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Leidenschaft für alte Mopeds

Leidenschaft für alte Mopeds

Sie sind laut, sie haben keinen großen Motor, aber sie sind Kult. Zumindest in Fusenich haben die Mopeds aus den 60er und 70er Jahren viele Liebhaber. Die Kreidlerfreunde fahren im Sommer auf Treffen, im Winter schrauben sie an ihren Maschinen.

Trierweiler-Fusenich. Schön aufgereiht stehen die Kreidler-Mopeds nebeneinander. Die einen blinken und glänzen, wie frisch aus dem Laden. Andere haben schon etwas Patina. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn sie sind schon deutlich mehr als 40 Jahre alt. Und damit häufig älter als ihre Besitzer.

"Angefangen hat die Leidenschaft für die Kreidler mit einer Florett aus dem Jahr 1963", erzählt Harry Feider. Er kaufte die 3,6 PS starke Maschine, genannt "Eiertank" und restaurierte sie sorgfältig. Heute ist das Zweirad in hervorragendem Zustand, bei Oldie-Freunden als Zustand 1 bekannt. Feiders Begeisterung steckte auch andere an. Zunächst Heino Ferring. Auch bei ihm erwachte eine "Eiertankkreidler" aus den 1960er Jahren zu neuem Leben.

Da keiner von ihnen Zweiradmechaniker ist, haben sich die Fusenicher Freunde alles Notwendige selbst beigebracht. Ersatzteile gibt es noch, aber sie sind nicht immer leicht zu finden.

Die Produktion von Kreidler-Mopeds wurde in den 80er-Jahren eingestellt, als die hohen Versicherungskosten für die Motorräder, die bis zu 80 Stundenkilometer schnell waren, eingeführt wurden. Außerdem galt es damals als schick, mit einem japanischen Motorrad unterwegs zu sein. "Ich hatte mit 16 eine Kreidler und wurde von den Honda-Fahrern immer belächelt", erzählt Michael Recht.

Doch warum kein schnelles Motorrad, sondern die alten Kreidler? "Die erzählen Geschichten", sagt Feider und zeigt auf eines seiner vier Mopeds. "Damit ist der Vorbesitzer in den 60er Jahren bis nach Köln gefahren."

Alois Biesdorf, der Älteste unter den Kreidlerfreunden, hat schon früher ein Moped dieses Fabrikats gefahren. Ihn hat die Begeisterung für Kreidler-Motorräder nie losgelassen. Heute stehen in seinem ehemaligen Kuhstall zwei Mopeds, eins aus dem Jahr 1969 für sonntags bei Sonnenschein und eines für jeden Tag. Auch Harry Feider unterscheidet bei seinen Fahrzeugen zwischen denen für schlechtes Wetter und jenen für gutes. Bei denen, die noch im Originalzustand sind, macht auch schlechtes Wetter nichts aus. Sogar einen Schlitten ziehen bei Schnee sei da möglich.

Wichtig ist den Kreidlerfreunden aber vor allem die Gemeinschaft. Bei den Treffen zum Grillen, bei Motorradveranstaltungen und anderen Anlässen geht es immer um PS, Technik und alles rund ums Moped.

Mittlerweile sind auch die Frauen dabei. Auch für sie wurden Kreidlers hergerichtet, so dass gemeinsamen Ausfahrten nichts mehr im Wege steht. "Sonst würden wir euch ja gar nicht mehr sehen", sagt Sonja Ferring lachend. Der Nachwuchs ist auch schon begeistert. Wenn Heino Ferring abends heimkommt, gibt es solange Protest von seinem Sohn, bis es eine Runde mit der Kreidler um den Häuserblock geht.

In den nächsten Wochen, wenn das Wetter weniger zum Mopedfahren einlädt, werden die Kreidlerfreunde weniger fahren und mehr schrauben. Dann wird weniger Motorengeknatter im Ort zu hören sein. Das stört allerdings auch in der Hauptsaison hier niemanden. "Ein Dorf, ein Hobby", und das heißt in Fusenich: Kreidler.

Weitere Informationen: www. Kreidler-veteranen@npage.de