Kriminellenjagd auf zwei Rädern - Trierer Polizei setzt auf mehr Präsenz und Bürgernähe

Kriminellenjagd auf zwei Rädern - Trierer Polizei setzt auf mehr Präsenz und Bürgernähe

Die Polizeiinspektion Trier will mit ihrem Präsenzkonzept Straftaten vorbeugen und die Verkehrssicherheit erhöhen. Dazu setzt sie unter anderem Fahrradstreifen ein. Der TV hat zwei Beamte begleitet und dabei prompt eine Verhaftung miterlebt.

Trier. Polizeioberkommissar Wagner kontrolliert gerade ein Auto, als ein Funkspruch ihn und seinen Kollegen Charles zum Rautenstrauchpark ruft. Passanten haben sich dort über Betrunkene beschwert.

Als die beiden Polizisten mit ihren Diensträdern am Einsatzort eintreffen, macht sich ein Mann aus dem Staub. Während Charles die Verfolgung aufnimmt, schneidet Wagner dem Flüchtigen von der anderen Seite den Weg ab.

Der Mann beteuert, dass er lediglich neues Bier kaufen wollte. Ausweisen kann er sich nicht. Die Abfrage in der Polizeidatenbank bringt eine Überraschung: Gegen den Mann liegt ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Trier vor. Die Beamten fordern einen Dienstwagen an, mit dem der Mann zur Wache gebracht wird. "So ergibt sich oft aus einem scheinbar harmlosen Funkspruch etwas Größeres", sagt Wagner.
Erstaunte Blicke


Seit etwa einem Jahr gehen Charles und Wagner, die nicht wollen, dass ihre Vornamen im TV genannt werden, in Trier gemeinsam auf Fahrradstreife. Erstaunte Blicke sind dann keine Seltenheit. "Sportlich, sportlich" und "So etwas habe ich ja noch nie gesehen" bekommen Polizeikommissar Charles und Polizeioberkommissar Wagner oft von Passanten zu hören.

"Wir fahren besonders die Punkte an, die mit dem Auto nicht oder nur schlecht zu erreichen sind", erklärt Charles. Neben Verkehrsdelikten achten sie verstärkt auf Menschen, die ihren Müll in Parks werfen, Betrüger, die sich gegenüber Passanten als Spendensammler ausgeben, und Exhibitionisten. Von der Polizeiwache in der Südallee steuern sie den Palastgarten an. Beim Kreisel an den Kaiserthermen stehen die Polizisten bereits vor ihrem ersten Problem.

Radweg endet im Gegenverkehr

Dort endet der Fahrradweg im Gegenverkehr. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als abzusteigen und ihre Räder bis zum Palastgarten zu schieben. Das sei kein Einzelfall. Die Kommissare weisen darauf hin, dass Radwege in Trier häufiger urplötzlich enden oder ohne Beschilderung in Fußwege und Straßen münden. Als Radfahrer habe man in Trier damit zu kämpfen, von den Autofahrern überhaupt wahrgenommen zu werden. "Das kann aber auch ein Vorteil sein", sagt Charles. So bemerkten viele Autofahrer nicht, wenn eine Radstreife neben ihnen stehe.

Dies bestätigt sich prompt, als die Polizisten den Palastgarten in Richtung Dom verlassen. An der Meerkatz gehen ihnen gleich zwei Autofahrer ins Netz, die nicht angeschnallt sind. Während die Kontrolle noch läuft, kommt ein Cabriolet vorbei, dessen Fahrerin mit dem Handy telefoniert. Angeschnallt ist auch sie nicht.
Die Ausflüchte der Ertappten sind stets die gleichen.

"Ich bin gerade erst losgefahren", bekommen die Beamten drei Mal zu hören. Die Fahrerin des Cabriolets bleibt uneinsichtig. Sie werde auch in Zukunft während der Fahrt telefonieren. Für Charles ist dieses Verhalten typisch: "Bei Verkehrsdelikten suchen die Verursacher den Fehler selten bei sich selbst. Hier werden wir oft als störende Wegelagerer wahrgenommen, die die Autofahrer abkassieren."

In Wirklichkeit stünden eine Aufklärung vor Gefahren und die Straftatprävention im Vordergrund - Ziele, die im neuen Präsenzkonzept der Polizei Trier formuliert sind (siehe weiteren Text auf dieser Seite). Diese Bürgernähe kommt laut Wagner durchaus an: "Von älteren Menschen bekommen wir häufig positive Rückmeldungen. Sie sind froh, wenn wir Präsenz zeigen."Meinung

Bürgernähe als Chance
Das Müllproblem im Palastgarten, ein Exhibitionist im Nells Park, Spendenbetrüger in der Fußgängerzone und jüngst zwei Raubüberfälle in einer Nacht - die Liste der kriminellen Vorfälle an öffentlichen Plätzen in Trier ist lang. Das neue Präsenzkonzept der Polizeiinspektion kommt da genau zur rechten Zeit. Brennpunkte, die mit dem Dienstwagen schwer zu erreichen sind, zu Fuß oder auf dem Rad zu kontrollieren, leuchtet ein. Gerade in Angsträumen wie dem Palastgarten kann auf diese Weise das Sicherheitsgefühl der Bürger gesteigert werden. Sicherlich werden auch die Fuß- und Fahrradstreifen nicht jedes Verbrechen verhindern können, der Abschreckung dienen sie jedoch allemal. Die Trierer sollten die erhöhte Präsenz der Beamten zudem als Chance begreifen. Eine bürgernahe und offene Polizei steht jeder Stadt gut zu Gesicht. Im Gespräch mit den Uniformierten ergibt sich die Möglichkeit, die Polizei auf Problemfelder aufmerksam zu machen, die ihr sonst vielleicht entgingen. Wer die Beamten hingegen als störende Wegelagerer empfindet, die dem braven Bürger das Geld aus der Tasche ziehen, sollte sein Verständnis von Recht und Ordnung schleunigst hinterfragen. f.straub@volksfreund.de

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