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"Lehrreiche, aber oft auch enttäuschende Jahre" - Grünen-Stadtratsmitglied Anja Reinermann-Matatko legt Mandat nieder

"Lehrreiche, aber oft auch enttäuschende Jahre" - Grünen-Stadtratsmitglied Anja Reinermann-Matatko legt Mandat nieder

Als Spitzenkandidatin hat Anja Reinermann-Matatko die Trierer Grünen 2009 zu einem Rekordergebnis geführt, elf Jahre gehörte sie dem Stadtrat an. Im Mai legt sie ihr Mandat nieder, aus beruflichen Gründen. Ihre Fraktion verliert mit ihr eine Leistungsträgerin.

Trier. Anja Reinermann-Matatko geht nach Bonn. Was in früheren Zeiten nach politischem Karriereschub geklungen hätte, hat rein private Motive. Die Grüne verlässt Trier aus beruflichen Gründen. Ihr Mandat im Stadtrat werde sie im Mai niederlegen, kündigte sie gegenüber dem TV an. In den Stadtrat nachrücken soll Christa Jessulat.
Reinermann-Matatkos Weggang bedeutet für ihre Fraktion einen herben Verlust - auch wenn das in der Partei, der sie erst 2014 beitrat, nicht alle so sehen werden. Dass sie dort wenig Freunde hatte, zeigte sich im Vorfeld der zurückliegenden Stadtratswahl: Nur mit Mühe schaffte es Reinermann-Matatko auf einen sicheren Listenplatz. Manch parteiinternem Kritiker galt sie als unsichere Kantonistin, und als die 34-Jährige eigene politische Ambitionen zeigte, wurde sie einigen innerparteilichen Konkurrenten verdächtig.
Dabei deckte sie in ihrer Fraktion fast im Alleingang jene Politikfelder ab, die für das Profil der einstigen Ökopartei wichtig sind. Seit der fachlich versierte und rhetorisch starke Verkehrsexperte Clement Atzberger 2007 den Stadtrat verließ, war Reinermann-Matatko die einzige Grüne, die sich ernsthaft dem Thema Mobilität widmete. In Rat und Ausschüssen lieferte sie sich heftige Wortgefechte, vor allem mit Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani kam es oft zum offenen Schlagabtausch.
Vor elf Jahren wurde sie erstmals in den Stadtrat gewählt. Zuvor hatte sie sich im Naturschutz engagiert. "Ich hatte keine Ahnung, wie Kommunalpolitik funktioniert, und keine Ahnung von den Akteuren der Partei, die mich auf ihre Liste gewählt hatten", erinnert sie sich. Sucht man bei den Trierer Grünen heute nach profilierten Umweltpolitikern, fällt einem spontan nur der Doppelname der Geografin ein.
Das ist bemerkenswert für eine Partei, die ihre Wurzeln auch in der Umweltbewegung hat. 2009 führte Reinermann-Matatko, die damals noch parteilos war, und Gerd Dahm die Grünen als Spitzen-Duo in die Kommunalwahl. Mit 17,6 Prozent der Stimmen und zehn Sitzen im Rat holte die Partei ein Rekordergebnis.
Dass sie nun das Weite sucht, sei auch der Abkopplung Triers vom Fernverkehr der Bahn geschuldet, erklärt Reinermann-Matatko, die mit Mann und Sohn die Stadt verlässt. Nach ihrer Promotion habe sie sich selbstständig gemacht, zurzeit erstelle sie "Schulentwicklungspläne für Kommunen in ganz Deutschland". Wegen des Wegfalls der IC-Züge, der die Region "noch weiter von potenziellen Geschäftspartnern entfernt", ziehe sie fort. Die zusätzlichen Bahnstunden "von Trier aus in alle möglichen Fahrtrichtungen und die Wartezeiten beim Umsteigen am kalten Koblenzer Bahnhof sind auf Dauer zu viel", ergänzt sie. Auch deshalb Umzug und Rückzug aus der Kommunalpolitik. Ihr Fazit: "Es waren elf lehrreiche, aber oft auch enttäuschende Jahre - es sind eben nicht nur Sachargumente, die entscheidend sind." mst