"Lachen, tanzen, feiern"

TRIER. Er hatte ein dickes Manuskript mit ans Rednerpult genommen und brauchte dann doch keine Zeile davon: Mit einer – natürlich – lustigen, aber auch bewegenden Rede bedankte sich Mundart-Poet Helmut Leiendecker am Sonntagabend für die Auszeichnung mit dem Franz-Weissebach-Preis.

Auf den ersten Blick hatte die im Barocksaal der Sektkellerei Bernard-Massard versammelte Gesellschaft so gar nichts Karnevalistisches an sich. Da stand Bischof Reinhard Marx in der ersten Reihe. Landrat im Ruhestand Richard Groß gehörte zu den Gästen. Man sah Trierer Kommunalpolitiker, Mediziner, Wirtschaftsgrößen. Doch der offizielle Schein trog, und der Humor saß dicht unter der von feinster Abendgarderobe geprägten Oberfläche.Schalk im Nacken und soziale Ader

Denn die Prinzenzunft hatte eingeladen, und es ging um den Franz-Weissebach-Preis. Den haben die eben erwähnten Herren Marx und Groß auch schon erhalten und wollten am Sonntagabend dem aktuellen Preisträger die Ehre erweisen. Zwei Attribute muss ein Träger dieses Preises auf jeden Fall aufweisen können: Schalk im Nacken und eine ausgeprägte soziale Ader. Das waren schließlich auch die prägenden Charakteristika von Franz Weissebach (1860-1925), der den Trierern den Palastgarten stiftete, indem er der Stadt Mittel zum Bau eines Krematoriums hinterließ. Nur wenn der Stadtrat dieses Krematorium fünf Jahre lang ablehnt, soll das Geld in einen Volksgarten fließen, hieß es im Testament. Was der Rat sich nicht zweimal hat sagen lassen. Der Preisträger des Vorjahres hält die Laudatio. So ist es Brauch. Also trat nach der Anmoderation von Rolf Schüssel der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval, Peter Pries, nach vorne. Was danach kam, hätte besser nicht laufen können. Pries, mit einem hochwertigen trockenen Humor gesegnet, sprach über Helmut Leiendeckers Wirken in Trier und brachte auch unbekannte Fakten über "den Mann, von dem alle doch schon alles wissen". Zum Beispiel hatte der Mundart-Spezialist eigentlich Polizist werden wollen, was aber seine Farbenblindheit verhinderte. Zur Bundeswehr kam er mit 27 Jahren und schrieb Geschichte als ältester Rekrut Deutschlands. Im Nordbad nahm ihn seinerzeit der Bademeister unter Beschuss, weil dieser kein Verständnis für nächtliche FKK-Partys hatte. Peter Pries hatte schon viele Lacher provoziert, als der Star des Abends nach vorne kam.Plädoyer für die Mundart

"Ich weiß gar nicht so recht, was ich als Preisträger alles machen soll", sagte Helmut Leiendecker. Und wusste es natürlich doch. Auch er ließ die Leute lachen mit drei Kurzgedichten, Anekdoten, lockeren Sprüchen. Aber er wurde auch ernst und hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die Mundart. "Ich setzte mich mit ganzen Herzen dafür ein, zu zeigen, wie viel Niveau in Mundart-Dichtung, Musik und Schauspiel steckt", betonte er. Was ihm mit der 1986 gegründeten Leiendecker Bloas schon zahllose Male gelungen ist, ebenso wie mit seinen Auftritten und selbst geschriebenen Mundart-Stücken im Kleinen Volkstheater Trier. Die Bloas - auch in ihr steckt sein Herz. "Natürlich gibt es auch ernste Stücke, aber ich zögere manchmal, sie auch zu spielen", räumte Helmut Leiendecker ein. "Denn wir spielen in erster Linie, damit die Leute lachen, tanzen und feiern."