Kirche: Langstreckenläufer für die Kirche

Kirche : Langstreckenläufer für die Kirche

Sie sind seit Jahrzehnten für ihre Mitmenschen aktiv: In einem Festakt feiert das Bistum Trier die Vielfalt ehrenamtlichen Engagements.

(red) Es war eine „Leuchtturmstunde“ für das Ehrenamt im Bistum Trier, wie Generalvikar Ulrich von Plettenberg in Anlehnung an das von der Band gespielte Lied von Peter Maffay formulierte. Vier Initiativen und drei Einzelpersonen sind  für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden. Sie zeigen beispielhaft die Vielfalt kirchlichen Lebens, wie die Kooperation mit anderen Partnern und Kirchen gelingen kann, aber auch, wie immer neue Wege gefunden werden können, anderen Menschen zu dienen.

Zwei Mal im Jahr ehrt der Arbeitsbereich Ehrenamtsentwicklung im Bistum Trier in einer Feierstunde  verdiente Einzelpersonen und würdigt beispielhafte Initiativen. „Es ist mir ein Anliegen, dem Ehrenamt die Ehre und Wertschätzung zu geben, die es verdient“, erklärte Generalvikar von Plettenberg zu Beginn der Veranstaltung im Robert-Schuman-Haus. Domvikar Hans Günther Ullrich, Leiter der Abteilung Ehrenamt beim Bistum Trier, erklärte in seinem geistlichen Impuls zur zuvor gehörten Lesung der Brotvermehrung: „Wenn wir von unserem eigenen Lebensunterhalt etwas geben, dann reicht es für alle, weil der Segen Gottes darauf liegt.“

Dass die über zwei Stunden dauernde Ehrung kurzweilig war, lag auch an der musikalischen Gestaltung durch die Band The Holytones aus Winterbach (Saarland), die ebenfalls geehrt wurde. Mit ihren Coverversionen aktueller Hits sowie mitreißenden Eigenkompositionen begeisterte die junge Gruppe das Publikum, das zum Abschluss noch nach einer Zugabe verlangte.

 Die drei geehrten Einzelpersonen kommen aus der Trierer Innenstadtpfarrei Liebfrauen. Als „Langstreckenläufer“ bezeichnete Hans Günther Ullrich sie angesichts ihres inzwischen jahrzehntelangen Engagements. Ullrich war als Pfarrverwalter von Liebfrauen und Leiter der Abteilung Ehrenamt in doppelter Funktion vor Ort. Generalvikar von Plettenberg überreichte den drei Geehrten die von Bischof Stephan Ackermann unterzeichnete Dankesurkunde des Bistums Trier.

 Bereits seit 1967 engagiert sich Ricarda Kuhner in der Gemeinde Liebfrauen. Dabei übernahm sie verschiedenste Aufgaben, zum Beispiel als Firmkatechetin, Kommunionhelferin oder Lektorin. Sie gehörte zunächst dem Pfarrgemeinderat an, bevor sie seit 1982 im Verwaltungsrat Liebfrauen mitwirkte, dessen stellvertretende Vorsitzende sie seit 2017 ist. Dort betreut sie das Ressort Personal. Ullrich erklärte in seiner Würdigung, es sei ihm leicht gefallen, auf den Vorsitz im Verwaltungsrat zu verzichten, weil es Menschen wie Ricarda Kuhner gebe, die diese Aufgabe professionell und mit Herz angingen.

Hansjosef Raltschitsch ist seit 1972 durchgängig Mitglied im Pfarrgemeinderat Liebfrauen. Ullrich hob außerdem sein Engagement im Vorbereitungsteam der Fronleichnamsprozession und sein handwerkliches Geschick hervor, dass er immer wieder für Feste einbringe. Raltschitsch ist zudem Mitinitiator der Klausenwallfahrt. Ein Herz für bedürftige Menschen zeigt er jedes Jahr bei der „Weihnacht der offenen Tür“ im Kolpinghaus.

Für den dritten Geehrten, Heinz Valerius, ging es 1975 von null auf hundert: Gerade erst zugezogen, kandidierte er auf Vorschlag von Ricarda Kuhner für den Pfarrgemeinderat und erhielt gleich den Vorsitz, den er bis 2000 innehatte. Nach einigen Jahren als Pfarrgemeinderatsmitglied hat er den Vorsitz seit 2015 erneut inne. Er ist als Lektor tätig und organisiert den Neujahrsempfang. Besonders hervorzuheben ist allerdings seine Tätigkeit als Organisator des Besucherdienstes der Liebfrauenkirche. Dort koordiniert er über 40 Ehrenamtliche, die in 2-Stunden-Schichten den Besuchern von Liebfrauen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Dank seines Engagements ist dieses Team auch über den Dienst hinaus freundschaftlich verbunden.

„Palaver“ gibt es seit einiger Zeit im Ruwertal. Was für die Trierer zunächst negativ klingt, ist ein herausragendes Beispiel für kirchenübergreifende Zusammenarbeit zum Dienst am Mitmenschen. 2015 gründete sich dort der Verein „Netzwerk Willkommen im Ruwertal und auf den Höhen“, getragen von der katholischen und evangelischen Kirche, der Caritas, dem Diakonischen Werk und auch der Verbandsgemeinde.

Das Begegnungscafé Palaver leitet seinen Namen aus dem Afrikanischen ab, wo es Versammlung und Kennenlernen bedeutet. Entstanden im Zuge der Flüchtlingsbewegung zeigt sich an diesem Beispiel, wie sich ein Projekt im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Ursprünglich konzentrierte sich das Projekt auf die Flüchtlingshilfe.

Und obwohl diese immer noch gelebt wird, ist das Projekt ganz  ausdrücklich offen für alle Menschen, unabhängig von Alter oder Herkunft. Auch deshalb wird für keine der Veranstaltungen Eintritt erhoben – jeder, der möchte, soll vorbeikommen können: zum Kochen, Basteln, zu Sprachkursen, Vorträgen und natürlich zum jährlich stattfindenden großen Sommerfest.

Auch Projekte wie das Urban Gardening oder Upcycling bringen neue Aspekte in die Arbeit ein. Generalvikar von Plettenberg würdigte das Netzwerk Willkommen als einen Ort der Menschlichkeit, an dem Vielfalt als Bereicherung angesehen werde und wo auf die Bedürfnisse anderer reagiert werde.

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