Stadtentwicklung: Lebendiges Walzwerk-Areal – In Kürenz wird nicht geschlafen

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : Lebendiges Walzwerk-Areal – In Kürenz wird nicht geschlafen

Von der Stadt für das „lebendige“ Walzwerk-Areal ausdrücklich erwünscht ist die frühe Beteiligung der Bürger  bei den ersten Planungsschritten. Was es nicht geben soll: einen Schlaf-Stadtteil.

Bis die ersten Bagger auf dem Gelände des ehemaligen Walzwerks in Alt-Kürenz anrollen, werden wohl noch etliche Monate ins Land gehen. Gemeint sind nicht die schon dagewesenen mit der Abriss-Birne (der TV berichtete mehrfach). Und doch: Ein weiterer, nicht von der Hand zu weisender Schritt hin zur Vermarktung wurde  am vergangenen Donnerstag getan mit einer offenen Info-Veranstaltung des städtischen Planungsamtes. Transparent soll die Planung von Anfang an sein, mit so viel Bürgerbeteiligung wie möglich, lautet die vom Trierer Rathaus vorgegebene Devise.

Zur Erinnerung: Die Triwo-Unternehmensgruppe Trier hat den einstigen Industriekomplex erworben und möchte so schnell wie möglich mit der Vermarktung loslegen. Verständlich, dass der Privat-Investor  nach der Zeit-ist-Geld-Maxime schnell vorankommen will. Zu mäkeln gibt es für Triwo-Prokurist Lars Kollmann nichts, was die bisherige Vorgehensweise der Verwaltung angeht, wie er auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds mitteilt.

Infoabend mit 60 Teilnehmern  60 Interessierte waren in den St.-Bonifatius-Pfarrsaal gekommen, um sich aus erster Hand schlau zu machen, was denn jetzt mit dem Gelände geschieht, was auf Kürenz überhaupt zukommt. Ausdrücklicher Wunsch der Verwaltung an die Bevölkerung: Die Kürenzer sollen schon zum Planungsbeginn mitreden und sich eben nicht bloß in der Rolle als Zuschauer/Zuhörer wiederfinden.

Zum Mitmachen ermuntert wurden die anwesenden Kürenzer von der Leiterin des Stadt-Planungsamtes, Iris Weimann-Engler, wie auch von der das Projekt begleitenden Moderatorin Judith Nägeli vom Büro „Konzeptionell“ aus Karlsruhe.  So bot schon die erste von insgesamt vier geplanten Info-Veranstaltungen den Zuhörern Gelegenheit, den Fachleuten Fragen zu stellen, Anregungen aus eigener Ortskenntnis loszuwerden und mitzudiskutieren. Gebrauch gemacht wurde davon reichlich, wenngleich sich nahezu alles bei den Redebeiträgen um den Verkehr in dem leidgeplagten Stadtteil drehte, der, so wurde allgemein befürchtet, durch das neue 4,1 Hektar große Areal inmitten von Alt-Kürenz verstärkt zunehmen werde. Völlig außen vor beim Publikum blieb das neue Nahversorgungszentrum (BK 24) an der unweit angrenzenden Schönbornstraße, das in der jüngsten Vergangenheit für teils heftige Diskussionen um dessen Für und Wider gesorgt hatte. An diesem Abend wurde es nicht mit einem Wort erwähnt. Bei der Wuchtigkeit des Walzwerk-Projekts scheint BK 24 mehr in den Hintergrund zu rücken.

Den heftigen Verkehr im Stadtteil wollte Verkehrsplaner Sebastian Hofer (Darmstadt) weder kleinreden noch konnte er ein Patentrezept vorlegen, wie die Verkehrsproblematik gelöst werden könne, trotz vier erarbeiteten Varianten. Die engen Straßen um das Walzwerk-Gelände seien nun mal wie sie sind. Großes Veränderungspotenzial sah Hofer nicht für eine Verkehrsplanung. Er rechne bei seinen Vorschlägen mit den Ist-Gegebenheiten und nicht mit der Situation, wenn zum Beispiel die Nord-Umfahrung unmittelbar vor der Tür stünde. Brächte diese die gewünschte Entlastung mit sich, sei dies für Kürenz umso besser.   Das Kürenzer Allheilmittel „Umfahrung“ „haben wir im Hinterkopf“, bestätigte Iris Weimann-Engler den Zuhörern.

Autos aus Quartier verbannen? Rigoros alle Autos aus dem neu entstehenden Quartier zu verbannen, schlugen gleich mehrere Zuhörer vor. Mit dieser zweifelsfrei gewagten Lösung könnte Trier es anderen deutschen Städten nachmachen, ermunterte ein Zuhörer die Planungen in diese Richtung gehen zu lassen und war sich sicher: „Ein komplett autofreies Quartier würde gut funktionieren.“ Eine Meinung, die nicht von allen Anwesenden geteilt wurde, alleine schon durch die Stadtrats-Vorgabe Mischgebiet mit Wohnen (womöglich auf einen Anteil von 60 Prozent gehend), Handwerk, Kultur, Sport, Freizeit und Gastronomie.

Drei weitere Bürger für Arbeitskreis: Die Planer legten den Anwesenden ans Herz, sich bei einer aufzustellenden Arbeitsgruppe für das Walzwerk-Areal einzubringen. In dem Arbeitskreis können noch weitere drei Bürger mitmachen. Gesetzt ist als ein Mitglied die Bürgerinitiative „WalzwerkQuartier“ Kürenz (BIWaQ). Die für eine Bewerbung auf Bürgerseite für die drei noch offenen Arbeitskreis-Stellen von der Verwaltung vorbereiteten Anmeldebogen gingen zwar nicht weg wie die sprichwörtlichen „warmen Semmeln“, dennoch waren die Vertreterinnen des Planungsamtes damit zufrieden, dass nicht wenige der Anwesenden einen Bewerbungsbogen eingesteckt haben. Diese sollen der Verwaltung bis zum 29. September eingereicht werden.

Sollten mehr als drei Bewerbungen eingehen, dürfte es zu einem Losentscheid kommen.

Zehn Fragen hatte die Moderatorin mitgebracht und gebeten, kurz niederzuschreiben, was die Kürenzer denn so erwarten. Anders als bei den Nur-Verkehrs-Redebeiträgen waren die Wunsch-Vorstellungen hier vielseitiger. Ein kleiner, nicht repräsentativer Auszug von den Pin-Wänden: Parkähnliche Anlage im Quartier, naturnahe Flächen, Mehrgenerationen-Haus, gute Durchmischung bei den verschiedenen Nutzungen, Treffpunkt für alle Kürenzer schaffen, Kita und Grundschule in Planungen einbeziehen.

Auf die Frage, was sie an Kürenz schätzen, kam der Hinweis auf die Innenstadtnähe und auf einen grünen Stadtteil, in dem es auch ohne Auto ginge – wobei die Thematik wieder beim Verkehr angekommen war.

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