Lecker Fisch

TRIER. (ae) Gleich eimer- und tütenweise wurde am Wochenende beim Marktschreier-Festival auf dem Viehmarkt Käse, Wurst, Fisch und Obst unters Volk gebracht. Deftiger als die Ware fielen zur Gaudi der Besucher jedoch die Sprüche von Käse-Rudi, Aal-Ole, Schinken-Axel und Obst-Micha aus.

"So sieht's aus, so geht's raus", schmettert Käse-Rudi, der stämmige Hüne, und reicht einen über den Rand mit Käse vollgepackten Eimer vom Tresen seines Lastwagens. Nebenan wirbt Obst-Micha mit einem lauten "Ooooobst!" für seine "ultimative Obsttüte", die, wie alle heute hier angebotenen Großverpackungseinheiten, für zehn Euro zu haben ist. "Obstverkäufer, hat dich was gestochen, oder wat brüllste so rum?", kommt postwendend der Kommentar von Rudi, der jetzt für eine ältere Dame packt: "So, mein Rehlein, hier haste ma wat kleines Leichtes für die Badewannenfigur." Halbfettkäse wandert in den Eimer, ihm folgt ein golden verpackter Brie: "Aufpassen, 24 Karat!" Da meldet sich Aal-Ole: "Hallo Kääääse, hoffentlich schmeckt dein Zeug nicht wie deine Füße!" Das lässt Rudi nicht auf sich sitzen: "Udo, dich hat doch ein Aal gebissen!" Aal-Ole, alias Udo Vogel ist aber schon nicht mehr bei der Sache, denn er verteilt Fisch-Häppchen: "Du weißt ja, je weiter weg, desto frischer die Ware!" Und falls es dem Kunden doch nicht schmecken sollte: "Geh rüber zu dem da und spuck's aus, der ist das gewöhnt!" Schleppendes Geschäft wegen der Hitze

"Der da" ist Schinken-Axel, der die Polizeiknüppel-Festigkeit seiner Wurst mit heftigen Schlägen aufs Thekenblech unter Beweis stellt und genauso schlagkräftig Sprüche klopft. "So, jetzt noch ein bisschen Schweinearsch in Strapse", kommentiert er den gerade in die Wursttüte wandernden Schinken im Netz. Als Extra dazu gibt's "Wattwurm", eine extra lange und dünne Salami. In die will der Kunde eben herzhaft beißen, als es von Aal-Ole herüberschallt: "Ey, Salmonelli, gestern hast du doch noch Haare gehabt, sind die über Nacht von Salmonellen abgeknabbert worden?" Und Obst-Micha, an dessen Stand gerade Flaute herrscht, bekommt auch sein Fett weg: "Du, Matschkugel, wenn es dir hier nicht gefällt, geh doch nach Magdeburg, da fressen sie alles." Trotz brütender Hitze und durchgeschwitzter Kleidung stehen die stimmgewaltigen Mundwerke der Marktschreier nicht still. Entertainment ist schließlich ihr Job. Bis November ist die Gruppe auf Festivaltour in ganz Deutschland unterwegs, mal läuft das Geschäft besser, mal schleppender. So wie an diesem Wochenende. "Es ist einfach zu heiß", meint Obst-Micha, der um seine Ware bangt. Er musste sie provisorisch unter einem Zeltdach unterbringen, weil sein LKW auf der Fahrt nach Trier durch einen Auffahrunfall beschädigt wurde. Und noch einer hatte Pech: Blumen-Ralf ist krank geworden und fehlt deshalb in der Runde. Die Besucher, die es trotz sengender Sonne auf dem Viehmarkt aushalten, haben dennoch Spaß. Einer lässt sich sogar von der Schlagkraft der Profis anstecken und führt die Spitzen von Aal-Ole gegen Käse-Rudi weiter: "Was soll der können, der hat doch keine Haare." Die Antwort wandert in Form eines weiteren gefüllten Eimers über den Tresen. Denn Käse - kulinarisch und verbal - ist an diesem Wochenende am meisten gefragt.

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