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Landwirtschaft Drohne Maiszünsler

Landwirtschaft : Wenn Mini-Wespen vom Himmel regnen

Gefräßige Raupen einer Schmetterlingsart richten in Maisfeldern auch im Saargau große Schäden an. Abhilfe verschaffen andere Insekten.

Die neuesten Mitarbeiterinnen von Clemens Bisenius sind anspruchslos in der Haltung, nur einen halben Millimeter groß und nehmen dem Landwirt eine Menge Arbeit ab. Anders als die Kühe auf seinem Antoniushof unweit von Ralingen-Olk haben die kleinen Helferlein auch keinen Namen. Bisenius bekommt sie noch nicht einmal zu Gesicht. Denn sie werden in weißen Kugeln angeliefert, die mit Drohnen über seinen Maisfeldern abgeworfen werden. Es handelt sich um winzige Schlupfwespen, die dem Schmetterling namens Maiszünsler (siehe Info) den Garaus machen.

Vor ein paar Jahren war der Maiszünsler in der Region noch kein Problem. Die Tiere kamen vor allem in warmen Gegenden in Süddeutschland vor. Aufgrund des Klimawandels gibt es sie inzwischen auch im Kreis Trier-Saarburg. Nach Auskunft von Heinz-Peter Rauen vom Maschinenring Trier-Wittlich unter anderem im Saargau und auch in der südlichen Eifel. „Im Hochwald oder in höheren Eifellagen ist der Zünsler zwar noch nicht gefunden worden“, sagt Rauen, „doch das wird vermutlich nicht mehr lange dauern.“

Und warum bereitet der Maiszünsler Probleme? Die Raupen dieses Schmetterlings fressen sich durch das Stängelmark der Pflanzen, die Landwirte wie Bisenius als Viehfutter einsetzen und die Berufskollgen von ihm als Energiepflanze für Biogasanlagen anbauen. Durch den Fraß werden die Maispflanzen instabil. „Wenn dann etwas stärkerer Wind aufkommt, brechen die Pflanzen um“, sagt Bisenius. Ernteausfälle bis zu 50 Prozent können das Ergebnis sein. Zudem werden die Pflanzen durch den Raupenfraß anfälliger für Krankheiten und Pilzbefall.

In diesen Papierkugeln sind jeweils mehr als 1000 Schlupfwespen. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/Harald Jansen

Dank der Flugkünste von Thomas Mohn aus Newel hat der Zünsler auf dem Feld unweit der B 51 bei Welschbillig-Windmühle keine Chance. Er habe eigens einen Führerschein für die Drohne gemacht, sagt Mohn. Einen Führerschein für eine Drohne? Für diese Spielzeuge? Von wegen Spielzeug. Das Fluggerät, mit dem Mohn durch die Region tourt, kostet rund 12 000 Euro und wiegt annähernd 4,5 Kilogramm.

Nachdem Mohn das System der Drohne hochgefahren hat, erscheint im Dienstprogramm des Fluggeräts eine Luftaufnahme. Darauf zeichnet er die Eckpunkte des Geländes ein, das überflogen werden soll. Aufgrund der Koordinaten und einiger weiterer Angaben wie der Flughöhe und Mindestabständen errechnet das Programm die richtige Flugbahn. Vor dem Start werden dann noch in einen Behälter unterhalb der Drohne Papierkugeln in einen Vorratsbehälter eingefüllt. Jede dieser Kugeln enthält rund 1100 Schlupfwespen. Und los geht’s.

Zwar könnte Mohn die Drohne auch selber steuern, doch die schafft das auch gut alleine. „Wenn beispielsweise der Akku leer wird, kommt sie von alleine an den Startpunkt zurück“, sagt Mohn. Er überwacht eher den Flug und kann eingreifen, falls doch etwas schiefläuft. Doch beim Einsatz nahe Windmühle funktioniert alles optimal. Das Fluggerät schwebt in 15 Metern Höhe in Windeseile über das Maisfeld.

Und wenn man genau hinschaut, kann man sehen, dass von Zeit zu Zeit eine Papierkugel aus dem Behälter fällt. Mit der Kugel unten angekommen, machen sich die kleinen Wespen sofort ans Werk. Sie legen ihre Eier in die Eier des Maiszünslers. In der Hülle wachsen dann keine neuen Schmetterlinge heran, sondern weitere Schlupfwespen. Und die machen sich dann wieder über Zünslereier her. Während die Kugeln fallen, schaut sich auch Clemens Bisenius an, wie seine neuen Mitarbeiterinnen an ihren Einsatzort gebracht werden. Theoretisch hätte der Landwirt die Kugeln auch von Hand verteilen können. „Das ist aber eine Arbeit für jemanden, der Vater und Mutter erschlagen hat“, sagt er scherzhaft. Denn teilweise sind die Maispflanzen schon zwei Meter hoch, wenn der Zünsler bekämpft werden muss. „Da kommt man dann fast nicht mehr durch“, sagt Bisenius. Und Heinz-Peter Rauen ergänzt, dass man unheimlich lange brauchen würde, genügend Schlupfwespen in einem großen Maisfeld zu verteilen. Die Drohne schafft das in wenigen Minuten. „220 Kugeln sind abgeworfen worden“, sagt Thomas Mohn nach der Landung des Fluggeräts. Dessen Einsatz ist natürlich nicht umsonst. „Der Einsatz von Chemie würde ähnlich viel kosten“, sagt Bisenius. Doch müsste er sich eine spezielle Landmaschine anschaffen, um durch das Maisfeld fahren zu können. Er sagt: „Dann doch lieber die Drohne.“