Krönungsabend in Trier-Olewig: Auf geht’s zum Weinfest mit Ninorta I.

Krönungsabend in Trier-Olewig: Auf geht’s zum Weinfest mit Ninorta I.

Die Protagonistinnen ließen auf sich warten, doch dann ging es endlich los: Mit der Krönung der ersten Weinkönigin syrischer Herkunft hat das Olewiger Weinfest am Mittwochabend begonnen. Das Publikum vor der Bühne jubelte Ninorta I. (Bahno) zu.

,,Ich hatte in den letzten Tagen immer einen sehr hohen Pulsschlag", sagt Olewigs Winzerchef Peter Terges. ,,Ich war froh über ein wenig Abkühlung." Damit meint er den Regen, der am Krönungsabend zum Glück eine Pause macht. ,,Mit einem derart großen Rummel hätte ich nie gerechnet."Die Festwiese im Klostergarten ist schwarz von Menschen, vor der Bühne drängen Fotografen und Kameramänner um die besten Plätze. Ihr Motiv: Ninorta I., Triers neue Weinkönigin.

Das enorme Interesse habe ihn dann doch überrascht, sagt Terges. ,,Ninorta ist schließlich eine ganz normale junge Frau, die hier in unserer Region lebt und arbeitet." Das ist alles völlig korrekt, aber dennoch ist die junge Frau aus Syrien bereits vor ihrer Krönung ein Star. Die Zeremonie selbst übertrifft dann noch die Erwartungen.
Peter Terges schafft einen neuen Geschwindigkeitsrekord. Nach nur 23 Minuten beendet er seine Anmoderation und Begrüßung der Gäste, unter ihnen Leistungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirche.
,,Der Wein ist Lebenskultur und deshalb fester Bestandteil der Stadt Trier", sagt Kultur- und Ordnngsdezernent Thomas Egger (SPD), der Oberbürgermeister Wolfram Leibe (Urlaub in Irland) vertritt. Er dankt Ninorta Bahno ausdrücklich. ,,Nicht nur Mut, sondern auch Freude haben Sie zu dem Entschluss geführt, dieses schöne Amt anzunehmen."

Die noch amtierende Weinkönigin Sandra I. (Roth) beeindruckt und bewegt die Besucher mit einer ehrlichen und ergreifenden kurzen Rede, in der sie vor allem ihrer Familie dankt - und ihrem Freund, den sie ,,niemals wieder hergeben will." Olewig jubelt ihr noch einmal zu, bevor sie die Krone an Ninorta I. weitergibt.
Bereits vor einem Jahr war Ninorta Bahno beim Olewiger Weinfest aktiv und hatte dabei eine sehr wichtige Funktion: Die Winzergemeinschaft hatte 25 syrische Flüchtlinge zum Weinfest eingeladen. Bahno half als Dolmetscherin aus und übersetzte das Geschehen. Die Schönheit und Persönlichkeit der 25-jährigen Syrerin, die ihr Heimatland aufgrund des Bürgerkriegs vor vier Jahren verlassen hatte, überzeugten auf ganzer Linie.

So entstand die Idee, die junge Frau darum zu bitten, Triers nächste Weinmajestät zu werden. "Ich glaube, damit haben wir einen echten Coup in Sachen Integration und Weltoffenheit gelandet, der weit über Trier hinaus Wellen schlagen wird", sagte Olewigs Chefwinzer Peter Terges Anfang Juni und hatte völlig recht. Noch niemals hat der Start des beliebten Weinfests in Olewig eine derart hohe Medienpräsenz zu verzeichnen. Alle wollen die schöne Weinkönigin aus Syrien sehen, filmen und um Interviews bitten. Mit Sicherheit auch eine enorme Belastung für die junge Frau, die gerade eine Einstiegsqualifikation als Fachangestellte durchläuft und im September eine Ausbildung beginnen will.

Nichts davon sieht man ihr an. Strahlend füllt sie ihre Rolle als Botschafterin der Winzerschaft aus. Als aramäische Christin akzeptiere und toleriere sie alle Religionen, hatte sie dem TV nach ihrer Nominierung verraten.
Das Weinfest selbst in Olewig dauert von Freitag, 5. August, bis Montag, 8. August.
trier-olewiger-winzer.de

Das Video von der Krönungszeremonie (Video dreht sich nach ein paar Sekunden):

Mehr von Volksfreund