Landesausstellung "Der Untergang des Römischen Reiches" 2022 in Trier nimmt Formen an

Landesausstellung : Vorfreude auf den Untergang

Die große Landesausstellung 2022 über den Exitus des Römischen Reiches lässt Hotellerie und Handel schon im Vorfeld jubeln: Die Schau dauert bis Ende November und dürfte damit einen „toten Monat“ beleben.

Klar, es ist noch eine Weile hin. In genau 1233 Tagen, am Freitag, 25. Juni 2022, beginnt die nächste große Landesausstellung in Trier. Ende: Sonntag, 27. November. Rahmendaten, die dem Laien relativ schnurz sein dürften, aber in Fachkreisen großen Jubel auslösen. Denn sie bedeuten eine Abkehr von bislang Praktiziertem. Die bisherigen drei Landesausstellungen zu Konstantin dem Großen (2007), Nero (2016) und Karl Marx (2018) starteten im Schnitt sechs Kalenderwochen früher, und entsprechend früher war Schluss. Was insbesondere in Hotellerie und Gastronomie auf Unverständnis stieß. Nun kommt alles ganz anders. „Unser Flehen wurde erhört“, freut sich IHK-Vizepräsidentin Andrea Weber, die aus eigener Erfahrung um die wirtschaftliche Bedeutung der Verschiebung des Veranstaltungszeitraums weiß: Die 59-Jährige leitet das (Familien-) Hotel Deutscher Hof und erinnert sich noch „sehr gerne an die Konstantin-Ausstellung“. Die ging – quasi ausnahmsweise – erst am 4. November zu Ende und hat damit etwas noch nie Dagewesenes bewirkt: „In einer Phase, in der sonst wenig bis nichts los ist, waren die Hotels in und um Trier restlos ausgebucht.“ Diesen Effekt erhoffen sich Hotellerie und Gastronomie nun auch für den Spätherbst 2022: „Der November ist für uns ein ziemlich ,toter Monat’. Erst mit Beginn des Weihnachtsmarkts schnellen die Belegungszahlen wieder nach oben“, weiß Andrea Weber.

Norbert Käthler (53), Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM), begrüßt zudem, „dass wir nun relativ frühzeitig in touristische Vermarktung gehen können“. Druckfrisch liegen erste Flyer in deutscher und englischer Sprache vor, mit denen sowohl die TTM als auch die Landes-Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) für das Großereignis in Trier werben, unter anderem auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) vom 6. bis 10. März in Berlin. Dass das Thema zugkräftig ist und auch bei Reiseveranstaltern gut ankommen wird, steht für Käthler „völlig außer Frage. Und es gibt kaum einen authentischeren Ort, um es zu präsentieren. Der Untergang Roms ist auch der Untergang der römischen Kaiserstadt Trier“. Und passe damit bestens: „Wir wollen ja international punkten und bekannt werden mit Themen, die möglichst typisch für unsere Stadt sind.“

Nicht nur die Touristiker bereiten sich nun auf den „Untergang“ vor, sondern auch die Ausstellungsmacher. Landesmuseums-Direktor Marcus Reuter (52), von dem wie bereits bei der Nero-Ausstellung die Idee stammt, spricht von einer „gewaltigen Herausforderung, der wir uns selbstbewusst stellen“. Der Anspruch sei, „eine Ausstellung zu präsentieren, die selbst Fachleute überraschen wird“. Wie und mit welchen Exponaten das geschehen kann, soll in den kommenden Wochen in Diskussionsrunden mit Fachleuten erörtert werden. Danach gehe es an die organisatorische Feinarbeit.

Auch Reuter spricht von einem „tollen Thema mit vielen Gegenwartsbezügen. Migration, religiöse Konflikte, Bürgerkriege, wirtschaftliche Probleme, Separatismus – das hat es alles auch im vorletzten Jahrtausend gegeben.“

Was genau zum Exitus des Imperiums geführt hat und wann er eingeleitet wurde, ist ungewiss. Reuter: „Ich hoffe, wir können 2022 etwas mehr Licht ins historische Dunkel bringen.“

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