Kürenzer fühlen sich abgeschnitten

Kürenzer fühlen sich abgeschnitten

Anwohner und Stadtverwaltung streiten um die gesperrte Zementbrücke, die vom Grüneberg zur Metternichstraße führt. Nun haben die Kürenzer den Stadtrat um Hilfe gebeten.

Trier-Kürenz. Als Lydia Turgenev (57) vor einem Jahr mit ihrem Mann in die Riverisstraße nach Kürenz zog, freute sie sich: In etwa 15 Minuten Fußweg waren die Geschäfte in Trier-Nord über die Zementbrücke schnell zu erreichen; zusätzlich lockte der Nells Park zu Spaziergängen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam daher für die Turgenevs im November letzten Jahres die Nachricht, dass die Brücke vollständig gesperrt wird (der TV berichtete). "Ich fühle mich wie von der Welt abgeschnitten", sagt die Rollstuhlfahrerin. Jetzt müsse sie alles mit dem Auto organisieren.

Im Trierer Rathaus gibt man sich machtlos. Die Stadt habe die Zementbrücke 1994 von der Deutschen Bahn in marodem Zustand geerbt. Seitdem habe sich die Tragfähigkeit der Brücke weiter verschlechtert, berichtet Tiefbauamts-Leiter Wolfgang van Bellen. Als die Sicherheit der Überführung im Herbst 2009 bei einer Sonderprüfung die schlechteste Note erhalten habe, habe man unverzüglich handeln müssen: Die Brücke wurde auch für Fußgänger und Radfahrer gesperrt.

Mittel für einen Ersatz fehlen



"Wir hatten keine Zeit, mit den Anwohnern zu diskutieren", sagt van Bellen. Noch in diesem Jahr soll die alte Brücke abgerissen werden, ein Ersatz ist nicht vorgesehen. "Wir haben keine Mittel für eine neue Brücke", sagt van Bellen. Auch eine zusätzliche Sicherung, um den Weg nur für Fußgänger passierbar zu machen, kommt dem Beamten zufolge nicht in Frage.

Jürgen Metzen, Leiter der Abteilung für Verkehrsplanung im Trierer Tiefbauamt, hält den Bedarf einer Brücke an dieser Stelle für gering. "Schleichwege müssen wir nicht berücksichtigen." Viele hätten die nur für Anlieger zugelassene Brücke genutzt, um den Weg nach Ruwer zu verkürzen.

Die Anwohner halten dagegen: Die Brücke sei für sie immens wichtig. Viele müssten derzeit "Taxifahrer" für ihre Familienangehörigen spielen, klagen sie. Denn die nächste Bushaltestelle liege etwa zwei Kilometer entfernt in der Avelsbacher Straße.

"Gut, dass ich Rentner bin", sagt Waldemar Schlag (65). "Wie schaffen das aber die Berufstätigen?" Die Einwohnerzahl in diesem Teil der Stadt habe sich in den vergangenen Jahren um einiges vergrößert, gibt Schlag zu bedenken. Allein in seinem Haushalt wohnten sieben Personen, beim Nachbarn seien es zehn, darunter Kinder. Die Anwohner haben sich nun an den Stadtrat gewandt: Er soll sich für ihr Anliegen starkmachen.