Kritik? Gerne - wenn sie konstruktiv ist

Mit einer Mischung aus Enttäuschung und Unverständnis reagiert OB Jensen auf die Kaster-Kritik an seiner Wirtschaftspolitik. Gleichwohl gibt er sich versöhnlich: Konstruktive Beiträge Kasters seien jederzeit willkommen. Es gehe schließlich um Trier und nicht um persönliche Empfindlichkeiten.

Trier. Was treibt OB Klaus Jensen in seiner Funktion als oberster Wirtschaftspolitiker im Rathaus? Die Antwort fällt sehr ausführlich und dennoch unvollständig aus. Im TV-Gespräch gibt das Stadtoberhaupt Einblick in seinen Terminkalender: Es wimmelt von Firmenbesuchen, Betriebsbesichtigungen, Gesprächen mit Institutionen und Kammern, aber auch mit, wie er erläutert, "potenziellen Investoren". Doch darin erschöpfe sich sein Wirtschafts-Engagement keineswegs. "Ich könnte jetzt noch jede Menge Protokolle von Sitzungen und Konferenzen, an denen ich teilnehme oder die ich leite, ausbreiten…", lacht Jensen. "Aber ich sehe keine Notwendigkeit, mich zu rechtfertigen."Gleichwohl ärgert ihn die Äußerung Kasters, die städtische Wirtschaftspolitik sei nur sehr wenig wahrnehmbar, und der OB müsse sich intensiver einbringen und mehr zeigen. "Weil eine solche unseriöse Ferndiagnose, die jeglicher Grundlage entbehrt, der politischen Kultur in unserer Stadt nicht förderlich ist." Er fühle sich als Wirtschafts-Kümmerer keineswegs überfordert, und es blieben auch keine wichtigen Dinge unbearbeitet liegen. Schließlich sei er nicht der Einzige im Rathaus, der mit Wirtschaft zu tun habe, betont Jensen. Das Thema tangiere selbstverständlich auch das Bau-, das Kultur- und das Sozialdezernat. Auch dort sehe er keine Defizite, obwohl nach der Abschaffung des regulären Wirtschaftsressorts und der damit einhergehenden Verringung der fünf auf vier Dezernate "jeder von uns Vieren aus dem Stadtvorstand mehr Arbeit hat". Auch in den mit Wirtschaft befassten Ämtern (Unternehmerbüro, Stadtentwicklung) werde produktive Arbeit geleistet - "Wo also ist das Problem?", fragt Jensen. Er habe noch keine einzige negative Rückmeldung erhalten. Auch nicht von der CDU. Die Kritik vom CDU-Parteitag empfindet Jensen als "enttäuschend und unverständlich", zumal er und Kaster bei früheren Gesprächen die gegenseitige Absicht beteuert hätten, gemeinsam an der Entwicklung Triers arbeiten zu wollen. Für ihn gelte die Aussage nach wie vor. "Ich werde weiterhin die sachliche Zusammenarbeit auf breiter Basis suchen", so Jensen. Das Gesprächsangebot gelte selbstverständlich auch für Bernhard Kaster. "Es geht um Trier, nicht um persönliche Empfindlichkeiten", sagt das Stadtoberhaupt. "Für konstruktive Kritik bin ich jederzeit offen." Meinung Echte Probleme lösen! Wie erledigt OB Jensen seinen Job als Wirtschafts-Politiker des Rathauses? Der TV befragte Fachleute: Peter Adrian, IHK-Präsident: "Mit OB Jensen findet ein regelmäßiger Austausch statt. Wenn wir ihn angesprochen oder gefragt haben, hat die Zusammenarbeit gut funktioniert." Hanns Rendenbach, Vorsitzender Vereinigung Trie-rer Unternehmer: "Die bisherigen Gespräche mit Herrn Jensen verliefen sehr positiv. Wenn Bedarf besteht, ist er für uns immer erreichbar." Alfred Thielen, Geschäftsführer Einzelhandelsverband: "OB Jensen führt nach längerer Pause die bewährte Einrichtung des Runden Tisches Einzelhandel fort, das ist wichtig für Trier. Wir sehen in seiner Arbeit kein Defizit." Christiane Horsch, Ex-Wirtschaftsdezernentin: "Ich war in dieser Funktion ausgelastet bis zur Halskrause. Von Klaus Jensen kann man nach Abschaffung des Wirtschaftsdezernates nicht erwarten, dass er überall auftaucht. Sein Job ist es vor allem, Rahmenbedingungen politisch abzustecken." (rm.) Bernhard Kasters Wirtschaftspolitik-Schelte zeigt kein Problem Jensens auf, sondern eines der CDU, nämlich das der Hilflosigkeit im Umgang mit dem OB. Jensen ist das erste Nachkriegs-Stadtoberhaupt ohne CDU-Parteibuch. Da er zwar Sozialdemokrat ist, aber keine Parteipolitik macht, passt er nicht ins gewohnte Feindbild-Schema. Das ist hart für die Christdemokraten, auf deren Initiative der Stadtrat am 31. Januar 2006 beschlossen hat, den nächsten frei werdenden Dezernenten-Posten abzuschaffen. Es traf Wirtschafts-Chefin Christiane Horsch (CDU). Gut, dass Jensen auf Kritik nicht so beleidigt und nachtragend reagiert, wie einige seiner OB-Vorgänger das gerne taten. Empfehlung: Schnell wieder vertragen und gemeinsam wirkliche Probleme angehen. Davon hat Trier nämlich mehr als genug. r.morgen@volksfreund.deUMfrage Echte Probleme lösen! Wie erledigt OB Jensen seinen Job als Wirtschafts-Politiker des Rathauses? Der TV befragte Fachleute: Peter Adrian, IHK-Präsident: "Mit OB Jensen findet ein regelmäßiger Austausch statt. Wenn wir ihn angesprochen oder gefragt haben, hat die Zusammenarbeit gut funktioniert." Hanns Rendenbach, Vorsitzender Vereinigung Trie-rer Unternehmer: "Die bisherigen Gespräche mit Herrn Jensen verliefen sehr positiv. Wenn Bedarf besteht, ist er für uns immer erreichbar." Alfred Thielen, Geschäftsführer Einzelhandelsverband: "OB Jensen führt nach längerer Pause die bewährte Einrichtung des Runden Tisches Einzelhandel fort, das ist wichtig für Trier. Wir sehen in seiner Arbeit kein Defizit." Christiane Horsch, Ex-Wirtschaftsdezernentin: "Ich war in dieser Funktion ausgelastet bis zur Halskrause. Von Klaus Jensen kann man nach Abschaffung des Wirtschaftsdezernates nicht erwarten, dass er überall auftaucht. Sein Job ist es vor allem, Rahmenbedingungen politisch abzustecken." (rm.) Bernhard Kasters Wirtschaftspolitik-Schelte zeigt kein Problem Jensens auf, sondern eines der CDU, nämlich das der Hilflosigkeit im Umgang mit dem OB. Jensen ist das erste Nachkriegs-Stadtoberhaupt ohne CDU-Parteibuch. Da er zwar Sozialdemokrat ist, aber keine Parteipolitik macht, passt er nicht ins gewohnte Feindbild-Schema. Das ist hart für die Christdemokraten, auf deren Initiative der Stadtrat am 31. Januar 2006 beschlossen hat, den nächsten frei werdenden Dezernenten-Posten abzuschaffen. Es traf Wirtschafts-Chefin Christiane Horsch (CDU). Gut, dass Jensen auf Kritik nicht so beleidigt und nachtragend reagiert, wie einige seiner OB-Vorgänger das gerne taten. Empfehlung: Schnell wieder vertragen und gemeinsam wirkliche Probleme angehen. Davon hat Trier nämlich mehr als genug. r.morgen@volksfreund.de