LEBEN IN TRIER

Attana (49): "Ich bin 1993 aus dem kriegsgeschüttelten Sudan geflohen. Fünf Jahre lang habe ich in Montabaur als Reinigungskraft und in einem Blumenladen gearbeitet. Vor einem Jahr musste ich nach Trier ziehen und meine Arbeit aufgeben.

Wir leben zu sechst in einem Zimmer, es ist oft so laut, dass ich nicht schlafen kann. Bis ich hierher kam, war ich nie krank, jetzt habe ich Herz- und Magenprobleme und Depressionen. Das hat mir ein Arzt attestiert. Ich habe oft Hunger. Es ist hier wie im Gefängnis, ohne Privatsphäre. Ich will hier weg - hier habe ich keine Zukunft. Zuhause habe ich als Fischer gearbeitet." Gima (37): "Ich bin vor acht Jahren aus Guinea geflohen. Zuerst habe ich in Bitburg gewohnt und auf dem Flugplatz gearbeitet. Dann musste ich nach Trier ziehen. Im Ausreisezentrum lebe ich seit zweieinhalb Jahren. Es ist wie im Gefängnis. Das Essen ist nicht nach meinem Geschmack und zu wenig. Meine Girokonto-Karte, mein Arbeitsausweis, meine Krankenversicherungskarte sind wertlos geworden - ich bin niemand mehr. Kein Taschengeld, keine Arbeit, nichts, was ich selbst bestimmen kann. Manchmal treibe ich Sport im Kraftraum, aber sonst habe ich nichts zu tun. Wir dürfen keinen Job annehmen, aber ohne Arbeit hat man keine Zukunft. Ich werde noch verrückt. Zu Hause war ich Englischlehrer."