Kunst am Bau von Bodo Korsig – Im Angesicht der eigenen Grenzen

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur : Fotoinstallation an der Halle des Post-Sportvereins Trier: Kunst am Bau von Bodo Korsig

An der Halle des Post-Sportvereins Trier hängt seit Montag eine Fotoinstallation des international tätigen Künstlers Bodo Korsig. Sie steht für Grenzerfahrungen im Sport und im Leben.

Zuerst wollte Bodo Korsig ein Foto nehmen, das den American-Football-Spieler Max Dörfler im Sprung zeigt. Wie er den Ball in der Luft fängt. Doch dann entschied er sich für eine „statische Kriegerposition, weil es ein heroisches Statement ist mit dem Outfit“. Das Foto von Max hängt in einer Größe von drei mal sechs Metern an der renovierten Halle des Post-Sportvereins Trier (PST) in der Ausoniusstraße und ist Teil einer Kunstaktion.

Der international tätige, unter anderem in Trier lebende Künstler Bodo Korsig bekam vom PST den Auftrag für eine Installation an der Fassade der Halle. Für deren Renovierung floss auch staatliches Fördergeld. Ab einer gewissen Summe muss es „Kunst am Bau“ geben.

„Zuerst das Team – dann ich“, steht bei dem Foto von Dörfler dabei. Korsig hat sich für Portraitfotos von PST-Sportlern entschieden – samt einer Aussage über ihre Sportart. Das Foto beziehungsweise die Sportart soll sich einmal im Jahr wechseln. Sechs Sportler werden abgebildet. Vollends entschieden hat sich Korsig noch nicht, aber die anderen Sportarten werden wohl Fechten, Volleyball, Leichtathletik, Schach und Taekwondo sein.

Das Gesicht für Taekwondo wäre Jessica Rau, die 2015 in der Kategorie Freestyle-Team-Formenlauf Europameisterin wurde und jetzt im August bei der Studenten-Europameisterschaft Gold im Einzel-Freestyle sowie Bronze im klassischen Formenlauf gewann.

Bodo Korsigs Performance an der Halle des Postsportvereins Trier

Korsig hatte bei seiner Kunstinstallation völlig freie Hand. Ansonsten arbeitet der Künstler gerne abstrakt mit Metall und viel mit Videoinstallationen, wie er sagt. Zum Beispiel mit verschiedenen Bildschirmen, wo auf jedem etwas anderes passiert. Nun hat er sich für Fotos entschieden. „Ich bin ganz zufrieden mit der Lösung. Eine Skulptur wäre nicht in Frage gekommen. Die Fotos behaupten sich ganz gut auf der Giebelwand“, sagt der Künstler am Montag bei der Montage. „Man muss sich bei Kunst am Bau auch zurücknehmen können. Das war für mich auch ein Lernprozess.“

Korsig kam nach Jahren in Berlin Anfang der 90er Jahre nach Trier, um die Druckwerkstatt für Holzschnitt an der Europäischen Kunstakademie mit aufzubauen. Danach lebte er unter anderem in New York und ist immer noch viel unterwegs, lebt auch noch in anderen Städten. Trier ist aber für ihn ein Ruhestandort, wie er sagt. „Man kann sich hier gut konzentrieren und fokussieren und geht dann wieder in die Welt.“

Der Künstler beschäftigt sich besonders mit dem menschlichen Verhalten unter extremen Bedingungen wie Angst, Gewalt oder Tod. Einen Zugang zu dem Thema hat er am Center for Neurobiology and Behavior des Nobelpreisträgers Eric Kandel an der Columbia University in New York gefunden. Korsigs Grafik „Where can I buy a new brain?“ (Wo kann ich ein neues Gehirn kaufen?) hängt im Büro von Kandel.

Bodo Korsig lebt unter anderem in Trier und leitet im Herbst ein Seminar in der Europäischen Kunstakademie. Foto: Jan Söfjer

„Ich finde solche Zustände faszinierend, wenn Menschen ed schaffen, Schmerz oder Ängste auszuschalten, wie man sein Gehirn überlisten kann. Solche Zustände versuche ich mit meiner Kunst darzulegen“, sagt Korsig. Schaffen würden das Menschen etwa, wenn sie sich mental „in eine andere Sphäre bringen, etwa durch Meditation“. Er sucht solche Grenzerfahrungen auch selber. „Ich bin oft alleine in die Berge alleine gegangen oder durchschwimme Seen. Das ist auch ein Weg ohne Absicherung ins Ungewisse. Im Sport gehst Du immer wieder an Deine Grenzen.“ Für diese Botschaft stehen nun die Portraits der Sportler an der Halle des Post-Sportvereins.

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