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Landgericht setzt Prozess um Trierer Baumunfall fort – Experte aus Dresden soll kommen

Landgericht setzt Prozess um Trierer Baumunfall fort – Experte aus Dresden soll kommen

Kein Professor aus Österreich, sondern ein Diplom-Ingenieur aus Dresden soll als dritter Gutachter das tödliche Trierer Baumunglück untersuchen. Das hat das Trierer Landgericht am Dienstag nach einem heftigen Tauziehen zwischen den Prozessbeteiligten entschieden.

Ein Urteil zum tragischen Baumunfall auf der Trierer Rautenstrauchstraße bleibt zunächst in weiter Ferne. Stattdessen stritten sich die Prozessbeteiligten am gestrigen zehnten Verhandlungstag um die Auswahl eines dritten Baumsachverständigen.

Angeklagt ist ein 54-jähriger Mitarbeiter vom städtischen Grünflächenamt. Ihm wird vorgeworfen, die alte Kastanie nicht ausreichend auf ihre Standsicherheit geprüft zu haben. Der Baum aus dem Rautenstrauchpark war im November 2012 plötzlich auf die unmittelbar vorbeiführende Straße gestürzt. Bilanz: eine Tote und mehrere Verletzte, darunter ein Schwerverletzter.

In erster Instanz war der Gärtnermeister vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden, wogegen er Berufung einlegte. Er will den Freispruch. Seit zehn Verhandlungstagen tagt die Siebte Strafkammer des Landgerichts als Berufungsinstanz.

Das Problem: Zwei Sachverständige hatten den Fall untersucht und völlig konträre Ergebnisse präsentiert. Ein dritter Gutachter musste also her - und schon stand das Gericht vor dem nächsten Problem: Zu viele Baumexperten hatten sich deutschlandweit an der intensiven öffentlichen Diskussion nach dem Unfall beteiligt. Wer von ihnen würde noch als neutral und unbefangen gelten? Der Vorsitzende Richter Peter Egnolff schlug den Salzburger Experten Gerald Schlager vor. Am Dienstag sollte darüber entschieden werden, doch Verteidiger Roderich Schmitz wischte den Vorschlag gleich zu Beginn vom Tisch. Schmitz: "Ich will verneinen, dass einer aus dem Ausland eine Sache begutachten soll, die in Deutschland vielleicht auf ganz anderen Rechtsgrundlagen beruht." Darauf der sichtlich verärgerte Vorsitzende: "Wie sollen wir nun vorgehen?" Schmitz: "Suchen Sie sich irgendeinen aus Deutschland aus."

Nun griffen die Nebenklagevertreter Anne Bosch und Otmar Schaffarczyk ein. Immer mehr Namen von potenziellen Baumgutachtern flogen durch den Raum. Der Ton wurde unfreundlicher, der Vorsitzende mahnte zur Ruhe. Nach kurzer Beratung präsentierte Egnolff schließlich "eine ungewöhnliche Maßnahme in einem ungewöhnlichen Prozess". Er schlug den Verfahrensbeteiligten vor, sich untereinander auf einen dritten Gutachter zu einigen und diesen der Kammer vorzuschlagen. Aber auch diese Idee kam nicht an. "Sie als Vorsitzender haben die Geschäftsführung, nicht die anderen", warf Nebenklagevertreterin Bosch ein. Schließlich schlug Egnolff den Dresdner Baumexperten Henrik Weiß vor, der sich noch nicht zum Trierer Baumunglück öffentlich geäußert haben soll. Der Vorschlag wurde - wenn auch teils knurrend - angenommen.
Der Prozess wird am Montag, 24. November, 9 Uhr, mit einem Kurztermin fortgesetzt. Darauf folgender Verhandlungstag: 15. Dezember, 9 Uhr, Saal 54.

Petra Willems

Redaktion

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