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Kurtrierisches Jahrbuch vorgestellt: Rosenzüchter und christliche Missionare

Kurtrierisches Jahrbuch vorgestellt: Rosenzüchter und christliche Missionare

In und um Trier war schon immer so einiges los: Das Kurtrierische Jahrbuch stellt historisch interessante Ereignisse und Personen aus Spätantike, Mittelalter und Neuzeit vor. Die neue 2016er-Ausgabe ist bei einem Abend in der Stadtbibliothek vorgestellt worden.

Trier. Als international renommiertes Zentrum der Rosenzucht ist Trier heute nicht unbedingt bekannt. Zu Lebzeiten von Peter Lambert (1859 bis 1939) sah das hingegen ganz anders aus. Dieter Schultz begibt sich in seinem Beitrag für das neue Kurtrierische Jahrbuch auf die Spuren des damals weltberühmten Züchters. Noch heute existiert in der Franz-Georg-Straße die Gärtnerei, die Lamberts Namen trägt. "Die heutigen Inhaber sind allerdings keine direkten Nachfahren", klärte Professor Michael Embach, Direktor der Stadtbibliothek, auf.

Spannende Persönlichkeiten lebten in Trier aber schon lange zuvor. So gibt es viele Legenden über das Wirken der ersten christlichen Missionare und Bischöfe: Eucharius, Valerius und Maternus. Bei den historischen Belegen sieht die Lage hingegen sehr bescheiden aus, alle erhaltenen Schriften sind erst Jahrhunderte nach dem angenommenen Wirken der drei entstanden. Lebten sie tatsächlich, und wenn ja, wann? Die häufig berichtete Entsendung der Missionare durch den Apostel Petrus im 1. Jahrhundert ist wissenschaftlich jedenfalls nicht nachzuweisen.

Dennoch lohnt der Blick in Schriften, die die legendenhaften Erzählungen als Tatsachenberichte ansehen. Das zeigt Dr. Paul Dräger am Beispiel der "Vita sanctorum Eucharii, Valerii, Materni". Der von ihm erstmals übersetzte und kommentierte Text ist wahrscheinlich um das Jahr 900 entstanden. "Es handelt sich nicht um eine hagiografische Allerweltsschrift, sondern um ein literarisches Kleinod", gab Bibliotheksdirektor Embach das abschließende Fazit Drägers wieder. Im Abgleich mit anderen Quellen liefert der Text interessante Hinweise zum antiken Geschehen: "Trier wird christlich."

Was hat Wald mit Herrschaft zu tun? Eine ganze Menge, weist Thomas Schira in seiner Betrachtung über das Kurfürstentum Trier des 18. Jahrhunderts nach. Viele neu erlassene Gesetze zu Holzwirtschaft, Weide- und Viehnutzung sowie zur Jagd zeigen eindeutige Züge, die Machtbefugnisse des Landesherrn zu stärken. Auch in vielen anderen Lebensbereichen war diese Tendenz prägend für die Zeit. Sie rief jedoch Widerstand hervor: Eine der Ursachen der politischen Unruhen im Trier der Jahre 1781 bis 1791 war eben jener immer dominantere, kurfürstliche Herrschaftsanspruch. In seinem Gastvortrag "Trierer Bürger in der Opposition" beleuchtete Daniel Kugel soziale Hintergründe und Motive der Akteure des Widerstands.

Gut möglich, dass diese Masterarbeit Kugels Eingang ins Kurtrierische Jahrbuch des nächsten Jahres findet, zeigten sich die Anwesenden überzeugt. In der aktuellen, 400 Seiten starken Ausgabe sind neben zwölf Aufsätzen und Berichten 18 Buchbesprechungen zu historischer Forschung enthalten. "Und natürlich die Stadttrierische Chronik von Manfred Wilhelmi. Sie gibt einen sehr kompakten Überblick, was sich in Trier 2015 ereignet hat - mit viel Liebe zur Stadt, aber manchmal mit einer humorigen Sicht", ergänzte Embach.

Das Kurtrierische Jahrbuch 2016 ist zum Preis vom 15 Euro im Buchhandel erhältlich: Kurtrierisches Jahrbuch 2016, herausgegeben von der Trierer Stadtbibliothek und dem Verein Kurtrierisches Jahrbuch e.V., Trier 2016, ISBN 0452-9981.