem Spiel mit dem festen Willen zum Sieg. Geht mal ein Spiel verloren, ärgert ihn das noch genauso wie damals, als er sich die ersten Handball-Sporen verdiente. Zimmer gibt zu: "Ich muss aufpassen, nicht alles zu ernst zu nehmen.""Ich brauche einfach Bewegung"

Sein Team ist die erste Mannschaft des TuS Pallien, die in der Kreisliga spielt. Selbstverständlich dachte der fitte 70-Jährige schon ans Aufhören - "nicht nur einmal", wie er sagt. Denn: Das fünfte Rad am Wagen zu sein, diese Blöße will er sich nicht geben. Immer wieder ließ sich der Nord-Städter überreden, weiterzuspielen. Dass er bislang jedes Mal ja sagte, hat einen Grund: "Die Jüngeren akzeptieren mich, weil ich noch die Leistung bringe. Sonst hätte ich mein Trikot längst an den Nagel gehängt." Seine 70 Lenze sieht man dem agilen Mann nicht an, der lange Kreisläufer spielte und einst zum erlauchten Kreis der Auswahlspieler gehörte. Und wie hält er sich fit, um immer noch so sportlich zu sein? Zimmer: Ich bin ein Waldmensch und liebe es, lange Märsche zu unternehmen." Damit meint der Ausnahme-Sportler keine Spaziergänge, sondern stramme Wanderungen. Unter dreizehn bis sechzehn Kilometern tut Zimmer es nie. Nicht selten kommen Strecken von 25 bis 28 Kilometern am Stück zusammen. Zimmer geht stets auf Zeit. Außerdem beschäftigt sich der Handballer aus Leidenschaft mit Gartenarbeit in seinem Schrebergarten auf Mariahof. Davor bewirtschaftete der passionierte Kleingärtner 18 Jahre lang einen 1000 Quadratmeter großen Garten am Roten Felsen vor Biewer. "Ich brauche einfach Bewegung und Beschäftigung sowie viel frische Luft. Wenn ich mal eine Stunde dasitze, werde ich schon nervös", sagt Zimmer über seine Antriebsfeder. Ins Schwärmen kommt er, wenn es um seine Jahre als junger Handballer geht. Erst recht dann, wenn ihm mit Alfons Steinbach, Sportkreisvorsitzender Trier-Saarburg, ein langjähriger Weggefährte gegenübersitzt. Im Jahr 1954 wechselte Zimmer zur Trierer Eintracht, wo er bis 1960 spielte. Im Jahr 1961 begann er bei der DJK St. Matthias und spielte dort 40 Jahre lang in der ersten Mannschaft, unter anderem 15 Jahre Landesliga. Dabei lernte er auch den Trierer Star-Tenor Franz Grundheber kennen: "Kein schlechter Handballer", erinnert sich Zimmer. Im Jahr 2001 folgte der Wechsel zum TuS Pallien. Von ernsthaften Verletzungen blieb der Sportler verschont. Seine gute Kondition habe auch damit zu tun, dass er nie geraucht und den Alkohol stets gemieden habe, verrät Zimmer.

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