Kunstschätze auf Reise

TRIER/PADERBORN. (red) "Canossa 1077 – Erschütterung der Welt", das ist der Titel einer groß angelegten kunst- und kulturhistorischen Ausstellung, die bis zum 5. November in Paderborn zu sehen ist.

Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler zeigen die Stadt Paderborn, das Erzbistum Paderborn und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mehr als 700 Exponate, die einen umfassenden Einblick in die Geschichte, Kunst und Kultur des 11. und frühen 12. Jahrhunderts geben wollen. Zu den wichtigsten Ausstellungsstücken gehören auch Leihgaben aus dem Trierer Domschatz. Allen voran, so erläutert der Kustos des Domschatzes Franz Ronig, zähle dazu - neben einem griechischen Lektionar (Simeons Codex) - ein Evangeliar aus Helmarshausen, das in den vergangenen zwei Jahren in Trier von Hans Alof aufwändig restauriert worden sei. Der Buchdeckel des Evangeliars ist mit kostbaren Edelsteinen und Bergkristallen besetzt. Die Figuren des Deckels sind in hauchdünnes Kupferblech getrieben und feuervergoldet. Der Deckel, so betont Ronig, sei ein "Prunkstück" der Goldschmiedekunst. Inzwischen wisse man, dass Roger von Helmarshausen, der ihn um das Jahr 1100 hergestellt habe, und Theophilus Presbyter, der ein bis heute unerreichtes Werk über die künstlerischen Techniken mit dem Titel "Schedula diversarum artium - Buch der verschiedenen Künste" geschrieben habe, ein und dieselbe Person seien. Neben den Evangeliaren zählt auch das um das Jahr 1100 hergestellte Gozbert-Rauchfass zu den Leihgaben, die aus dem Trierer Domschatz den Weg in die Ausstellung nach Paderborn gefunden haben. Für Ronig ist dieser vergoldete Bronzeguss das "schönste und kostbarste Rauchfass der Welt". Hergestellt wurde es von Gozbert nach den Regieanweisungen des Theofilus Presbyter nach dem so genannten Wachs-Ausschmelz-Verfahren. Dabei wird zunächst ein Wachsmodell ausgearbeitet, dieses wird mit Ton umkleidet und in ein Tonpaket eingepackt. Weitere Infos zur Ausstellung in Paderborn gibt es im Internet unter www.canossa2006.de, Telefon 05251/88-29 88, E-Mail: canossa2006@paderborn.de

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