Kritik an "Schulghetto"

Wichtige Weichen in der Stadtpolitik stellt der Schweicher Rat heute Abend. Neben dem Haushalt 2014 geht es um die Gestaltung des Moselvorlandes und das neue Schulzentrum. Dessen verkehrsmäßige Erschließung haben Ermesgraben-Bewohner kritisiert.

Schweich. Wenn der Schweicher Stadtrat heute um 19 Uhr im alten Weinhaus zusammenkommt, werden die Zuschauerreihen höchstwahrscheinlich gut gefüllt sein. Das rege Interesse dürfte weniger am Haushaltsplan 2014 liegen, der verabschiedet werden soll (siehe Extra), als an diversen Bebauungsplänen. Es sind insbesondere Anwohner der Straße Mäuskarl im Baugebiet Ermesgraben, die mit einigen städtischen Planungen nicht einverstanden sind. Ihre Kritik betrifft in erster Linie den Fußweg vom Ermesgraben ins künftige Schulzentrum, aber auch die Verkehrserschließung des Schulgeländes selbst. Dort sind Neubauten der Lebenshilfe und der Stadt Schweich (Wohnanlage, integrativer Kindergarten), der Verbandsgemeinde Schweich (Grundschule) und des Kreises (Treverer-Förderschule) geplant - in trauter Nachbarschaft.
Während der Offenlage der Bebauungspläne Ermesgraben und "Gemeinbedarfsgebiet" waren einige Dutzend Bedenken von Bürgern schriftlich eingegangen. Tenor der Beschwerden: Der Bring- und Abholverkehr führe an der engen Kreuzung Ermesgraben/Mäuskarl zu chaotischen Parkzuständen, Verkehr und Lärm in den Wohnstraßen nähmen erheblich zu. Die Schüler sollen künftig über einen am Lärmschutzdamm angedockten Fuß- und Radweg sowie eine Brücke, die über die Kreisstraße 39 führt, zu ihren Schulen gelangen.Kreisverkehr wird abgelehnt


Nach Protesten der Anwohner hatten die Planer den Fußweg von der Dammkrone etwas seitlich verlegt, so dass die Grundstücke nicht mehr so frei einsehbar sind (der TV berichtete).
Lediglich eine Zu- und Abfahrtsmöglichkeit zum Schulkomplex via Bahnhofstraße reiche nicht aus, so eine weitere Kritik von Bürgern. Es werde ein "Schulghetto" geschaffen, kritisiert eine Familie. Bei größeren Schulveranstaltungen stünden nur 40 Parkplätze zur Verfügung - das gehe auf Kosten der Straßen Mäuskarl, Im Ermesgraben und Bei den Weiden. Die Beschwerdeführer regen an, eine zweite Zufahrt zu den Schulen im Einmündungsbereich Ermesgraben/K 39 zu schaffen - über einen Kreisel.
Es ist allerdings kaum damit zu rechnen, dass der Stadtrat heute die Planung in Richtung Wünsche der Bürger ändert. Die Verwaltung jedenfalls empfiehlt den Räten, die bisherige Planung beizubehalten. Begründung: Ein Kreisverkehr behindere den Verkehrsfluss auf der K 39; diese sei als "Entlastungs- und Umgehungsstraße" konzipiert. Die Zufahrt zum Schulgelände mit Wendemöglichkeit könne ja auch von Eltern genutzt werden, die ihre Kinder zur Schule brächten. Auch seien zusätzliche Parkplätze geplant, die nach Schulschluss öffentlich zugänglich seien.
Falls die befürchteten Zustände am Fußweg-Zubringer im Ermesgraben eintreten sollten, will die Verwaltung Halte- und Parkverbotsschilder anbringen lassen. Eine Änderung des Bebauungsplans sei nicht erforderlich.Meinung

Die Grenzen des Wachstums
Es gibt wohl keine Stadt in Rheinland-Pfalz, die innerhalb weniger Jahre so stark gewachsen ist wie Schweich. Vor einigen Jahrzehnten noch bäuerlich geprägt, hat sich die Moselgemeinde zu einem attraktiven Mittelzentrum mit fast 8000 Einwohnern entwickelt. Dass es kontinuierlich bergauf ging und Schweich zu einem gefragten Wohnort wurde, hat auch mit der Weitsicht seiner politisch Verantwortlichen zu tun. Es wurde in die Infrastruktur investiert, in Schulen, Sportstätten, Freizeiteinrichtungen und Straßen. Dass das rasante Wachstum auch seine Schattenseiten hat, verdrängen die Stadtväter gerne - aber es gibt sie zweifellos. Die Einwände gegen die Bebauungspläne Ermesgraben und Gemeinbedarfsgebiet zeigen es: Schweich kommt verkehrsmäßig an die Grenzen dessen, was verträglich und für die Bürger zumutbar ist. Ein Verkehrskonzept ist überfällig. Auch sollte die Umgestaltung des Bahnhofs dazu genutzt werden, den ÖPNV zu optimieren. Eine weitere Baustelle, die im Zuge des großen Baugebiets Ermesgraben und der Schul- und Kitaneubauten im Norden etwas aus dem Blickfeld geraten ist, ist die Sanierung von Alt-Schweich. Ziel sollte es hier sein, attraktiven Wohnraum zu schaffen, der auch für junge Familien bezahlbar ist. a.follmann@volksfreund.deExtra

Eckdaten des Haushaltsplans 2014, den der Stadtrat Schweich heute berät: Ergebnishaushalt: Erträge 7,44 Millionen Euro, Aufwendungen 8,44 Millionen Euro. Investitionen: 3,35 Millionen Euro, davon 1,1 Millionen Euro für den Grunderwerb im Schulzentrum. Gewerbesteuer: Einnahmen 1,39 Millionen Euro. Grundsteuer B: Einnahmen 755 000 Euro. Gemeindeanteil an der Einkommensteuer: Einnahmen 2,5 Millionen Euro. Umlagenzahlung: rund vier Millionen Euro, davon gehen 2,3 Millionen Euro an den Kreis und 1,7 Millionen Euro an die Verbandsgemeinde Schweich. Verschuldung: fünf Millionen Euro (697,74 Euro pro Kopf). alf