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Lebensgefahr in Trier-Euren: Bahnschranke bleibt offen, wenn die Güterzüge rollen

Lebensgefahr in Trier-Euren: Bahnschranke bleibt offen, wenn die Güterzüge rollen

Die Bahn hat sich gerade erst bereiterklärt, den defekten Bahnübergang in Trier-West zu sanieren – da treten an der Schrankenanlage in Euren neue Probleme auf. Doch dieses Mal besteht absolute Lebensgefahr.


Die Szene hat trotz der sehr ernsten Situation etwas Komisches. Ein Güterzug rollt über den Bahnübergang in der Eurener Eisenbahnstraße. Die Schranken sind oben, die Signalanlage zeigt rotes Licht. Der Zug rollt und rollt, und schließlich, als habe sie die Tonnen aus Stahl eben erst bemerkt, senkt sich auch die Schranke. Viel zu spät.
Ein Anwohner der Eisenbahnstraße filmt diese Szene, die sich am Montag in Euren abgespielt hat, und informiert Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz (FWG). Der Augenzeuge bittet den TV darum, seinen Namen nicht zu nennen. "Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas geschieht", sagt er dem TV. "Am Montag hat niemand reagiert, weder die Bahn noch die Polizei waren in Euren vor Ort."

Der Zeuge hat recht - die Eurener Schranken blieben bereits Ende April offen, während ein Zug vorbeirollte. Ein Ehepaar, das mit einem Firmentransporter aus Euren auf der Eisenbahnstraße in Richtung Luxemburger Straße fuhr, entging nur knapp einem Zusammenprall mit einem Güterzug (der TV berichtete). Der Fahrer hatte den Zug erst auf den Gleisen gesehen. Er fuhr noch rechtzeitig zurück. Der Lokführer betätigte die Notbremse, niemand wurde verletzt. Ein Bahnsprecher betonte am Tag danach, die Schrankenanlage funktioniere einwandfrei. Schuld sei der Fahrer des Transporters, er habe das Rotsignal missachtet.

Ortsvorsteher Schmitz ist auf den Barrikaden. "Es ist völlig unglaublich, was sich hier abspielt", sagt der für die FWG im Stadtrat sitzende Ortschef. "Die Bahn hat bereits Experten geschickt, die sich den Bahnübergang über Tage hinweg genau angesehen haben. Eine Lösung haben sie offenbar nicht gefunden." Schmitz fordert die Deutsche Bahn AG auf, sofort zu reagieren. Der Bahnübergang am Ortsausgang von Euren führt direkt zur Luxemburger Straße (B?49) und damit zu einer Hauptverkehrsader in Trier, er wird sehr oft genutzt.

Die Bundespolizei ist verantwortlich für Sicherheit und Ordnung auf allen Bahnhöfen und Bahnanlagen. "Wir sind nach den Berichten in der Presse und auf Facebook bereits aktiv geworden und haben die Bahn aufgefordert, den Defekt zu beheben", sagt Polizeisprecher Stephan Frücht. "Wenn das nicht zeitnah geschieht, werden wir das Eisenbahnbundesamt einschalten." Die Bundespolizei habe jedoch keine direkte Weisungsbefugnis gegenüber der Bahn, auch nicht in solchen Fällen akuter Gefahr. "Wir müssen der Bahn jetzt Gelegenheit geben, zu reagieren", erklärt Frücht.

Ein Sprecher des zentralen Pressestelle der Deutschen Bahn AG in Berlin erklärt auf Anfrage des TV die Sichtweise der Bahn. "Der Defekt an der Schrankenanlage ist bekannt", sagt er. Die Ursache sei eine technische Störung der Meldeanlage, die das Nahen eines Zuges ankündigt. "Die Zugführer wissen von diesem Defekt und fahren deshalb mit stark verringerter Geschwindigkeit auf Sicht durch den Übergang."

Was die Störung verursacht und wie sie behoben werden kann, sei noch unklar. "Unsere Fachleute sind dabei, das vor Ort zu überprüfen", sagt der Sprecher. "Danach wird entschieden, ob die Anlage erneuert werden muss."Der Kommentar

Unglaublich!

Von Jörg Pistorius

Die defekte Schranke in Trier-West, die immer mal wieder nicht mehr aufgeht, ist vor allem ein Verkehrsproblem und damit ein Ärgernis - auch wenn sie indirekt eine Gefahr darstellt, da einzelne Fahrer schon auf die schlechte Idee kamen, den Bahnübergang trotz geschlossener Schranke zu überqueren. Doch die Lage in Euren ist wesentlich gefährlicher. Die Schranke ist offen, dennoch kommt ein Zug. Das bedeutet Lebensgefahr.

Die lässige Haltung der Bahn ist absolut inakzeptabel. Der Konzern kennt das Problem der offen bleibenden Schranken - doch statt es sofort zu beheben, lässt er seine Zugführer einfach langsamer fahren. Diese Methode wendet die Bahn offenbar seit Monaten an. Damit geht sie ein viel zu hohes Risiko ein. Auch im langsameren Tempo kann ein Güterzug nicht rechtzeitig stoppen, wenn der Lokführer in letzter Sekunde Autos oder Menschen auf den Gleisen sieht. Unglaublich.

Die Bahn muss die Anlage sofort reparieren. Sollte sie damit überfordert sein, muss sie die Züge umleiten oder den Bahnübergang trotz der damit verbundenen Verkehrsbelastung vorerst sperren.