1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Laurons II – stürmische Fahrt durch Trier mit Ziel an der Mosel (Fotos/Video)

Geschichte : Die stürmische Fahrt des Römerschiffs durch Trier (Video/Bilder)

Kurz nachdem die Laurons II am Mittwochabend in Richtung Hafen gestartet ist, setzt das Unwetter ein. Dennoch ist das Schiff schneller als erwartet. In den nächsten Tagen wird das Schiff komplett fertig gebaut, die Taufe ist für Anfang Juli geplant.

Es ist eines der Höhepunkte für Christoph Schäfer, Professor für Alte Geschichte der Universität Trier. Nach mehr als zweijähriger Bauzeit war es am Mittwochabend so weit. Ein Originalnachbau eines römischen Handelsschiffes mit dem Namen Laurons II ist mit einem Schwertransporter von der Uni einmal quer durch die Stadt zum Wasser- und Schifffahrtsamt gefahren worden.

Bereits am Nachmittag wird das Dach der Halle, welche eigens für den Bau des Schiffes errichtet worden war,  geöffnet. Mit zwei großen Kränen wird das Holzschiff schließlich aus der Halle gehoben und auf einen achtachsigen Auflieger gestellt, der ohne Zugmaschine ferngesteuert wird.

Am Abend geht es los. Um kurz nach 22 Uhr kommen immer mehr Menschen auf den Ostparkplatz der Universität. Das Schiff steht fest verschnürt auf dem Schwertransporter und wartet auf die Abfahrt. Die Blicke von Professor Schäfer und allen Verantwortlichen gehen minütlich Richtung Himmel. „Eine Verschiebung ist wegen des großen Aufwandes im Vorfeld ausgeschlossen, wir hoffen das Beste“, sagt er.  Um kurz nach 22.30 Uhr startet der Transporter.

Römerschiff: Transport durch Trier

Das Schiff hat das Unigelände kaum verlassen, da fängt es richtig an zu stürmen. Doch die Fahrt wird fortgesetzt. So rollt der Konvoi von zwei Polizeifahrzeugen, dem Begleitfahrzeug der Firma Wöffler, dem Schiff und dem Schwertransportbegleitfahrzeug in Richtung Tarfost und weiter Richtung Trier- Filsch.

Ampeln werden kurzfristig abgeschaltet und auf die Seite gedreht. Ebenso Verkehrsschilder. Bei starkem Gewitter rollt das Handelsschiff weiter durch Trier-Olewig in Richtung Kaiserthermen. Immer wieder halten Autofahrer an, um das rollende Schiff zu fotografieren. „Ich möchte nicht, dass die zwei Arbeiter der Firma Steil allein mit dem Schwertransport im strömenden Regen gehen, also gehe ich zu Fuß mit“, sagt Professor Schäfer.

Problemlos fährt der Tross über die Kaiserstraße bis hin zum Barbaraufer und über die Konrad-Adenauer- Brücke. Südlich der Mosel kommt das Schiff über die Luxemburgerstraße und der Diedenhofenerstraße schließlich um kurz vor 1 Uhr am Bauhof des Wasser- und Schifffahrtamtes an. „Alles hat reibungslos geklappt, und wir sind sogar mehr als eine Stunde früher als geplant angekommen“, freut sich der Leiter des Bauprojekts Schäfer.

Um acht  Uhr am Donnerstagmorgen versammeln sich wieder Studenten der Universität, die am Bauprojekt beteiligt sind, mit ihrem Professor und zahlreichen anderen Verantwortlichen zum Abladen des Schiffes. Wieder stehen zwei Kräne der Firma Steil vor Ort und bereiten das Anheben des Handelsschiffes vor.

Mit dabei ist auch Peter Johann, Student an der Uni. „Ich habe vor zwei Jahren angefangen, am Boot mitzubauen. Ein Erlebnis für mich  war es, zu sehen, wie das Schiff immer größer wurde.“ Die beiden letzten Tagen seien zwar stressig gewesen, aber der Aufwand habe sich gelohnt. „Jetzt habe ich ein weinendes und ein lachendes Auge. Ein weinendes, weil das Schiff nicht mehr bei uns an der Universität ist,  und ein lachendes, weil ich jetzt weiß, dass in Kürze die Testfahrten auf dem Wasser starten“, erzählt der Student weiter.

Währenddessen sind die Arbeiten zum Anheben und Übersetzen abgeschlossen. In langsamer Millimeterarbeit hebt sich das Schiff an und schwebt nun über dem Auflieger in der Luft. Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts bereiten den Ablageort am Wasser im Hafen vor. Vorsichtig sinkt das Schiff wieder und kommt passend auf der Holzvorrichtung auf.

„Die Reise war für uns ein ganz besonderes Erlebnis, weil das Schiff zum ersten Mal gleich gewässert wurde, was natürlich nicht geplant war. Das Originalschiff ist damals in einem Unwetter gesunken, und heute fährt der Nachbau in einem Unwetter quer durch die Stadt Trier.“ Schäfer ist begeistert.

Das Römerschiff Laurons II musste sich seinen Weg zum Trierer Hafen am Mittwochabend durch einen heftigen Sturm erkämpfen – allerdings nicht auf dem Wasser, sondern auf dem Landweg. Alles hat reibungslos funktioniert. Foto: Florian Blaes
Auf einem Schwertransporter rollt das Schiff durch Trier. Foto: Florian Blaes

Auf dem Bauhof des Wasser- und Schifffahrtamtes wird das Schiff in den kommenden Wochen fertig aufgebaut. Die Taufe ist für Anfang Juli geplant.