Kürenzer wollen Bus für ihre Kinder

Kürenzer wollen Bus für ihre Kinder

Der Trierer Stadtrat entscheidet heute über einen Antrag, der auf den ersten Blick wie eine Lappalie daherkommt, in Wirklichkeit aber erhebliche Bedeutung hat. Es geht um die Schülerbeförderung aus Kürenz zur Ambrosius-Grundschule nach Trier-Nord.

Nur kurz war die Phase, in der die Kürenzer ihre Wunden geleckt haben nach dem schmerzhaften Stadtrats-Beschluss, die Grundschule in Alt-Kürenz zu schließen. Aus der Schule selbst kam der Vorschlag, nicht drei Jahre lang dem Ende auf Raten zuzusehen - denn so lange würde es dauern, bis die derzeit noch im Unterricht befindlichen Schüler ihre Grundschulzeit absolviert haben.

Stattdessen bekundete man Bereitschaft, schon zum nächsten Schuljahr "mit Mann und Maus" an den künftigen Standort Ambrosius zu wechseln (der TV berichtete). Die ADD signalisierte grünes Licht, die Kürenzer Klassen samt ihren Lehrerinnen im Paket umzusiedeln. Daraufhin gelang es sogar, die Eltern zu überzeugen, ohne deren freiwillige Zustimmung dieser Weg nicht begangen werden könnte.

Für die Stadt bietet sich ein doppelter Vorteil: Zum einen könnte man über das Gebäude drei Jahre früher verfügen und würde Unterhalt sparen. Zum anderen bestünde die Chance, im hochsensiblen Schulbereich ein Zeichen zu setzen, dass Kooperation über Stadtteilgrenzen hinaus möglich ist, wenn die Akteure Flexibilität beweisen.

Doch genau diese erwarten die Kürenzer auch von der Stadt. Es geht um die Frage, wie die sechs- bis zehnjährigen Schüler in ihr neues Domizil kommen. Die Ambrosius-Schule am Bürgerhaus Trier-Nord liegt zwar für viele Betroffene innerhalb der üblichen Zumutungs-Grenze von zwei Kilometern, bei der die Kommune als Grundschulträger nicht verpflichtet ist, einen Bustransfers zu finanzieren.Problematische Strecke

Aber die Strecke, darauf verweist Ortsvorsteher Bernd Michels unaufhörlich, ist wesentlich problematischer. Sie führt durch die von LKW und PKW massiv genutzte Eisenbahn-Unterführung der Avelsbacher Straße und den sich anschließenden Kreuzungsbereich, der in den nächsten Jahren zu einem Verkehrsknotenpunkt ausgebaut werden soll.

Die Kinder müssten diesen Bereich zu Fuß überqueren - für Michels eine "besondere Härte", die eine Ausnahme erlaubt. Im Rathaus hat man da Zweifel - und offenkundig Angst vor einem Präzedenzfall. Schulleiterin Carolin Temmel verweist wiederum auf den Umstand, dass die Schüler bei einem Wechsel nach Trier-Nord künftig nicht mehr, wie bisher, per Bus zum Sportunterricht transportiert werden müssten - so dass die öffentliche Hand einen Teil der Kosten gleich wieder rein bekäme. Ortsvorsteher Michels, beim Thema Schulschließungen von seinen CDU-Parteifreunden zuletzt alleine gelassen, hat diesmal mächtig getrommelt und das Kunststück geschafft, Christ- und Sozialdemokraten zu einem gemeinsamen Antrag zu bewegen, dem sich auch FDP und Linke angeschlossen haben.

Kernpunkt: Die Stadt übernimmt für die Übergangszeit von vier Jahren Kosten und Organisation der Schülerbeförderung - und nutzt diese Zeit, um langfristig "einen sicheren und gefahrlosen Schulweg" zu ermöglichen.
In der Begründung machen die vier Fraktionsvorsitzenden, die den Antrag unterzeichnet haben, aber auch deutlich, dass es sich um einen Fall handelt, den man nicht verallgemeinern kann: Es gebe, so heißt es, "erkennbar keine andere Schule, bei der die gleichen Umstände vorliegen".
Möglicherweise wird die Mehrheit sogar noch breiter, denn auch die FWG weiß sich Kürenz verbunden. Und die Grünen hatten schon einst in der Ampel-Koalitionserklärung festhalten lassen, man dürfe sich bei der Schülerbeförderung nicht sklavisch an die formale Zwei-Kilometer-Zumutbarkeitsgrenze halten.Meinung

Schlechtes Gewissen scheint durch
Ich hätte auch keine Lust, meine Kinder jeden Morgen auf den Schulweg durch die dunkle Bahnunterführung der Avelsbacher Straße zu schicken. Verständlich deshalb, dass aus Kürenz der Ruf nach einem Bus laut wird. Aber dieser Weg ist nicht der einzige gefährliche Schulweg in Trier. Wer hier einen Bus unter Umgehung der Zwei-Kilometer-Regel einsetzt, der darf sich nicht wundern, wenn es den Ruf auch aus anderen Stadtteilen geben wird. Deshalb ist der Stadtratsbeschluss so heikel, und deshalb ist er auch auf vier Jahre befristet - obwohl auch danach noch Kinder aus Kürenz zur Ambrosiusschule gehen werden. Wenn der Stadtrat diesem Wunsch nachgibt, geschieht das weniger aus Überzeugung in Sachen gefährlicher Schulweg. Da scheint eher das schlechte Gewissen vieler Stadtratsmitglieder durch: Die haben zwar die Schließung der Kürenzer Schule beschlossen, können aber selbst nicht so recht erklären, warum es ausgerechnet diese Schule trifft. m.schmitz@volksfreund.de