Lebensfroh mit 101 Jahren

Trier-Pfalzel · Regina Flesch hat den Ersten und Zweiten Weltkrieg miterlebt. Die 101-Jährige aus Pfalzel hat viel gearbeitet und ist eine lebensfrohe Frau, die gerne von ihren Erfahrungen berichtet.

Regina Flesch ist ein echtes Pfalzeler Urgestein. TV-Foto: Jasmin Wagner

Trier-Pfalzel. Ihr ganzes Leben lang hat Regina Flesch in Pfalzel gelebt. Zuerst in der Pfalzgrafenstraße und dann, nach ihrer Heirat, Am Bahndamm. Zuletzt wohnte sie bis zu ihrem 97. Lebensjahr Im Kändelchen. Nach einigen Stürzen ist sie ins Awo-Seniorenheim an der Härenwies gezogen.
"Sie ist ein echtes Pfalzeler Mädchen und Urgestein", sagt Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel über die Jubilarin. "Sie ist eine lebenslustige Frau. Sie hat das Leben immer genossen, trotz der Widrigkeiten des Kriegs. Auch heute noch ist sie einfach ein Sonnenschein", sagt ihr Neffe Jürgen Hutmacher.
"Als Kind habe ich viel an der Mosel gespielt", erzählt Regina Flesch. Als jüngstes von neun Geschwistern sei sie ein bisschen verwöhnt worden. Während des Zweiten Weltkriegs hat sie die Mahlzeiten für ihre Familie in die Stadt gebracht. "Das war nicht immer einfach. Einmal hat eine ganze Kompanie von Amerikanern auf der Pfalzeler Brücke gestanden und mir den Weg versperrt", sagt die 101-Jährige.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie in der Zigarrenfabrik in Pfalzel als Zigarrenrollerin: Sie schnitt das Tabak-Deckblatt auf das richtige Maß und rollte es um die gepresste Rohzigarre herum, deren Spitze und Ende verklebt wurden. Als 1957 Maschinen zur Zigarrenherstellung eingesetzt wurden, wurde der Betrieb geschlossen. Regina Flesch hatte ihre Arbeit dort schon einige Jahre zuvor verloren und eine Anstellung bei der Schuhfabrik Romika in Gusterath gefunden. Die Anreise zur Arbeitsstelle war beschwerlich: "In den ersten Jahren war die Pfalzeler Brücke noch durch den Krieg zerstört, so dass ich mit der Fähre über die Mosel fahren musste. Von Ruwer aus bin ich dann mit dem Zug nach Gusterath gefahren", berichtet Regina Flesch.
Mit fast 50 Jahren heiratete sie ihren Mann, den sie bei den vielen Bahnfahrten kennengelernt hatte. Er arbeitete bei der Bahn, und sie unternahmen viele Reisen. Besonders oft zog es sie an den Königssee nach Bayern. Außerdem ist Regina Flesch gerne gewandert.
"In Pfalzel ist sie bekannt und beliebt wegen ihrer vielen Spaziergänge durch den Ort. Für ein Schwätzchen ist sie immer zu haben", sagt ihr Neffe. Oft habe sie ihre Schwester im Ort zum Kaffeetrinken besucht, erzählt die Seniorin. "Ich bin immer gerne und viel gelaufen."
Vielleicht ist das ihr Rezept für ein langes Leben: aktiv sein. Noch heute im Seniorenheim nimmt sie an der Gymnastikstunde teil. Vielleicht aber verdankt sie ihr langes Leben auch dem Gläschen Wein oder Sekt, das sie ab und an trinkt. Oder es liegt an den Genen: Fast alle ihre Geschwister - bis auf zwei, die bereits im Kindesalter gestorben sind - sind mehr als 80 Jahre alt geworden.