Leise Kampfansage der CDU

Eine "ruhige Zusammenkunft" soll der Politische Aschermittwoch der CDU Trier und Trier-Saarburg werden - mit dieser Ankündigung hält Triers CDU-Chef Udo Köhler Wort. 250 Zuhörer erleben in der Arena einen Abend der eher leisen Töne - der dennoch eine klare Kampfansage ist.

Trier. Laut, polternd, aggressiv, tobenden Beifall auslösend - nein, davon kann am Mittwochabend bei den Christdemokraten in Stadt und Kreis wahrhaftig keine Rede sein. Die Attacken gegen die politischen Mitbewerber, die zur Tradition dieser Veranstaltung gehören, wurden von einer tragischen Realität überrollt. Das Zugunglück im bayerischen Bad Aibling hat die SPD Trier dazu bewogen, ihren Aschermittwoch abzusagen (der TV berichtete). Die CDU hat das nicht getan, doch auch hier zeigt die Katastrophe Wirkung.Landtagswahl 2016


"Wir wünschen uns eine ruhige Zusammenkunft", sagt der Trie rer CDU-Vorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 13. März, Udo Köhler. Ein ambitioniertes Ziel, denn schließlich wollen die Christdemokraten Rot-Grün in Mainz absetzen und Julia Klöckner zur Ministerpräsidentin krönen. Daraus machen sie am Mittwochabend in der Arena auch keinen Hehl.
Schon immer hat der Politische Aschermittwoch davon profitiert, dass die Konfliktthemen geradezu auf der Straße liegen oder sich zumindest um die Straße drehen. Aber der Verkehr ist nur eines von vielen Themen bei der CDU. "Die Zukunft beginnt mit Jugend und Bildung", betont Köhler in seiner Begrüßung. "Der Unterrichtsausfall in Rheinland-Pfalz hat längst jedes erträgliche Maß überschritten." Und dennoch, so der CDU-Vorsitzende, erhalten viele Lehrer Kettenverträge statt Festanstellungen. "Wir fordern feste Verträge", sagt er, und dabei werden dann doch sowohl seine Stimme als auch der Beifall ein wenig lauter.
Das Thema öffentliche Sicherheit ist ebenfalls emotionaler Starkstrom. "Die Polizei in Rheinland-Pfalz schiebt 1,7 Millionen Überstunden vor sich her", sagt Köhler. "Und nein, das liegt keinesfalls an Straftaten, die von Flüchtlingen begangen werden." Der Schulterschluss mit dem sogenannten Plan A2 der CDU-Landeschefin Julia Klöckner ist unvermeidlich. "Die Flüchtlingszahlen müssen gesteuert und reduziert werden. Der Plan A2 ist eine logische Weiterentwicklung. Wir brauchen Grenzzentren an den Rändern Europas."
Dann kommt doch noch eine Schlussattacke, aber zu einer solchen ist ein Spitzenkandidat geradezu verpflichtet: "Rot-Grün hat in Mainz die meisten Schulden in der Geschichte unseres Landes gemacht", ruft Köhler. "Trier braucht einen Kümmerer. 25 Jahre SPD in Rheinland-Pfalz sind wahrlich genug." Marc Spautz ist der Nationalpräsident der Christlich Sozialen Volkspartei (CSV) in Luxemburg. Am Aschermittwoch ist er der Ehrengast der CDU und Hauptredner des Abends. Ebenso wie Köhler spricht Spautz ruhig und souverän, auf verbale Härten verzichtend. Zumindest in Richtung der SPD. Dafür bekommen die Zuhörer gleich zu Beginn eine ganz andere Breitseite ab: "Es stimmt schon bedenklich, wenn man von Luxemburger Seite aus sieht, was im Saarland klappt, in Rheinland-Pfalz aber nicht." Damit müssen viele der anwesenden Christdemokraten zuerst mal fertig werden.
Spautz nimmt die rheinland-pfälzische Landesregierung härter ins Gebet, als Köhler es getan hat. "Es kann doch nicht sein, dass Düsseldorf, München und Kiel in Berlin mehr Gehör finden als Mainz und Trier." Rot-Grün habe nicht den Einfluss, das Gewicht, den nötigen Ruf. "Wenn der bayerische Löwe in München knurrt, hört man in Mainz nur ein Schnurren."
Es folgt eine pointierte Tour de Force durch alle aktuellen politischen Konfliktfelder vom Verkehr über die Familienpolitik bis hin zur Flüchtlingskrise. Hier richtet Spautz den Scheinwerfer ins eigene Ländchen: "Premierminister Xavier Bettel bleibt hier ziemlich blass." Der CSV-Nationalpräsident wirbt für eine "gemeinsame Flüchtlingspolitik" und betont deren Basis: "Wer sich nicht an Werte und Gesetze hält, hat hier nichts verloren."