Land prüft Ausbau von A 602 und Moseltaldreieck

Land prüft Ausbau von A 602 und Moseltaldreieck

Als Ersatz für die nicht im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigte Nordumfahrung Trier ("Meulenwaldautobahn") prüft das Verkehrsministerium den Ausbau bestehender Straßen. Sechsspurige A 602, vierspurige B 52 und neue Rampen am Autobahndreieck Moseltal - das sind für Mainz "denkbare Alternativen" (siehe Grafik unten).

Trier. Technisch machbar, jedoch mit sehr hohem Aufwand. Das ist vereinfacht gesagt das Ergebnis einer Verkehrsstudie aus dem Jahr 2014, mit der das Land die Voraussetzungen für den Ausbau der Strecke von der A 64 (Luxemburg-Autobahn) bis zum Moseltaldreieck (A 1) überprüfen ließ. Auf eine Kleine Anfrage des Rioler Landtagsabgeordneten Arnold Schmitt (CDU) antwortete Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) kürzlich, dass Zusatzfahrstreifen auf der A 602 von der Anschlussstelle Ehrang bis zum Autobahndreieck Moseltal bei Longuich "denkbar" seien. Das gelte auch für Neubau und Verlegung von Rampen im Autobahndreieck, insbesondere beim Übergang von der A 1 zur A 602.

Schmitt hatte die Landesregierung gefragt, welche Alternativen es zur Nordumfahrung gebe. Die auch als Meulenwaldautobahn bezeichnete Verbindung von der "Dicken Buche" (B 52) bis zur A 1 bei Schweich ist nicht im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt worden (der TV berichtete). Dieser berücksichtigt Investitionen bis zum Jahr 2030. Dagegen ist die Westumfahrung Trier ("Moselaufstieg"), die Verbindung von Konz zur A 64, in den vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplans aufgenommen worden.

Wenn der Moselaufstieg komme, dann werde der Verkehr auch im Nadelöhrbereich B 52/Ehranger Brücke/A 602 sehr stark zunehmen, glaubt der CDU-Abgeordnete. Schon heute gebe es jeden Morgen dort erhebliche Staus.
Die Situation für die Luxemburg-Pendler hat sich zwar nach dem vierspurigen Ausbau der A 64 von der Biewerbachtalbrücke bis zur Dicken Buche (B 52) und weiter bis zur Ehranger Brücke (verengte Spuren mit gelber Markierung) verbessert, aber nur marginal. Wenn die Gefällstrecke von der Eifel zur Mosel "regelkonform" ausgebaut werde, so hat die Prüfstudie ergeben, könne eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssicherheit erreicht werden. So heißt es aus dem Ministerium auf Nachfrage unserer Zeitung."Bremse" Biewerbachtalbrücke


Ausgebremst werden die Autofahrer heute noch von der nur zweispurigen Biewerbachtalbrücke. Allerdings ist der vierspurige Ausbau dieser Brücke fest eingeplant. Das gilt auch für die Sanierung der Ehranger Brücke. Hierzu teilt das Wissing-Ministerium mit, diese Arbeiten erfolgten "voraussichtlich 2017 oder 2018". Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) rechnet mit einer Bauzeit von drei Jahren, wobei derzeit von mehreren Bauphasen mit zeitweiligen Sperrungen von einem Fahrstreifen in jede Richtung ausgegangen wird. Der LBM sei bestrebt, die Auswirkungen auf den Verkehr zu minimieren, heißt es in Mainz. Möglichst viele Arbeiten sollen von der Unterseite der Brücke erledigt werden. In spätestens 15 Jahren, so hatte der LBM vor zwei Jahren mitgeteilt, müsse das Bauwerk aus dem Jahr 1968 ohnehin neu gebaut werden - dann vermutlich sechsspurig. Der bauliche Zustand der Brücke, über die täglich nahezu 35 000 Fahrzeuge rollen, wird mit "ungenügend" bewertet.Rückt A 602 nach Kenn?


Sechs Spuren ist angesichts eines prognostizierten Verkehrszuwachses auch die Zielgröße für einen möglichen Ausbau der A 602 zwischen der Anschlussstelle Ehrang und dem Moseltaldreieck. Vor etwa zwei Jahren habe er schon Gelegenheit gehabt, erste Planentwürfe beim LBM einzusehen, sagt Kenns Ortsbürgermeister Rainer Müller (CDU). Es sei eine Ausweitung der Autobahn in Richtung Kenn vorgesehen. "Zur Mosel hin ist Überschwemmungsgebiet, da geht nichts", sagt Müller. Er glaubt, dass die L 145, die derzeit noch parallel zur Autobahn von Schweich in Richtung Trier-Ruwer verläuft, künftig mitten durchs Gewerbegebiet Kenn führen wird und erst vor dem Real-Markt wieder auf die alte Trasse stößt.

An den Autobahnauf- und abfahrten müssten laut Müller neue Kreisel gebaut werden; die jetzigen Anbindungen seien zu klein dimensioniert. Der Kenner Ortsbürgermeister steht diese Planung kritisch gegenüber. Sie koste viel und löse die beiden gravierendsten Probleme nicht: den Verkehrsengpass im Moseltal und die hohe Lärmbelastung. Eine vernünftige Entlastung für Kenn, Schweich, Issel und Longuich könne nur die Nordumfahrung bringen.

Schweichs Stadtbürgermeister Lars Rieger hat erst vom TV von der Machbarkeitsstudie erfahren. Er ist Luxemburg-Pendler und sagt: "Ein Ausbau der Biewerbachtalbrücke ist zielbringender als ein Ausbau der A 602." Rieger kritisiert die Informationspolitik der Straßenplaner. Bald werde die Ehranger Brücke saniert, und man habe noch nichts über Art und Umfang der Arbeiten oder mögliche Sperrungen und Umleitungsstrecken erfahren.Meinung

Straßen-Puzzle
Nun ist es also raus: Das Land prüft in Abstimmung mit dem Bund den Ausbau bestehender Straßen im Norden und Osten von Trier. Das ist auch bitter nötig, denn der Verkehr rund ums Oberzentrum wird weiter zunehmen - erst recht, wenn der Moselaufstieg einmal den Konz-Saarburger Raum mit der A 64 verbindet. Weil die große Lösung Nordumfahrung wohl auf Jahrzehnte hinaus nicht zu realisieren ist, bleibt nur der Ausbau im Bestand. Setzt man die Puzzleteile, an denen die Straßenplaner arbeiten, einmal zusammen, ergibt sich mit Bekanntwerden der Machbarkeitsstudie zum Ausbau von A 602 und B 52 nun auch ein schlüssiges Gesamtbild: Moselaufstieg, vierspurige A 64 durchgehend bis zur neuen, sechsspurigen Ehranger Brücke, dann weiter über die ebenfalls sechsspurige A 602 zum großzügiger gestalteten Autobahndreieck Moseltal. Dieses Szenario wird es wohl frühestens in 20 Jahren geben, dennoch sollten die Öffentlichkeit und die betroffenen Kommunen im Moseltal frühzeitig in die Planung einbezogen werden. a.follmann@volksfreund.de

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