Längst verziehen, aber niemals vergessen

Längst verziehen, aber niemals vergessen

Es ist das dritte Mal, dass Ivar Buterfas (75) in Trier ist. Seine Mission ist seit 18 Jahren dieselbe. 1573 Vortrags-Veranstaltungen hat der Hamburger gehalten. Vor allem jungen Menschen berichtet er von seiner Vergangenheit und den Erlebnissen im Dritten Reich. So auch den Schülern des Hindenburg-Gymnasiums (HGT), die letzte Station auf seiner Vortrags-Reise.

Trier. (cofi) "Kämpfen", das ist die Botschaft, die Dagmar Buterfas dem Vortrag ihres Mannes voran schickt. "Kämpfen hilft immer." "Wir werden kämpfen", das waren Worte, die ihr Mann aussprach, als er vor 19 Monaten die Diagnose Darmkrebs erhielt. Und: "Die Nazis haben mich nicht gekriegt, und der Krebs kriegt mich auch nicht."Seine Kraft stellt Buterfas seit 18 Jahren in den Dienst der Aufklärung und des Erinnerns, er führt einen Kampf gegen das Vergessen und räumt mit der deutschen Traditionslüge ("Das haben wir alles nicht gewusst") auf. 1933 geboren erlebte Buterfas den Beginn der Nazi-Gewaltherrschaft, wurde aus der Schule verwiesen, musste sich verstecken, fliehen. Geschichte darf sich nicht wiederholen

Die Nationalsozialisten haben in ihrem Rassenwahn Menschen ihre Arbeit, Würde und Namen genommen und zuletzt noch ihr Leben. "Die Schuld an 55 Millionen Toten, das ist die Hypothek aus dem Zweiten Weltkrieg, die sich das deutsche Volk auf die Schultern geladen hat."Ivar Buterfas spricht aus, was geschehen ist, verschweigt nichts, verschönert nichts. Er erzählt von der Geschichte und seiner eigenen Geschichte als Sohn eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter, ganz greifbar und erschütternd nah. "Ich habe längst verziehen, aber ich werde niemals vergessen." Und: "Ein Volk, das sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, beginnt sie zu wiederholen." Das ist die Lehre, die daraus gezogen werden muss, damit sich das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte nicht wiederholt. Den Schülern des HGT, die aufmerksam und betroffen zuhörten, gab Buterfas schließlich folgendes mit auf den Weg: "Ich bin mir sicher, dass ihr auf Deutschland gut aufpassen werdet."

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