Künstliche Intelligenz in der Küche Die menschliche Maschine - Science Fiction, aber auch etabliertes Forschungsgebiet
Ein guter Koch ist kreativ, souverän in Auswahl und Bemessung der Zutaten und präzise in der Analyse der Geschmacksrichtungen. Kann denn ein Computer die Kunst des Kochens lernen? Sechs Teams aus ganz Europa trafen sich an der Uni Trier, um genau das zu beweisen. Ein Computer löst ein Problem kreativ und auf der Basis eines eigenen Bewusstseins - eben genau so, wie ein Mensch es tun würde. So wird künstliche Intelligenz definiert.
Trier. Auf den ersten Blick hat das Chaos im Hörsaalzentrum des früheren französischen Militärhospitals André Genet, heute Campus II der Uni Trier, nichts mit Höchstleistungen am Herd zu tun. Ein babylonisches Sprachen-Gewirr prägt die Akustik.
Das deutsche Team kommt aus Hildesheim
Die Stimmung ist hervorragend. Aufgeregt, motiviert und sichtbar gut drauf bereiten sechs Teams aus Frankreich, Irland, Deutschland, Schottland und dem zweimal vertretenen Spanien ihre Präsentation vor, mit der sie Europameister werden wollen - im Kochen. Nur werden sie dazu nicht selbst an den Herd treten. Die Teams haben Software-Pakete nach Trier mitgebracht, mit denen ein Computer zum souveränen und kreativen Koch werden soll.
Das französische Team "TAABLE" ist in einheitlichen blauen Kochschürzen erschienen. Die Iren nennen ihre Mannschaft "What's in the Fridge?" (Was ist im Kühlschrank?), das deutsche Team CCCIIS repräsentiert die Universität Hildesheim. Sie alle sind keine Köche, sondern Informatiker und Wirtschaftsinformatiker. Ihr Koch-Wettbewerb ist der Höhepunkt der Europäischen Tagung zur künstlichen Intelligenz an der Uni Trier, an der mehr als 120 Akademiker und IT-Experten aus den USA, Europa und Asien teilnehmen. (Mehr über künstliche Intelligenz verrät der Hintergrund.)
Ein Trierer Sternekoch gehört zur Jury
Jedes Team hat ein Computerprogramm erstellt, das eigenständig Rezepte zusammenstellen, auswählen und auch spontan verändern kann, wenn eine Zutat gerade mal nicht zur Hand ist oder der Familie nicht schmeckt.
Sternekoch Wolfgang Becker aus Trier-Olewig gehört zur Jury. "Ich bin gespannt, ob es funktioniert, ein paar Produkte in seinen Computer zu tippen und dann interessante Rezepte zu erhalten", sagt der Maitre.
Die Jury stellt den Programmen der sechs Teams drei Aufgaben. Eine italienische Vorspeise mit Schinken? Kein Problem. Wolfgang Becker sieht sich die vom Computer vorgeschlagenen Menüs sehr genau an und urteilt zunächst noch eher zurückhaltend. "I think we can eat it", sagt er auf die Frage des Moderators, was denn vom Vorschlag des französischen Teams "TAABLE" zu halten ist. "Ich denke, wir können es essen."
Der Saal verfolgt mit großer Spannung jede Bewegung der Jury. Am Ende hat das irische Team die Nase vorn.
Im Hörsaalzentrum wird Jubel laut, als "What's in the Fridge?" zum Europameister in der Disziplin künstliche Intelligenz werden. Ihre Software versetzte den Computer in die Lage, kulinarisch korrekt und kreativ auf die geforderten Vorgaben zu reagieren. Na dann guten Appetit! Trier. (jp) Eine Maschine, die sich ihrer Natur bewusst ist und deshalb Lernfähigkeit, Kreativität und sogar eine emotionale Basis besitzt, die zum Bestandteil dieser Kreativität wird - das klingt sehr nach Science Fiction und ist es auch.
Denn ein Computer ist in seiner grundsätzlichen Struktur ein simpel funktionierendes Gerät, das Daten und Informationen verarbeitet und vorgegebene Kommandos und Rechenschritte ausführt. Auch wenn moderne Rechner komplexeste Aufgabenstellungen wie die Klimaforschung mit Milliarden an Rechenschritten übernehmen, sind sie doch nichts anderes als Rechenknechte geblieben.
Die künstliche Intelligenz hat sich als ernsthaftes Forschungsgebiet etabliert. Vor sieben Monaten präsentierten Wissenschaftler in den USA einen Roboter, der einen kognitiven Test bestand. Dieser Test wird bei Kleinkindern zur Feststellung eines eigenen Bewusstseins angewandt, um Entwicklungsstörungen wie Autismus auszuschließen.
GLOSSE
Das Duell der Logik
Kochen? Das mache ich doch mit links, sagt der Computer. Dann zapft er seine Sprichwörter-Datenbank an und ergänzt: Gegessen wird sowieso, was auf den Tisch kommt. Aber du hast doch keine Ahnung vom Genuss eines Menüs oder der Leidenschaft am Herd, entgegnet ihm der Mensch. Dazu muss man denken und fühlen. Mach' mich nicht dumm von der Seite an, antwortet der Computer nach einem Blick in sein drei Milliarden Einträge umfassendes Sprüche-Reservoir. Ohne mich kannst du nicht telefonieren, dein Auto rührt sich nicht und deine Frau mault, weil sie "Sex and the City" nicht sehen kann. Dafür kannst du keine Gedichte schreiben und bist generell künstlerisch unfähig, trumpft der Mensch auf. Starkes Argument, sagt der Computer. Als ob jeder Mensch gleich ein Künstler wäre. Denk lieber mal nach! Emotional eiskalt, künstlerisch uninteressiert, nur für Technik zu begeistern und leicht reizbar - an wen erinnert dich das? An mich, seufzt der Mensch und löst sich in ein Logikwölkchen auf.