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Kühles Nass und teure Knöllchen

Kühles Nass und teure Knöllchen

FEYEN-WEISMARK. Sonnenglut und Ferienzeit - Hochsaison im Trierer Südbad. Rund 8000 Besucher kommen täglich, aber es gibt nur 400 Parkplätze. Hochsaison also auch für die "Knoten" schreibenden Damen und Herren des Straßenverkehrsamts. Abzocke oder der ehrliche Versuch, das (Park-)Chaos zu lindern?

Diejenigen, bei denen es "eingeschlagen" hat, sehen die Sache meist nur aus ihrem Blickwinkel. So wie eine empörte Anruferin aus dem Kreis Trier-Saarburg, deren Tochter am Dienstagabend mit einem 15-Euro-Knoten vom Südbad heimgekehrt war. Die junge Dame hatte ihren PKW - wie viele andere Besucher auch - in der Halteverbotszone An der Härenwies abgestellt. Gegen 16.45 Uhr sei dann über den Freibad-Lautsprecher "der Aufruf" gekommen - jedoch zu spät. Bus für Auswärtige oft keine Alternative

Die Mutter der Falschparkerin spricht von "purer Geldmache" durch die Stadt. Einerseits würde im Trierer Rathaus gejammert, wenn das Bad nicht ausgelastet sei. Andererseits würden, wenn einmal genügend Gäste kämen, diese sofort ausgenommen. Keine Alternative biete der Bus - der benötige vom Wohnort im Landkreis bis Feyen-Weismark mindestens zwei Stunden für eine Strecke. Aus einer anderen Perspektive erlebte am Dienstagnachmittag der pensionierte Bundeswehrarzt Herbert Höger die Vorgänge am Südbad. Auch er rief anschließend beim TV an und schilderte seine Erlebnisse. Höger war mit dem Auto unterwegs zum Altenheim Härenwies - doch schon an der Einmündung Auf der Weismark/An der Härenwies war zunächst Fahrtende wegen eines Rückstaus. Grund: Die "Härenwies" war auf beiden Seiten von Falschparkern zugestellt worden. Ein Begegnungsverkehr war kaum mehr möglich - nichts ging mehr vor oder zurück. Höger: "Da ich keine Eile hatte, störten mich die etwa 20 Minuten Wartezeit wenig. Aber ich war besorgt bei dem Gedanken, dass nun ein Rettungswagen, der Notarzt oder die Feuerwehr im Altenheim oder im Südbad gebraucht werden könnten." Er zögerte nicht und verständigte die Polizei. Die Beamten stellten ihn zum Straßenverkehrsamt durch, das für die Überwachung des "ruhenden Verkehrs" zuständig ist. Dort reagierte man sofort und entsandte mehrere Politessen zur Härenwies - mit den schon geschilderten Folgen. Immerhin wurde Herbert Höger dann für seinen Zwangsaufenthalt mit Szenen "belohnt", die aus einem Slapstickfilm stammen könnten. Höger: "Inzwischen waren die Badegäste per Lautsprecher aufgerufen worden, ihre Autos wegzufahren. Sie eilten in der Badehose nach draußen, konnten aber ihre falsch geparkten Fahrzeuge wegen des selbst verursachten Staus nicht wegfahren." Bei der späteren Rückfahrt nahm Höger dann den anderen Weg über Mariahof. Aber auch der sei wegen der vielen Falschparker schlecht passierbar gewesen. Die Polizei gibt diese Verbindung als mögliche Ausweichroute für den Ernstfall an. Skepsis herrscht dagegen bei der Berufsfeuerwehr. "Wenn man bei einem Einsatz An der Härenwies plötzlich auf einen Stau trifft, dann ist der Weg zurück und dann über Mariahof doch sehr weit", heißt es am St.-Barbara-Ufer. Zum Glück sei dieser Notfall bisher noch nicht eingetreten. Im Trierer Rathaus ist das Problem seit Jahren bekannt, aber eine befriedigende Lösung nicht in Sicht. "Die 400 Südbadparkplätze reichen in Spitzenzeiten bei weitem nicht aus", sagt Ralf Frühauf vom Presseamt. Mit den bekannten Folgen: verstopfte Notfallzufahrten und total zugestellte Bürgersteige am Altenheim. Strafzettel erst nach Lautsprecherwarnung

Dass am Südbad von der Stadt "Abzocke" betrieben werde, weist Frühauf angesichts dieser gefährlichen Zustände entschieden zurück. Vor jedem Einsatz des städtischen Kontrolldienstes würden die Badegäste zunächst per Durchsage aufgerufen, ihre illegal abgestellten Autos wegzufahren. "Und wo es nicht anders geht, schreiten wir ein. Notfalls auch durch Abschleppen", sagt Frühauf. Nach den jüngsten Aktionen des Straßenverkehrsamtes ist die Zahl der Falschparker in den vergangenen zwei Tagen um einiges zurückgegangen. Stets wurden die Besucher vor den Kontrollen aufgerufen, ihre Autos zu entfernen, was in den meisten Fällen auch fruchtete. Die Stadt empfiehlt im Übrigen allen Badegästen, lieber die Linie 3 im Rahmen des Ferienfahrplans zu nutzen. Für Besucher aus dem Kreis Trier-Saarburg und aus Luxemburg ist dieses Angebot, wenn es überhaupt besteht, allerdings in der Regel unpraktikabel. Abzocke oder notwendige Kontrolle? Schreiben Sie uns Ihre Meinung dazu in Kürze (maximal 30 Zeilen á 32 Anschläge). Zuschriften werden nur veröffentlicht, wenn Name und Anschrift angegeben sind.