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Kurt und Johanna Blau-Bermes pflegen den Grafschafter Stadtgarten in Trier-Feyen.

Landschaftspflege in der Grafschaft : Zwei Herzen schlagen für den Stadtgarten in Trier-Feyen

Der Grafschafter Stadtgarten ist ein verwunschener Ort. Damit die Anlage ein Kleinod bleibt, pflegen Kurt und Johanna Blau-Bermes den Park mit Leib und Seele. Karikaturist Johannes Kolz hat dort eine Nachricht hinterlassen.

Johanna und ihr Mann Kurt streifen jeden Tag durch den Grafschafter Stadtgarten. Sie pflanzen und gießen Blumen, roden wild wachsende Brombeerhecken und Gestrüpp, halten die Sitzbänke sauber und kontrollieren die Obstbäume. Hin und wieder bitten sie die Besucher, ihren Müll wieder mitzunehmen oder appellieren an Hundebesitzer Hinterlassenschaften aufzusammeln.

Damit der kleine Park mit den eingewachsenen Bäumen, Skulpturen und lauschigen Winkeln in der Fritz-Quant-Straße ein Idyll bleibt, engagieren sich Johanna und Kurt Blau-Bermes nun seit drei Jahren dafür. Mit viel Herzblut und natürlich ehrenamtlich. „Im Moment müssen wir zusehen, dass wir den Zustand so erhalten. Als Naturgarten. Es soll aus ihm kein Palastgarten werden“, sagt Kurt Blau-Bermes augenzwinkernd. Dafür nehmen der 81-Jährige und seine 72-jährige Ehefrau so einige Strapazen auf sich.

Wer bei den Bermes vergeblich an der Haustür klingelt, muss nur um die Ecke im Stadtgarten nachsehen. Zwei bis drei Stunden verbringen sie dort zur Zeit täglich. Denn ohne ihren unermüdlichen Einsatz sähe die Zukunft der grünen Oase nicht mehr ganz so rosig aus. Immerhin hat der Stadtgarten bereits bewegte Zeiten hinter sich. Einst das Lebenswerk von Johannas Vater Josef Bermes, verwilderte der Garten nach seinem Tod 1999 und fiel in einen Dornröschenschlaf.

Schlimmer noch: Vandalismus und mangelnde Pflege setzten der Parkanlage zu. Die demolierte Skulptur der Justitia zeugt noch heute davon. „Etwa um 1999 hat man ihr den Kopf zum ersten Mal abgeschlagen“, erzählt Johanna Blau-Bermes. „Dann hat man den Kopf wiedergefunden und aufgesetzt. Vor fünf Jahren war er wieder ab. Da wurde er abermals gefunden und wieder aufgesetzt. Zwei, drei Jahre später fehlte er abermals.“ Seitdem bleibt das Haupt der Justitia, Symbol für Gerechtigkeit und Rechtspflege, verschwunden.

Dabei hatte ihr Vater eigentlich vorgesorgt, damit sein Kleinod die Zeiten überdauert. Der Orthopädieschuhmachermeister initiierte die Stiftung Trierer Grafschafter Stadtgarten und traf mit der Stadt Trier eine Abmachung: Sie sollte die Pflege des Gartens übernehmen, wenn es sonst niemand mehr tun wollte.

Das war 1988. „Die Zinsen wurden dafür verwendet, den Garten zu erhalten“, sagt Johanna Blau-Bermes. „Doch heute gibt es ja keine Zinsen mehr.“ Ein Dilemma. Und so zahlt das Ehepaar Pflanzen und Blumenzwiebeln inzwischen aus eigener Tasche.

Als der Garten damals, Anfang der 2000er Jahre, so verwilderte, nahm Gerhard Huber die Causa Stadtgarten in die Hand. „Er und sechs Männer von der Grafschaft nahmen sich den Garten vor und brachten ihn wieder auf Vordermann“, erzählt Kurt Blau-Bermes. Tatsächlich vergrößerte die Mannschaft um Huber die Grünanlage 2008, indem sie zusätzlich Apfel-, Birnen-, Mirabellen und Zwetschgenbäume pflanzte. Das Obst bereichert heute den Speiseplan der Grafschafter beträchtlich.

Doch vor drei Jahren hatte Gerhard Huber keine Zeit mehr und die Stunde der Bermes schlug. Kurzerhand machten sie einen Termin bei Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Christine-Petra Schacht, Leiterin von StadtGrün, und vereinbarten mit ihnen, die Pflege mit Hilfe von Stadtgrün zu übernehmen. „Die Mitarbeiter helfen viel, vor allem bei den schweren Arbeiten“, sind Kurt und Johanna Blau-Bermes froh. „Sie haben zwei Bänke erneuert, Nistkästen aufgehängt, den Rasen gemäht und die Hecken geschnitten.“

Der Aufwand lohnt sich. Viele Menschen, die sich im Stadtgarten erholen und auf die Bermes treffen sagen „Danke schön“, freut sich Kurt Blau-Bermes. Und auch der bunt bemalte Briefkasten, den eine Grundschülerin an eine Birke genagelt hat, damit jeder, der will, einen Brief oder eine Nachricht hinterlassen kann, hängt dort nicht von ungefähr.

Eine Botschaft oder vielleicht besser ein Bitte hat auch der Trierer Karikaturist Johannes Kolz, Enkel von Josef Bermes, hinterlassen: „Unn weil unsen Opa, den Josef Bermes, sich daomals su vill Müh gewen hat – Bitte, gieh laosst die Blümscher lewen. Guckt bissi hei, bissi lao awer maacht neist freckt.“

Das Grafschafter Stadtgartenfest, bei dem der Erlös dem Erhalt des Gartens zugute kam, ist eingeschlafen; der Glühweinausschank im Advent vor dem Gartenhäuschen ungewiss. Wer für den Grafschafter Stadtgarten spenden will, wendet sich per E-Mail an blaubermes@t-online.de