Kultur der Erinnerung

Vor zehn Jahren, am 27. Januar 1996, rief der damalige Bundespräsident Roman Herzog den nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus ins Leben. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit.

Auschwitz steht für millionenfachen Tod, verschuldet durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und ist für immer mit der Geschichte unseres Landes verbunden. Der 27. Januar soll alljährlich zu einem Tag werden, der eine Kultur der Erinnerung etabliert und dem Sog des Vergessens wehrt. Auch soll dieser Tag die Wachsamkeit schärfen, damit Geschichte sich nicht wiederholt. Fremdenhass, ideologisch motivierte Gewalt, Rassendiskriminierung und Antisemitismus sind Phänomene, die mit dem Ende des Nationalsozialismus in Deutschland nicht verschwunden sind. Immer wieder tauchen sie auf, verursachen Opfer und schaffen Verunsicherung. Die beiden Trierer Hochschulgemeinden veranstalten seit Jahren in Zusammenarbeit mit der Stadt Trier eine Gedenkreihe an die Opfer der NS-Zeit. In diesem Jahr wird die Brücke zur Gegenwart geschlagen. In der Dominformation auf dem Domfreihof ist eine Ausstellung zu sehen, die 134 Opfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990 dokumentiert. Wachsamkeit tut Not, damit menschenverachtender Gewalt der Boden entzogen wird. Die Erinnerung an die Opfer der Vergangenheit und der Gegenwart und das Bemühen, ihr Leiden nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ist vielleicht ansatzweise ein Versuch, den Opfern jene Gerechtigkeit zu schaffen, die ihnen zu Lebzeiten versagt blieb. Michael Bollig Hochschulpfarrer in Trier ( bollig@khg-trier.de)

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