Leben ohne Stillstand

TRIER. Die Schulleitung am Auguste-Viktoria-Gymnasium ist vollständig. Leonie Eiden-Benedum, die 22 Jahre am FWG unterrichtete, wurde zweite Stellvertreterin von Oberstudiendirektor Bernhard Hügle.

Nein, Bernhard Hügle erfreut sich bester Gesundheit und denkt nicht daran, die Schulleitung am Auguste-Viktoria-Gymnasium aufzugeben. Im Gegenteil: Hochmotiviert geht er ins nächste Schuljahr. Als neue Leiterin der Orientierungsstufe und zweite Stellvertreterin von Oberstudiendirektor Hügle ist Leonie Eiden-Benedum Teil der Schulleitung an der Seite von Martin Harz (Erster Stellvertreter) und Elfriede Mommenthal-Aymanns (Leiterin der Schule für Hochbegabtenförderung/Internationale Schule). Der TV hatte am 17. Juli irrtümlich berichtet, Leonie Eiden-Benedum verlasse die Einrichtung, um am AVG die Schulleitung zu übernehmen. Die Abschiedsrede von Leonie Eiden-Benedum am FWG war die längste von allen und vertrieb so manchem Zuhörer die Sektlaune. Eitel Sonnenschein verbreitete sie nicht, denn Schönrederei und Opportunismus gehen der temperamentvollen Lehrerin ab. Sie spricht Missstände an und möchte Dinge bewegen. Das zeichnete sich schon als Kind ab. Nachdem sie bereits ihrer Mutter, Großtante und Oma bei Flick- und Handarbeiten Geschichten vorlas, versuchte sie in dem kleinen Ort im Hochwald, wo sie aufwuchs, Interesse an Literatur zu wecken. In einer Dachkammer richtete die kreative Grundschülerin einen Leseraum für Kinder ein. Das Projekt scheiterte jedoch an der geringen Nachfrage. "Ich war sehr verärgert, dass dort Bildung nicht vermittelbar war." Daraufhin habe sie beschlossen, aufs Gymnasium zu gehen, zu studieren und Journalistin zu werden. Nach dem Abitur am Treveris-Gymnasium arbeitete Leonie Eiden-Benedum während ihres Studiums in Trier einige Jahre für den Saarländischen Rundfunk. Dass sie schließlich Lehrerin wurde, lag an der besseren Berufsperspektive. Nach dreieinhalb Jahren am Dauner Thomas-Morus-Gymnasium kam sie 1984 ans FWG. Dort betreute sie mehrere Jahre die von ihr neu gegründete und für ihre kritische Berichterstattung vielfach ausgezeichnete Schülerzeitung "Maulwurf" und lehrte kreatives Schreiben. "Ich habe erkannt, wie wichtig Projektarbeit ist, weil man Schüler dabei ganz anders erlebt." Die Oberstudienrätin beteiligte sich mehrfach am KLASSE!-Projekt dieser Zeitung und startete kurz vor ihrem Weggang eine Aktion zur Berufsplanung mit der Industrie- und Handelskammer unter der Leitung von Alexandra Lossjew. Für dieses Projekt, bei dem Schüler mehr Klarheit gewinnen sollten über sich selbst und ihre Zukunftswünsche, habe sich mit Kirsten Beckmann bereits eine Nachfolgerin gefunden. "Ich hoffe, dass das eine feste Institution am FWG wird." Schon seit ihrer Arbeit mit der Schülerzeitung herrschte nicht immer Konsens mit der damaligen Schulleitung am FWG. Ihre Motivation und ihre Ideale scheint die engagierte Pädagogin jedoch durch die Auseinandersetzungen nicht verloren zu haben: "Ich möchte mitarbeiten am Profil der Schule und bin stolz darauf, einem Team anzugehören, das eine Vision hat", sagt die 50-Jährige. "Ich brauche ein Kollegium, das gemeinsam etwas will." Bewegung bringt die Deutschlehrerin auch in den Unterricht. Sie bearbeitet gerne moderne Literatur, die nicht auf den Lehrplänen steht, und streift auch häufig andere Fächer, wie Philosophie oder Naturwissenschaften. Auch in ihrer Freizeit spielt Bewegung eine große Rolle. "Moderner Tanz ist für mich das Allergrößte." Es nimmt nicht wunder, dass auch Wandern und Reisen zu ihren Hobbys gehören. Im Leben von Leonie Eiden-Benedum gibt es keinen Stillstand.